29.01.15

Zu Besuch im Militärkommando

Ohne sie geht nichts: Die Militärkommanden des Bundesheeres bilden das Rückgrat der heimischen Streitkräfte. Sie nehmen vielfältige Repräsentations- und Verwaltungsaufgaben wahr und sind bei Einsätzen für die Führung der Truppe verantwortlich.

     

Stellen wir uns das österreichische Bundesheer kurz als menschlichen Körper vor. Dabei sind die Einheiten draußen im Feld und in den Kasernen Arme und Beine und das Ministerium in der Wiener Roßauer Lände ist der Kopf, der die Richtung vorgibt. Zwischen Gliedmaßen und Schädel hält der Korpus mit seinen vielen Organen den Organismus am Laufen. Er verleiht ihm Struktur und Stabilität, versorgt ihn regelmäßig mit Frischblut und Nährstoffen und transportiert die Wünsche und Gedanken vom Kopf zu Armen und Beinen und retour. Dieser Körper sind die Militärkommanden, von denen es in jedem Bundesland eines gibt und die Verwaltungs- und Koordinationsaufgaben ebenso wahrnehmen wie Repräsentationsfunktionen.
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In der Zentralküche in der Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne wird vorgekocht, in den zwölf Finalisierungsküchen in ganz Wien werden die Speisen aufgewärmt und ausgegeben.

Ganz im Gegensatz zur Wichtigkeit seiner Aufgabe zwängt sich das Kommandogebäude Feldmarschall Radetzky, der Sitz des Militärkommandos Wien, recht unscheinbar zwischen Panikengasse, Gablenzgasse und Hyrtlgasse in den 16. Wiener Gemeindebezirk. Der Stacheldraht auf den Außenmauern und die rot-weiß-rot gestreiften Schranken vor der Einfahrt lassen zwar keinen Zweifel an der militärischen Nutzung des 1896 errichteten Gebäudes; dass hier alle militärischen Fäden Wiens zusammenlaufen überrascht aber doch. Zumindest auf den ersten Blick. Auch ein zweiter Blick schafft wenig Klarheit. Mehr dann Oberst Bernhard Rhabek, der uns durch die Räumlichkeiten der Ergänzungsabteilung führt. Seiner Ergänzungsabteilung, denn Rhabek ist Leiter des 50 bis 60 Mitarbeiter umfassenden

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Thomas David ist stellvertretender Küchenleiter in der Maria Theresien-Kaserne in Wien.

Bereichs und damit direkt für die Erfassung, Stellung, Einberufung und Evidenthaltung aller Wehrpflichtigen Wiens und des Nordburgenlands zuständig, wie es im Amtssprech so schön heißt. Sachbearbeiter wie Thomas Kosek und Edith Traxler erstellen Stellungskundmachungen oder beraten zukünftige Wehrdiener, die ihren Dienst aufschieben oder in einer anderen Einheit eingesetzt werden wollen.

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Leiter des Ergänzungswesens: Oberst Bernhard Rhabek.

„Wir verstehen uns damit als wichtige Servicestelle und Bindeglied zur Bevölkerung“, sagt Oberst Rhabek im Gespräch mit Militär Aktuell. Die Stellungskommission selbst, ebenfalls Teil des Militärkommandos Wien, ist am Elderschplatz in der Leopoldstadt untergebracht. „Dort führen wir jährlich mehr als 9.500 Stellungsuntersuchungen durch — rund ein Viertel der Jugendlichen ist untauglich.“ Pro Jahr finden dann rund 2.000 Grundwehrdiener in Wien Verwendung, der Großteil wird bei der Garde eingesetzt, die dem Militärkommando Wien als präsenter Verband direkt unterstellt ist. „Damit unterscheiden wir uns ganz wesentlich von den anderen Militärkommanden, Wien ist eben nicht nur im Zivilbereich, sondern auch beim Bundesheer anders“, sagt der Wiener Militärkommandant Brigadier Kurt Wagner (siehe auch Kurzinterview auf der nächsten Seite). Worin liegen weitere Unterschiede? „Wir haben gleich zwei Milizjägerbataillone (Jägerbataillon 1 „Hoch- und Deutschmeister“ sowie Jägerbataillon 2 „Maria Theresia“), außerdem sind wir – und das soll auch bei den anderen Militärkommanden bald so sein – schon jetzt für das gesamte Fahrten- und Transportmanagement des Bundesheeres im Bundesland verantwortlich.“

 

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Sachbearbeiter Thomas Kose ist für die Erfassung der Stellungspflichtigen zuständig.

Ebenfalls zum Aufgabenbereich zählen Service und Unterstützung aller Dienststellen im Bundesland, die Öffentlichkeitsarbeit („Highlight ist dabei unsere traditionelle Informations- und Leistungsschau am Heldenplatz mit 800.000 Besuchern“) und die Koordination mit politischen Stellen. „Viele unserer Aufgaben gehen auch in den Zivilbereich hin“, sagt Brigadier Wagner, „aber natürlich sind die rein militärischen Aufgaben unser Schwergewicht.“ Beispielsweise die Einsatzvorbereitung und Koordination einzelner Verbände im Anlassfall wie etwa bei sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsätzen oder

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Edith Traxler berät in der Ergänzungsabteilung zukünftige Grundwehrdienst.

Assistenzeinsätzen zur Katastrophenhilfe oder zum Schutz kritischer Infrastruktur. Das Aufgabengebiet schließt auch den Betrieb der Großfahrschule, die militärische Sicherheit und die Verwaltung der militärischen Liegenschaften sowie die Verpflegung der Soldaten im Bundesland ein. Letzteres wird über die Zentralküche der wenige hundert Meter stadtauswärts vom Kommandogebäude Feldmarschall Radetzky gelegenen Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne bewerkstelligt. Dort werden alle Speisen vorgekocht und dann an die insgesamt zwölf Finalisierungsküchen der rund 25 militärischen Liegenschaften in Wien verteilt.

Ortswechsel in die Maria Theresien-Kaserne in Wien Hietzing, wo die Garde, das Heeresnachrichtenamt und außerdem das Kommando Militärstreife & Militärpolizei untergebracht sind. Für Thomas David, den stellvertretenden Leiter der Finalisierungsküche ist das aber einerlei. Sein Ziel ist es, den Hunger der Soldaten zu stillen. Gelingen soll ihm das heute unter anderem mit Hausmannskost: Schweinsbraten und Boeuf Stroganoff. Auf Bild-schirmen über der Essensausgabe sind Informationen zu den enthaltenen Allergenen angeführt, Salate und Suppen stehen zur Selbstbedienung bereit. „Durchschnittlich bereiten wir pro Tag zwischen 500 und 600 Mittagessen zu“,  sagt Thomas David, „außerdem Frühstück für 200 bis 300 und Abendessen für 100 bis 300 Soldaten.“ Nicht alles wird aus der Zentralküche angeliefert. „Das Abendessen bereiten wir selbst zu und auch das Frühstück fällt in unseren Aufgabenbereich.“ Zwei Grundwehrdiener kontrollieren am Eingang des Speisesaals die Essensmarken, draußen drängen Soldaten einzeln und gruppenweise zum Gebäude.

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Zu Besuch in der Stellungsstraße.

Beim anschließenden Rundgang über das weitläufige Kasernenareal wird auch klar, warum strenggläubige Moslems beim Militärkommando Wien ihren Grundwehrdienst ableisten dürfen: Bereits 2004 wurde nämlich im rückwärtigen und direkt an den Schönbrunner Schloßpark angrenzenden Bereich der Maria Theresien-Kaserne ein islamischer Gebetsraum eingerichtet „in dem die Angehörigen der islamischen Glaubensgemeinschaft jeden Freitag Nachmittag zum gemeinsamen Gebet zusammenkommen können“, wie Militärkommandant Wagner erklärt. Die militärische Verwendung der Strenggläubigen sieht er nicht eingeschränkt. „In keinster Weise“, wie er im Gespräch mit Militär Aktuell betont. „Vielmehr ist das Bundesheer einer der Bereiche, wo von Integration nicht nur gesprochen, sondern das auch gelebt wird und es tatsächlich funktioniert.“

Text: Jürgen Zacharias

Brigadier Kurt Wagner: „Wir wünschen uns mehr Tempo!“

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Brigadier Kurt Wagner ist Militärkommandant Wiens.

Den Militärkommanden kommt im Anlassfall auch der Schutz kritischer Infrastruktur zu. Wie viel mehr Infrastruktur gilt es, im Vergleich mit den anderen Bundesländern, in Wien zu schützen?
Die genauen Zahlen möchte ich nicht nennen, aber es ist schon so, dass ein Großteil der Infrastruktur, die durch staatliche Stellen als kritisch definiert wurde, in Wien liegt. Der Bereich selbst ist sehr weit gefasst – dazu zählen staatliche Einrichtungen ebenso wie Einrichtungen der Energieversorger und Informations- und Kommunikationseinrichtungen sowie deren Schnittstellen. Einen guten Überblick möglicher Einsatzszenarien haben wir im vergangenen November mit unserer Übung „Netzwerk 2014“ gegeben, in die wir etwa auch Kraftwerke und Tanklager miteinbezogen haben.

Hat sich durch die jüngst neu definierten Bedrohungsszenarien die Zahl der kritischen Infrastruktureinrichtungen erhöht?
Unabhängig davon ist die Liste eine lebende Materie und in der Regel kommt etwas dazu und fällt nur selten etwas weg.

Die diesbezüglichen Aufgaben werden also eher größer als kleiner?
Ja, und davon gehe ich auch in Zukunft aus.

Welche zukünftigen Herausforderungen stellen sich für das Militärkommando Wien?
Es gibt keine Ausbildung ohne Gruppenkommandant und keine Verpflegung ohne Koch, daher ist es dringend erforderlich, dass wir unsere personellen Abgänge nachbesetzen können. Darüber hinaus sehen wir aktuell große Herausforderungen bei der Mobilität der Truppe und im Infrastrukturbereich, insbesondere im Bereich der Milizjägerbataillone fehlt es auch an Ausrüstung …

… was sich aber nun in Zukunft bessern soll?
Wenn das so kommt, was im Rahmen des Maßnahmenpakets angekündigt wurde, soll es Verbesserungen im Bereich der persönlichen Ausrüstung geben. Auch im Bereich der Infrastruktur tut sich etwas, da würden wir uns aber etwas mehr Tempo wünschen.

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