04.11.15

„Wir sehen gute Chancen“

Dynamit Nobel Defence reüssiert mit Handwaffensystemen, Waffenstationen sowie Minenräumtechnologien am Weltmarkt. Trotz des niedrigen Verteidigungsbudgets ist für Geschäftsführer Wolfgang Böttger auch Österreich als Exportmarkt „durchaus interessant“.

Herr Böttger, die Verteidigungsbudgets sind in Europa in den vergangenen Jahren gesunken, aber auf den internationalen Märkten gestiegen. Wie beurteilen Sie diesen Umstand, der Export ist doch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die wehrtechnische Industrie in Deutschland und damit auch für DND?
Vertraut man der Statistik der Weltbank, die die Verteidigungsbudgets von 213 Nationen über die vergangenen fünf Jahre sehr genau verfolgt hat, so kann man feststellen, dass die Budgets weltweit leicht rückläufig sind bis auf wenige Ausnahmen. Allerdings liegt international im Mittel der Verteidigungshaushalt bei 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, während er in Deutschland nur etwa 1,2 Prozent und in Österreich sogar nur 0,55 Prozent des BIP beträgt. In den vergangenen Jahren hatten nach Angaben der NATO die Mitgliedstaaten ihre Verteidigungsausgaben im Durchschnitt um 20 Prozent zurückgefahren, Russland hingegen hat seine Verteidigungsausgaben im gleichen Zeitraum in etwa verdoppelt. Angesichts der weltweit durch Terrorismus unsicherer gewordenen sicherheitspolitische Lage sind einige NATO-Staaten nun bereit, ihre Ausgaben wieder zu erhöhen …

… was für Ihr Unternehmen eine gute Nachricht bedeuten sollte.
Für uns als mittelständisches Unternehmen mit hohem eigenem Entwicklungsaufwand ist dies in der Tat eine wichtige Entscheidung, da man nun offenbar bereit ist, die Ausrüstung der Armeen auf den neuesten Stand zu bringen. Innerhalb der NATO und NATO gleichgestellten Staaten sind derzeit keine Exportbeschränkungen zu befürchten, obwohl man auch hier von einer zügigen Bearbeitung weit entfernt ist, so dass uns dieser wichtige Exportmarkt offensteht.

Geschäftsführer Wolfgang Böttger: "Wir bieten sehr kompakte, aber dennoch äußerst wirksame schultergeschützte Waffen an."

Geschäftsführer Wolfgang Böttger: “Wir bieten sehr kompakte, aber dennoch äußerst wirksame schultergeschützte Waffen an.“

Inwieweit war DND von den Haushaltskürzungen europäischer Streitkräfte in den vergangenen Jahren betroffen?
Derzeit haben einige europäische Länder militärische Beschaffungsvorhaben begonnen, die sich zum Teil über mehrere Jahre erstrecken und damit der wehrtechnischen Industrie – hier insbesondere auch DND – eine Grundauslastung stellen. Dies ist natürlich auch für Nationen mit kleineren Beschaffungsvorhaben interessant, da sich hier eine wirtschaftliche gemeinsame Fertigung anbietet.

Lassen sich die Rückgänge in Europa durch Geschäfte auf anderen Märkten kompensieren?
Die europäischen Beschaffungsvorhaben bieten, wie gesagt, eine Grundauslastung für unsere Kapazitäten. Um jedoch modernste Technologie anbieten zu können, ist ein erheblicher Entwicklungsaufwand nötig, den wir uns nur leisten können, wenn wir auch ein bestimmtes Mindestvolumen in unseren Umsätzen realisieren. Viele Anregungen für technische Neuerungen, aber auch Beschaffungsvorhaben kommen vom internationalen Markt, wobei hier insbesondere Asien eine sehr bedeutende Rolle spielt.

Mit welchen Produkten kann DND dabei besonders reüssieren?
DND bietet sehr kompakte, aber dennoch äußerst wirksame schultergestützte Waffen an, die durch zusätzliche Sicht- und Zielhilfen ein breites Einsatzszenario abdecken. Als Systemanbieter stellen wir auch neuartige rechnergestützte Schießausbildungssimulatoren her, die inzwischen fast jeder unserer Kunden mitbeschafft, da hiermit eine sehr effektive Ausbildung möglich ist.

Wo sehen Sie mit ihrem Produktportfolio einen Nachholbedarf?
Wir alle wissen, dass mit einem Ausrüstungsgewicht von 35 Kilogramm die Grenze für den Infanterist erreicht ist, besonders wenn man an den Alpindienst denkt. Einer unserer Schwerpunkte in der Entwicklung ist es daher, unsere Handwaffen leichter zu machen. Die Wirkung soll durch die Gewichtsreduktion allerdings nicht verringert werden, im Gegenteil, wir denken darüber nach, weitere Funktionsarten in unsere Gefechtsköpfe einzubauen, um ein breites Zielspektrum abzudecken.

Gibt es europäische Referenzkunden, die einen Export vielleicht unterstützen, ankurbeln oder vereinfachen?
Fast alle europäischen Staaten setzen die gleichen hohen technischen Standards zur Qualifikation und Einführung militärischer Ausrüstung. Die Nutzung der Ausrüstung durch eine europäische Nation ist daher für viele Drittstaaten eine gute Referenz in Bezug auf Qualität und Leistungsfähigkeit. Auf politischer Ebene ist die Unterstützung durch Attachés oder andere politische Vertretungen innerhalb der europäischen Staaten äußerst unterschiedlich.

Ist auch der österreichische Markt für ihr Unternehmen interessant?
Unabhängig von der Höhe des Verteidigungsbudgets ist Österreich als eine der führenden europäischen Nationen natürlich ein interessanter Markt für unser Unternehmen. Gerade wenn man die Verteidigungsagenda von Bundesminister Klug aus dem vergangenen Jahr liest, wird klar, dass sich die Aufgabenstellung für das Bundesheer gewandelt hat und eine angepasste Ausrüstung erforderlich ist. Ein kleines Beispiel: Die militärische Landesverteidigung gegen konventionelle Angriffe ist eher unwahrscheinlich geworden und daher passt auch eine Panzerabwehrwaffe, die ich aus dem vorhandenen Munitionsvorrat auf kurzem logistischem Weg immer wieder nachladen kann, nicht mehr ins Konzept. Für die Teilnahme an internationalen militärischen Sicherheitskooperationen benötigt der modern ausgerüstete Infanterist eine leichte und möglichst vielseitig einsetzbare Waffe, um auch für unvorhergesehene Situationen gewappnet zu sein. Hier hat DND durchaus interessante Lösungen zu bieten.

Ist vor diesem Hintergrund eine Beschaffung von DND-Systemen durch das Bundesheer absehbar?
Die Verteidigungsagenda von Minister Klug enthält auch eine Zukunftsagenda, in deren Zentrum die militärische Grundbefähigung steht. Das Bundesheer befindet sich in einer Orientierungsphase, an deren Ende wohl auch – trotz des knappen Verteidigungshaushalts – eine Beschaffungsphase mit dazugehörigem Budget stehen wird. Als Industrieunternehmen können wir die Planer nur durch Bereitstellung von Informationsmaterial über das, was heute technisch möglich ist, unterstützen.

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