28.07.17

„Das ist eine Frage der Anforderungen“

Giuseppe Giordo wechselte vor einem Jahr von Alenia-Aermacchi in die Geschäftsführung des tschechischen Konkurrenten Aero-Vodochody. Wir haben mit ihm über die aktuelle Marktlage am Flugzeug-Trainermarkt und das Produkt-Portfolio seines Unternehmens gesprochen.

Herr Giordo, Sie kennen den Trainermarkt und die verschiedenen Anforderungen der Luftwaffen in diesem Segment sehr gut. Wie ist ihr Unternehmen vor diesem Hintergrund mit der kommenden L-39NG und der für den Irak wieder aufgenommen L-159-Serie aufgestellt?
Natürlich kann man mit einer L-39NG den Eurofighter in seiner Rolle nicht unterstützen. Aber es ist eine Frage der Anforderungen und welche Kosten man in Zukunft anpeilt. Wenn jemand ein Substitut zur Entlastung und Verbilligung seiner Luftpolizei sucht, dann kann das die neue L-159 sicher sehr gut ausfüllen.

Wie wichtig ist dabei, ob ein Typ ein- oder zweistrahlig ist?
Gegenfrage: Wenn Sie mit der – auch von wirtschaftlichen Gedanken getriebenen – Lösung im Unterschallbereich bleiben wollen, warum brauchen Sie dann zwei Triebwerke? Ein Triebwerk ist heute nahezu oder eigentlich gleich sicher wie zwei.

Auf welchem Preisniveau – ich frage nicht nach Kalkulationen, die erst im Wettbwerb offengelegt werden – bewegen sich Ihre Flugzeuge? 20 Millionen Euro pro Stück?
Genaue Zahlen sind sensitiv, aber wir liegen mit unseren Produkten sicher weit unter dieser Zahl. Ich schätze, dass wir etwa um den Faktor 1,2 unter der einstrahligen M345 liegen.

Giuseppe Giordo ist CEO von Aero-Vodochody.

Giuseppe Giordo ist CEO von Aero-Vodochody.

Bei der L-39NG handelt es sich um die Neuauflage eines lange existierenden Musterns. Welche Vorteile bietet das im Vergleich zu einem völlig neuen Modell?
Die neue NG wird ab 2019 mit zahlreichen Neuheiten aufwarten können, so hat sie einen ganz neuen Flügel mit innen liegendem Treibstofftank bekommen. Der Vorteil ist, dass eine Neuauflage meist früher verfügbar ist. Der Kunde erhält zudem Berechenbares. Man kennt das Gerät und betritt damit nicht komplettes Neuland.

Sie haben uns vorhin die erste L-159T1+ als Zweisitzer mit Radar für die tschechische Luftwaffe gezeigt sowie die erste neu gebaute L-159T für den Irak. Wie laufen diese Programme?
Sie haben die US-Firma Draken vergessen, die als Feinddarsteller in Amerika mit L-159 sehr zufrieden ist und mehr Flieger will. Die wollen sogar einen technischen „Hub“ für die vielen L-39 in den USA aufziehen. Die irakischen Maschinen sind bereits im scharfen Einsatz und bei der L-159T1+ sind mit dem ‚+‘ das Grifo-Radar, Radarwarnemfänger und Täuschkörperwerfer gemeint. Unsere Heimatluftwaffe VzS AČR will mit mehreren solchen L-159A-Umbauten in Pardubice sogar ein internationales Trainingszentrum aufbauen. Und am 31. März flog auch schon der L-159T2EX-Demonstrator, eine stark modernisierte L-159B.