02.11.17

Wie geht es weiter in der Causa Eurofighter?

Seit dem Sommer ist klar: Das Bundesheer will möglichst bald aus dem System Eurofighter aussteigen. Welche Schritte sind aber nun zu setzen? Welche Typen kommen als Nachfolger in Frage? Und: Ist der Abschied vom Eurofighter wirklich schon beschlossene Sache?

In drei Jahren soll es so weit sein. Ab 2020 will Österreich dem erst 2014 abbezahlten Eurofighter die Flügel stutzen und auf 18 Stück eines neuen Kampfjets umsteigen. Bis zu zwei Milliarden Euro (!) will man dadurch bis 2049 gegenüber dem Weiterbetrieb der aktuellen Jets sparen. Durch niedrigere Betriebskosten einerseits, wobei die Stundensätze beim Eurofighter vor allem aufgrund der wenigen Flugstunden so hoch sind. Andererseits hofft man durch den Wechsel auf ein anderes Modell die anstehenden Investitionen in Obsoleszenzenbereinigung (gemeint ist die Modernisierung vorhandener Bordsysteme) und in die Nachrüstung einst eingesparter Bordsysteme zu vermeiden.

Der Plan hat aber einen Haken: Bevor gespart werden kann, muss nämlich kräftig investiert werden. Je nach Typ und Ausstattung schlägt die Anschaffung neuer Jets mit ein bis eineinhalb Milliarden Euro zu Buche, die schon im gestalterischen ersten Budget der neuen Regierung Berücksichtigung finden müssten. Dazu kommt: Im Zuge eines Typenwechsels müsste auch die Pilotenausbildung neu gedacht werden. Versucht man diese weiter großteils national abzudecken und beschafft dafür – wie ursprünglich geplant und nun in den Hintergrund getreten – ebenfalls ab 2020 neue Trainer als Nachfolger der Saab-105Ö? Ist alternativ der Ankauf eines Modells für alle Ausbildungsstufen ab der Eignungsfeststellung vorstellbar? Und falls ja, ab und bis zu welcher Ausbildungsstufe soll diese Auslagerung erfolgen? Inklusive Ersatz der PC-7? PC-21 (Prop) oder Leonardo M345HET? Oder wird die Ausbildung gänzlich ausgelagert?

Fragen über Fragen, und egal wie die Antworten lauten, fallen auch in diesem Bereich nicht zu unterschätzende Kosten an. Komplett ins Ausland ausgelagert summiert sich die Pilotenausbildung wohl auf acht bis zehn Millionen Euro pro Jahr – mit dem Geld ließe sich aber auch bereits eine eigene kleine Jet-Trainer-Flotte betreiben.

Zurück zur möglichen Eurofighter-Nachfolge, die viele Fragezeichen aufwirft. Am wahrscheinlichsten scheinen drei Szenarien: die Fortführung der aktuellen Eurofighter-Flotte und der Umstieg auf neu gebaute Saab Gripen C/D oder andere westliche Kampfjets. Eher unwahrscheinlich sind vier andere Szenarien: Ausschließlich Hochleistungs-Trainer als Eurofighter-Ersatz, der Umstieg auf russische oder chinesische Jets, der permanente Ankauf von Gebrauchtflugzeugen und eine immer wieder thematisierte gemeinsame Luftraumüberwachung mit der Schweiz.

Georg MaderSzenario 1: Weiter mit dem Eurofighter
Zwar deuten alle Anzeichen in Richtung Eurofighter-Ausstieg, ein Fortbetrieb der erfolgreich eingeführten Jets ist trotzdem alles andere als unwahrscheinlich. Die seinerzeit im sogenannten „Vergleich“ entfernten und nun wieder gesuchten Baugruppen und Systeme könnten nachgerüstet werden, eine derartige Obsoleszenzenbereinigung ist angesichts des rasanten Technologiefortschritts bei jedem solchen System nach etwa einer Dekade völlig normal. Was dieses Szenario wahrscheinlich werden lässt: Bislang wurden keine Abkommen oder Verträge mit der Herstellerfirma gekündigt und in Arbeitsgruppen wird immer noch eng zusammengearbeitet. Die für einen Gutteil der laufenden (Flugstunden-)Kosten verantwortlichen Support-Verträge enden zudem 2019.

Szenario 2: Umstieg auf Saab
Ein Umstieg auf die Gripen ist neben dem Fortbetrieb der Eurofighter die wahrscheinlichste Variante. Um bis 2020 neue Gripen-C/D zu bekommen, müssten aber laut schwedischen Managern schon 2018 „Commitments” erfolgen. Eine Lieferung des neuen Gripen-E/F ist in diesem Zeitraum nicht möglich und brächte auch keine Ersparnis gegenüber dem Eurofighter. Auch eine Leasingvariante wäre denkbar: Tschechien und Ungarn legen für zehn Jahre für 14 Gripen-C/D aktuell aber je rund eine Milliarde Euro auf den Tisch!

Szenario 3: Umstieg auf andere West-Typen
Ein Umstieg auf Dassaults Rafále oder die Boeing Super-Hornet ist denkbar, führt im Vergleich zum Eurofighter aber mit ziemlicher Sicherheit zu einem Kostenanstieg. Von Lockheed könnte als Alterantive die F-16V Viper mit fixer, aktiv strahlschwenkender Radarantenne zum Thema werden, Bahrain lässt sich 19 Stück allerdings gerade 2,5 Milliarden Euro kosten. Neben der Gripen wäre damit nur die Fighting Falcon ein ernsthaftes Thema. Angesehen hat man sich auch die angeblich günstige F-16-Block 70, jene kommt aber nur, wenn Indien sich dafür entscheidet.

Georg MaderSzenario 4: Zusammenarbeit mit der Schweiz
Trotz „Nachteilen“: Der gemeinsame Betrieb einer Abfangjägerflotte wurde bislang weder von österreichischer noch von Schweizer Seite angedacht, eine Auslagerung ist vor dem Hintergrund der Neutralität und dem damit verbundenen Bekenntnis zur umfassenden Landesverteidigung praktisch auszuschließen. Dazu kommt, dass die halb so große Schweiz gerade eine kostenintensive Beschaffung von 40 neuen Jets zum Preis von knapp neun Milliarden Euro gestartet hat und der Bevölkerung wohl keine Aufstockung (und bei einem größeren Luftraum wären mehr Jets notwendig) vermittelbar wäre. Auch würden die Reaktionszeiten beispielsweise vom Berner Oberland bis in die Südsteiermark im Ernstfall viel zu lange sein.

Georg MaderSzenario 5: Umstieg auf andere Typen
Auch abseits der westlichen Hersteller gäbe es am Markt Alternativen zum Eurofighter, etwa die beiden russischen Modelle MiG-35 und Su-35. Bei den Jets handelt es sich um imposante Mehrzweck-Kampfflugzeuge, die im Vergleich zum Eurofighter aber keinerlei Spielraum für einen finanziell günstigeren Friedensbetrieb lassen. Zudem war ein Umstieg von westlicher auf russische Technologie schon bei der Eurofighter-Beschaffung politisch nicht gewollt und wird das auch jetzt nicht sein. Aus demselben Grund sind auch chinesische Kampfjets und Eigenentwicklungen (die oft mit russischen Triebwerken bestückt sind) wie der J-11, der J-10 und der JF-17 und der koreanische FA50 (Bild) kein Thema.

Georg MaderSzenario 6: Moderne Trainer
Alternativ zu neuen „echten“ Kampfjets könnten auch moderne Hochleistungstrainer wie der BAE Hawk-T2 oder der M346 von Leonardo die Friedens-Luftraumüberwachung übernehmen. Letzterer wird gerade mit Bordradar, Selbstschutz und IRIS-T-Flugkörpern zur „Kampf-Version“ M346FA hochgerüstet, auch in Tschechien reift mit der L-39NG ein neuer, allerdings schubschwächerer Trainer heran. Trotz vergleichsweise guter Steigleistung bleibt Überschall im Reiseflug mit diesen Typen freilich Illusion. Laut der SOKO-LRÜ-Studie hat man sich zudem bereits gegen dieses Szenario entschieden.

Szenario 7: Gebrauchtflugzeuge
Im Altbestand der schwedischen Luftwaffe oder im „Flugzeug-Beinhaus” in Arizona würden sich wohl alte Gripen oder F-16 finden, die (modernisiert und an aktuelle Bedürfnisse angepasst) gut und gerne noch zehn Jahre die Luftraumüberwachung übernehmen könnten. Im Vergleich zum Eurofighter würde man damit allerdings einen beispiellosen technologischen Rückschritt vollziehen und in Wahrheit nur einige Jahre Zeit gewinnen, bevor die Ablöse dieser Typen und eine Neubeschaffung wieder Thema wird. Zudem dürfen auch die Umstiegs- und Adaptierungskosten nicht unterschätzt werden. Der einzige Vorteil: Politisch wäre das unangenehme Thema Eurofighter und Jet-Neubeschaffung damit vergleichsweise rasch vom Tisch.

Text & Bilder: Georg Mader