29.07.17

„Das ist ein Meilenstein für uns“

General Dynamics European Land Systems-Steyr liefert in den kommenden Jahren 34 Pandur-Mannschaftstransporter an das Bundesheer. Geschäftsführer Martin Reischer über diesen Auftrag, den Standort Wien und das Produktportfolio von GDELS-Steyr.

Herr Reischer, GDELS-Steyr hat in Österreich als Waffen- und Fahrzeughersteller eine lange Tradition. Inwiefern ist das heute ein Vorteil oder Nachteil?
Sicherlich ein Vorteil. General Dynamics European Land Systems-Steyr (Anm.: kurz GDELS-Steyr) genießt einen hervorragenden Ruf für hoch zuverlässige Produkte und wir sehen uns verpflichtet, unseren Kunden qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen zu liefern. In den vergangenen Jahren hat sich GDELS-Steyr konsolidiert, um seine Zukunft und kontinuierlichen Service für unsere Kunden zu sichern. Es war die einzige Möglichkeit, sich an die Realität der nationalen und internationalen Verteidigungsmärkte anzupassen und gleichzeitig die Fähigkeiten und Technologien zu bewahren, die es uns ermöglichen, unsere Produkte Pandur und Ulan zu pflegen, zu aktualisieren und weiterzuentwickeln.

Welches Produktportfolio deckt das Unternehmen aktuell ab?
Vertrieblich decken wir prinzipiell das komplette GDELS-Portfolio ab, von der Munition über Kettenfahrzeuge wie unsere hochmoderne Ascod-Fahrzeugfamilie, zu der auch der Ulan gehört, und Radfahrzeuge bis hin zu Brückensystemen. Entwicklungstechnisch decken wir natürlich den Pandur 6×6 ab, aber auch den Pandur 8×8 entwickeln wir weiter. Im Bereich Kettenfahrzeuge leisten wir hier am Standort außerdem einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Ascod-Familie und darüber hinaus sind wir am derzeit größten Schützenpanzer-Neubauprogramm für die britischen Streitkräfte beteiligt. Eine wesentliche Kompetenz am Standort Wien ist dabei die Entwicklung von Bordelektronik und unser System Integration Lab.

HBF/Daniel Trippolt

GDELS-Steyr-Geschäftsführer Martin Reischer im Gespräch mit Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil.

Sie haben den Pandur angesprochen: Kürzlich konnte GDELS-Steyr einen Auftrag zur Lieferung von 34 Stück des Mannschaftstransporters an das Bundesheer an Land ziehen. Darüber hinaus müssten aber doch auch andere der erwähnten Produkte für das Bundesheer interessant sein, oder?
Der Auftrag, den Sie ansprechen, ist ein Meilenstein für uns. Erfreulicherweise liefern wir außerdem die Infanteriebrücke IAB an das Bundesheer und gerade auch im Bereich der Radfahrzeuge haben wir etwa mit dem Duro 4×4 ein Produkt im Angebot, das sich bereits viele Jahre im Einsatz bewährt hat. Auch bei Großwaffensystemen wie dem Ulan haben wir einiges zu bieten; hier haben wir in den letzten Jahren kontinuierlich im Bereich verbesserter Fahrzeugschutz, Führungsfähigkeit und Bewaffnung investiert – beispielhaft möchte ich die Lenkflugkörper-Integration erwähnen. Aber auch im Bereich Pionierwesen haben wir mit unseren Brückensystemen Produkte anzubieten, die absolut interessant sind, und das nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch im Katastrophenschutz.

Sind weitere konkrete Abschlüsse in Österreich oder auch im Ausland zu erwarten?
Wir arbeiten natürlich laufend an neuen Projekten, die die bestehende Fahrzeugflotte betreffen – hier sind wir mit verschiedenen internationalen Kunden in konkreten Gesprächen. Natürlich hoffen wir, mit dem Bundesheer unseren Heimatkunden weiter unterstützen zu dürfen, damit Spitzentechnologie „Made in Austria“ auch für die Zukunft gesichert ist.

Wie wichtig sind Aufträge des Bundesheeres für die Exporte des Unternehmens? Oder anders gefragt: Verkauft es sich leichter ins Ausland, wenn auch das Bundesheer die Produkte nutzt?
Absolut! Der Heimmarkt ist die Visitenkarte und meistens ist bei einem Kundenbesuch im Ausland schon die zweite Frage, ob das Produkt im Heimmarkt eingeführt ist.

Bleiben wir gleich beim Exportbereich: Wie sehr beeinträchtigt die restriktive Gesetzgebung Österreichs den Konkurrenzkampf mit internationalen Konzernen?
Das ist sicherlich kein einfaches Thema und hier wünschen wir uns einen konstruktiven Dialog mit den österreichischen Behörden, um die Planungssicherheit zu verbessern. Wichtig erscheint uns als Industrieunternehmen, dass sich im Bereich Export vergleichbare Regeln beispielsweise innerhalb der EU etablieren würden; damit könnten Wettbewerbsnachteile aufgrund des nationalen Standorts vermieden werden. Wir brauchen den Export und einen starken Heimatkunden, der Qualität und Leistungsfähigkeit der Produkte sowie nationale industrielle Wertschöpfung fordert und fördert.

Vor diesem Hintergrund müsste es doch für den Konzern leichter sein, den Standort ins Ausland zu verlegen. Welche Faktoren sprechen trotzdem für Wien?
Wie gesagt standen und stehen wir firmenpolitisch zu unserem Heimatkunden Österreich – hier ist Verlässlichkeit und Planbarkeit oberstes Gebot. Darüber hinaus können wir konzernintern mit sehr gut ausgebildeten Mitarbeitern punkten, das unterscheidet GDELS von anderen Unternehmen. Außerdem sind wir seit Anbeginn europäisch aufgestellt, mit amerikanischen Wurzeln, klar.

Welche Zukunft sehen Sie vor diesem Hintergrund mittel- bis langfristig für den Standort?
Mittelfristig gilt es weiterhin die gute und verlässliche Partnerschaft mit dem Bundesheer fortzuführen und weiter auszubauen. Das Gleiche gilt für unsere zweiten Heimatmärkte wie die Tschechische Republik und Slowenien. Mittel- bis langfristig wollen wir mit unserem neuen Pandur 6×6 und natürlich mit unserem Kettenfahrzeug Ulan erfolgreich sein.

 

Interview: Jürgen Zacharias, Bilder:  HBF/Daniel Trippolt, HBF/Gunther Pusch