01.01.15

Fahnden, Ermitteln & Schützen

Der Militärstreife & Militärpolizei des Bundesheeres kommen Aufgaben von Personenschutz über militärischen Eigenschutz bis hin zu Sonderermittlungstätigkeiten zu. Militär Aktuell besuchte den Spezialverband in der Wiener Maria-Theresien-Kaserne.

Der Blick in den Kasernenraum lässt nichts Gutes ahnen. Ein Soldat liegt regungslos auf dem Bett und direkt daneben am Boden eine Pistole. Die Hand des Mannes ist blutig, und dort, wo sein steifer Oberarm über den Bettrand ragt, bildete sich am Parkettboden eine kleine Blutlacke. Noch viel mehr Blut ist auf der Matratze neben dem Kopf des Soldaten zu sehen. Dieses Szenario ist nichts für schwache Nerven und könnte einer Fernsehserie entstammen. Fanden02Da passen auch die beiden Sonderermittler der Militärstreife & Militärpolizei des Bundesheeres gut ins Bild. Sie tragen weiße Overalls, Mundschutz und Gummihandschuhe. Ihre Aufmerksamkeit gilt zunächst den Gegenständen im Raum, um die Spuren mittels kleiner durchnummerierter Täfelchen zu markieren. Sie werden noch Stunden hier verbringen, DNA-Spuren sichern, Fingerabdrücke nehmen, das Handy des Toten überprüfen und alle anderen Maßnahmen tätigen, um den Tatort gerichtsverwertbar aufzuarbeiten. Zum Glück handelt es sich bei alledem nur um ein Übungsszenario, das aber anschaulich zeigt, dass die Sonderermittler der Militärstreife & Militärpolizei im Grunde dieselben Abläufe und Tätigkeiten wie ihre Kollegen von der Polizei ausüben.

Fanden03_20141112_MilitaerAktuell_Militaerstreife_MTK_0032Ausgebildet wurden sie von der Sicherheitsakademie des Bundesministeriums für Inneres, für das sie im Falle eines sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatzes theoretisch auch tätig werden könnten. Wobei polizeiliche Befugnisse nur im Ausland ausgeübt werden dürfen, wie einer der Sonderermittler, der anonym bleiben muss, erzählt: „Als ich im Kosovo eingesetzt war, ging es etwa darum, den Suizid eines italienischen Soldatenkollegen zu klären. Wir mussten den Fall so aufnehmen, dass er für italienische Gerichte verwertbar war.“ Keine leichte Aufgabe, die allerdings nur einen kleinen Teil im breiten Spektrum der 350 Personen umfassenden Militärstreife & Militärpolizei ausmacht (siehe auch Kasten rechts).

„Im Grunde bezieht sich unsere Tätigkeit auf beinahe alle Aspekte der polizeilichen Arbeit“, Fanden04umreißt Oberleutntant Dieter Unterassinger das Aufgabenfeld. Deshalb gehören Hundeführer ebenso zur Einheit wie die Militärstreife. Finden große Veranstaltungen in der Dimension der Airpower oder der jährlichen Leistungsschau am Heldenplatz statt, sind die Leistungen der Militärstreife & Militärpolizei ebenso gefragt wie im Bereich des Personenschutzes, wo ebenfalls eine hochgradige Spezialisierung notwendig ist. In Summe erfüllen die Einsatzeinheiten der Militärpolizei, die sich auf die Standorte Salzburg, Graz und Wien aufteilen, jedes Jahr um die 4.500 Streifenaufträge im Dienste der Sicherheit.

Fanden05Sind hochrangige Militärvertreter auf offiziellem Österreichbesuch, sind Mitarbeiter der Militärstreife & Militärpolizei für die Sicherheit der Gäste zuständig, bis diese das Land wieder verlassen haben. Statt Uniformen tragen sie dunkle Anzüge und ihre Fahrzeuge zeigen keinen militärischen Zusammenhang. Auch diese Mitarbeiter müssen anonym bleiben. „In unsere Tätigkeit fallen aber auch Sicherheitsanalysen, sichere Routenplanungen und das Festlegen von ,Alpharouten‘ und Fanden06alternativen ,Bravorouten‘ falls unerwartete Hindernisse auftauchen. Unsere Arbeit beinhaltet aber auch, vorab Fluchtwege zu definieren, falls tatsächlich etwas passiert“, erzählt einer der Personenschützer.

Keine andere Einheit des Bundesheeres hat – gemessen an ihrem Grundpersonalstock – so viele Mitarbeiter im ständigen Auslandseinsatz wie die Militärstreife & Militärpolizei. Von den 350 Beschäftigten befinden sich etwa 40 bei internationalen Einsätzen – aktuell beispielsweise beim EUFOR-Einsatz in Bosnien oder eben beim KFOR-Einsatz im Kosovo, wo es eine enge Fandem07Zusammenarbeit mit den italienischen Carabinieri gibt. Aber nicht nur bei solchen Einsätzen stehen sich die rot-weiß-rote Militärpolizei und die Carabinieri nahe. Im Zuge einer Ausbildungskooperation der Bundesheer-Einheit mit der WEGA sind die Carabinieri bei diesen hoch spezialisierten Kursen ebenso zu Gast wie etwa deutsche Feldjäger der Bundeswehr.

Oberleutnant Dieter Unterassinger: „Unsere Einsätze sind nicht von langer Hand planbar“

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Oberleutnant Dieter Unterassinger: „Unser Auftrag im Kosovo war die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit.“

Sie sind derzeit als Logistikoffizier der Militärstreife & Militärpolizei tätig – ein Aufgabenbereich welcher Art?
Als Logistikoffizier bin ich dafür zuständig, das richtige Personal mit der richtigen Ausstattung zum richtigen Zeitpunkt auszurüsten. Die Tätigkeit dreht sich vorwiegend um die Koordinierung aller Ausrüstungskomponenten, damit wir unsere Unterstützungsleistung für die Truppe entsprechend entsenden können. Ich bin aber auch dafür verantwortlich die richtigen Leute zu den jeweiligen Auslandseinsätzen zu entsenden.

Sie waren im Jahr 2011 als Zugskommandant selbst im Kosovo. Wie darf man sich die dortigen Aufgaben der Militärpolizei vorstellen?
Unser Auftrag war die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Strukturell waren wir in ein italienisches Bataillon eingebettet – dabei waren wir das kleinste Element und für Aufgabenbereiche wie Informationsgewinnung ebenso zuständig wie für die Kontakte zu lokalen Behörden, zur lokalen Polizei und auch zur Bevölkerung. Aber etwa auch Aufklärungstätigkeiten entlang der Marschrouten gehörten hier dazu. Wir haben aber auch in Kooperation mit der kosovarischen Polizei Checkpoints errichtet und waren in ständiger Bereitschaft für Ordnungseinsätze, falls es zu Demonstrationen kommt. Wir bekamen dort die generelle Ablehnung gegenüber der KFOR deutlich zu spüren. Farbbeutel und Steine wurden auf unsere Leute geworfen und es kam auch zu Beschüssen und Überschüssen. Es ist Gott sei Dank nichts passiert. Alles in allem eine sehr fordernde aber interessante Aufgabe.

Was fordert in Österreich am meisten?
Die Kurzfristigkeit der Einsätze, weil wir in erster Linie Service- und Unterstützungsleister sind – sogenannte Force-Provider. Unsere Einsätze sind nicht von langer Hand planbar. Es kann sein, dass ich innerhalb einer Woche Sonderermittler für einen Auslandseinsatz koordinieren muss – dass alles an Geräten vorhanden ist und alle Mitarbeiter verfügbar sind.

Text & Interview: Johannes Luxner

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