19.03.16

Was tut sich am Bundesheer-Himmel?

Mit Eurofighter, Black Hawk und Hercules haben die österreichischen Fliegerkräfte in den frühen 2000er-Jahren einen ordentlichen Modernisierungsschub erfahren. Nun ist es an der Zeit, über Updates dieser Systeme und Neubeschaffungen nachzudenken. Ein Überblick.

Eurofighter
Der Betrieb unserer 15 Eurofighter der Tranche-1 läuft nach Anfangsschwierigkeiten inzwischen problemlos. Bei Wartung und Checks hat die Fliegerwerft mittlerweile sogar eine derart herzeigbare Autarkie erreicht, dass sich selbst Luftwaffen der vier Herstellernationen in Zeltweg die Abläufe zeigen lassen. Auch Abnahmen und Überprüfungen nach größeren Werftereignissen werden selbst, ohne Beiziehung fremder Prüfer, durchgeführt. Das spart nicht nur Betriebskosten, sondern stellt auch einen international üblichen Klarstand sicher. Ein (durch die Laufzeitverlängerung der Tranche-1-Jets in Deutschland und Italien geringer gewordenes) Problem ist die mittel- bis langfristig abnehmende Ersatzteil-Versorgung der Tranche-1-Jets, weswegen verstärkt Tranche-2-Teile direkt vom Hersteller verwendet werden. Ein Mid-Life-Update ist in den kommenden Jahren trotzdem unumgänglich. Schon davor dürfte ab 2016 die Datalink-Anbindung mit den – auch auf internationalem Level – topmodernen neuen Alenia RAT-31DL Radars des Goldhaube-Systems beginnen.

Georg Mader

Pilatus PC-7 Turbo Trainer
Zwölf von einst 16 PC-7 Mk.1 werden in Zeltweg nach wie vor in der Piloten-Basisausbildung sowie (mit MG-Behältern ausgerüstet) gegen langsame Ziele bei Luftraumsicherungsoperationen eingesetzt. Nach 32 Einsatzjahren müssen allerdings einzelne Avionikkomponenten getauscht werden. Vom Bundesheer wird dabei eine vor allem kostengünstige Lösung präferiert. Ein volles neues Glascockpit – wie vom Hersteller in der Mk. 2 angeboten – dürfte es daher wohl eher nicht werden.

Saab-105
Von der aktuellen Saab 105-Flotte dürften zwölf Jets mit nachgerüsteten Cockpits (dabei geht es um moderne Navigationshilfen und Kommunikationsmittel) bis 2020 fliegen. Spätestens dann muss sich das Bundesheer wohl um einen Nachfolger bemühen. Die verfügbaren Modelle (die italienische M346 dürfte intern Priorität genießen) werden daher schon jetzt ebenso wie mögliche Beschaffungsvarianten geprüft – auch eine Leasing-Lösung scheint denkbar. Die Ausschreibung sollte spätestens Ende 2016 erfolgen. Dem Vernehmen nach wurden übrigens alle für die Nachrüstung benötigten Teile wie Funkgeräte mit heute üblicher Kanalspreizung und fest eingebautes GPS ohne Beteiligung von Fremdausrüstern von eigenen Werkstätten gestemmt.

Georg Mader

Pilatus PC-6 Turbo Porter
Eines der ältesten Systeme im heimischen Inventar scheint seinem Ende ferner denn je. Für eine Weiterführung der PC-6 sprechen die sensationell niedrigen Flugstundenkosten, aber auch die vielseitige Einsetzbarkeit, weshalb das Flugzeug intern häufig als Drohne bezeichnet wird. Neben optischer und IR-Fotoaufklärung mit sogenannten „Bildmaschinen“ für die Luftaufklärungsstaffel, Fallschirmsprungausbildung oder Brandbekämpfung ist auch eine angedachte neue Funktion als Sprechfunk-Relaisstation in bergigem Gelände interessant.

Agusta-Bell AB212
Die als „Mid-Life-Update“ bezeichnete Cockpit-Modernisierung der 23 italienischen AB212 durch Agusta wurde 2010 beschlossen und sollte bereits 2014 abgeschlossen sein. Anfänglich lief dabei allerdings wenig rund: Der Hersteller legte eine erstaunlich schwache handwerkliche Performance an den Tag und Abnahmen wurden auch aufgrund von schlampig verlegten Kabelsträngen abgelehnt. Inzwischen dürfte das Programm aber gut auf Schiene sein, weshalb sich die seit 1980 in Dienst befindlichen Zweiblatt-Arbeitspferde (als Pluspunkte gelten die drei großen Displays, das Flight Management System und die Nacht­sichtbrillen-Tauglichkeit) gute Chancen auf ihr 50-jähriges Dienstjubiläum in Österreich ausrechnen dürfen.

C-130K Hercules
In Kürze dürfte eine Entscheidung fallen, welche Art von Einsätzen man von den Transportfliegern zukünftig erwartet. Zur Wahl stehen „reguläre” Missionen wie bisher, Missionen unter „irregulären“ Bedingungen (ohne Flugsicherung und Radarabdeckung, auf Behelfspisten, völlig verdunkelt und mit Nachsichtbrillen, in einem multinationalen Einsatzverband) und Missionen in Kriegs- und Kampfgebieten. Für letztere bräuchte es neben Schulungen für Kampfzonenlandungen mehr Cockpithärtung und Selbstschutzeinrichtungen. Dabei dürfte man sich auf Bedrohungen im Infrarotspektrum sowie auf Raketenannäherungswarner und Düppelwerfer (Flares) konzentrieren. In Folge würde das Paket ausgeschrieben. Die Schweizer – deren Politik sich zuletzt erneut gegen die Beschaffung von Transportflugzeugen entschieden hat – scheinen weiter um eine Kooperation bemüht. Heeresinterne Stimmen, die budgetbedingt bereits das Abstellen der Hercules forderten, dürften auch deshalb Einzelmeinungen bleiben.

Georg Mader

S-70 Black Hawk
Die neun stärksten Hubschrauber des Bundesheeres, deren Einführung mittlerweile auch schon 13 Jahre zurückliegt, stehen kurz vor einem überfälligen Upgrade ihrer Cockpit-Anzeigebildschirme und relevanten Avionik-Rechner. Noch ist nicht klar, wer das Upgrade umsetzen wird, die Lösungen und Preise etlicher Anbieter – besonders aktiv sind in diesem Segmant israelische Firmen – werden noch bewertet. Auch bei den elektronischen Selbstschutzsystemen der Black Hawk tut sich etwas: Die „Bibliotheken“-Software, die sich jeder Nutzer selbst erarbeiten muss, wird bei der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule in Langenlebarn und in den Staffeln fleißig befüllt. Der Fokus liegt dabei am IR-Segment.

Georg Mader

OH-58B Kiowa & Alouette III
Für beide Muster ist die Ausphasung für 2020 vorgesehen, investiert wird in die Systeme aktuell daher nichts mehr. Als gemeinsamer Ersatz scheint ein moderner Mehrzweck-Hubschrauber der Klasse Eurocopter EC645, Agusta AW-129 oder Bell 407T wahrscheinlich. Ziemlich sicher werden es aber keine 40 Hubschrauber mehr werden, sondern eine starke Staffel mit vielleicht 24 Systemen. Das Projekt steuert jedenfalls seiner Ausschreibungsphase entgegen, die Bewaffnungsfähigkeit dürfte dabei ein wesentliches Kriterium sein.

Finanzierung gesichert?
Vieles in dieser Übersicht liest sich optimistisch, vielleicht sogar blauäugig. Zu viele Konzepte der Vergangenheit wanderten schließlich in den Rundordner. Aber die Verantwortlichen der einzelnen Programme scheinen fest auf die im Dezember 2014 im Parlament beschlossenen Sonderfinanzierungen zu vertrauen. Demnach erhält das Heer für die Abdeckung von dringendem Investitionsbedarf – explizit wurden die Luft- Beschaffungen genannt – zusätzliche 616 Millionen Euro, davon 350 Millionen Euro bis 2019. Ausreichend Mittel für die geplanten Projekte sollten damit zur Verfügung stehen und auch der politische Wille zur Umsetzung sollte – vor dem Hintergrund eines in vielen Ländern aufgewerteten Sicherheits­bereichs – nun vorhanden sein.

Text: Georg Mader

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