12.12.17

Von guten Geschäften und russischem Ärger

In diesem Jahr stand die Dubai Airshow ganz im Zeichen milliardenschwerer Deals der zivilen Flugzeughersteller – aber auch die Rüstungskonzerne ließen sich nicht lumpen und konnten lukrative Verträge abschließen.

Für die beiden Herstellergiganten Airbus und Boeing war die Dubai Airshow Mitte November wohl so etwas wie ein Märchen aus 1001 Nacht. In nur drei Tagen konnten sie zusammen schlappe 700 Verkehrsmaschinen um rund 100 Milliarden Euro verkaufen. Von der medialen Berichterstattung weitgehend ausgeklammert blieben ob der vielen Milliardendeals die Rüstungsprojekte der beiden Flugzeugbauer, welche für sie gerade im Nahen und Mittleren Osten dank der finanziellen Potenz der Golfstaaten und deren Stellvertreterkriegen gegen den Iran äußerst lukrativ sind. Kein Wunder daher, dass in Zukunft auch Chinesen, Russen, Ukrainer, Pakistanis, Türken und Japaner ein Stück von diesem Kuchen wollen und sich daher mit ihren Neuheiten und Neuauflagen auf und rund um die Dubai Airshow präsentierten.

Die arabischen Länder bleiben weiterhin von den großen Herstellern für deren „Big Ticket“-Programme umworben. Letzteres betraf in Dubai vor allem Lockheed-Martins F-35 JSF. Gastgeber Vereinigte Arabische Emirate (VAE) und in Folge auch deren Verbündeter Saudi-Arabien drängen mehr oder weniger deutlich auf Aufweichung der noch von Barack Obama gegebenen Zusage an Israel, wonach der jüdische Staat bis auf weiteres der einzige Betreiber des US-Jets der 5. Generation bleiben werde. „Wir in den VAE leben bereits in einem Umfeld der 5. Generation, in vielen Lebensbereichen“, so der stellvertretende VAE Luftwaffenkommandant Brigadegeneral Rashed Al-Shamsi auf der am Tag zuvor abgehaltenen „Dubai Air Chiefs Conference“, bei welcher Militär Aktuell übrigens höchst interessierter wie willkommener Medienpartner war. „Die Einführung des F-35 wäre also nur ein weiterer logischer Schritt in Richtung unserer generellen und von den Regenten vorgegebenen 5. Generations-Ausrichtung“, so Al-Shamsi.

Für viele Rüstungshersteller sind der Nahe und Mittlere Osten mittlerweile  große Wachstumstreiber, dementsprechend stark präsentierten sie sich auf und rund um die Dubai Airshow.

Für viele Rüstungshersteller sind der Nahe und Mittlere Osten mittlerweile große Wachstumstreiber, dementsprechend stark präsentierten sie sich auf und rund um die Dubai Airshow.

Rasch reagiert hat auf die Bemühungen die angereiste Chefin von Lockheed-Martin, Marillyn Hewson. Am 8. November erst hatte der deutsche Luftwaffenchef Generalleutnant Karl Müllner in Berlin verlautet, für einen Ersatz des Tornado in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre wäre der F-35 JSF prädestiniert. Nur einige Tage später verteilten ihre Mitarbeiter in Dubai bereits Pins, mit dem JSF in Schwarz-Rot-Gold. VAE-AF Chef General Al Alawi unterzeichnet indes die Modernisierung der seit 2004 eingeführten 80 F-16 E/F mit zeitgemäßen Bordrechnern sowie deren weitere Versorgung (Volumen knapp 1,5 Milliarden Euro). Dassault und Thales sollen Ähnliches bei den 55 Mirage-2000/9 der VAE durchführen (Volumen rund 300 Millionen Euro). Eigentlich eine Überraschung, denn die Deltaflügler wurden bereits Indien angeboten, auch ein Rücktausch für Dassault Rafále stand im Raum. Diese Vorgangsweise kann durchaus als Indiz gewertet werden, dass man letztere überspringt und auf den F-35 wartet. Dafür haben die VAE bei Airbus-Spanien fünf bewaffnungsfähige Multimissions-Plattformen des Transportflugzeuges C295MW (Military Winglet) bestellt. Um den Sensoraufklärer waren türkische Teber-Lenkbomben und Roketsan-Raketenbehälter gruppiert, aus der Seitentür ragt nun – in der Version bereits an ungenannten Kunden geliefert – ein 12,7-mm-MG. Eingerüstet wird auch eine Lafette mit der 27-mm-Eurofighter-Bordkanone von Rheinmetall.

Wie viele Kollegen war auch der Autor überrascht, als vom russischen Flugzeugbaukonglomerat UAC offensiv Interviews und Zugang zu ROSTEC-Präsident Sergej Tschemezow sowie Generaldesigner und bis 2016 MiG-Direktor Korotkov angeboten wurden. Die VAE hatten für sie und eine 260-köpfige russische Präsenz Visa ausgestellt, dazu im täglichen Flugprogramm die erst vergangenes Jahr in Syrien das Debüt gebende Su-35S Flanker E sowie den Löschflugzeug-Jet Beriew-200ES eingeplant. In der russischen Presse war schon Wochen zuvor ein Su-35-Vertrag mit den – bislang allerdings strikt westlich gerüsteten – VAE als quasi fix kolportiert worden, ein Abschluss während der Airshow in Dubai schein möglich. Als der regionale CENTCOM-Kommandant der USAF, Lieutenant General Jeffrey Harrigan, in einer Konferenz erwähnte, er könne sich „nicht vorstellen, dass von „USA und Verbündeten betriebene F-35 in einem informationssicheren Verbund mit einem potenziellen Gegnersystem wie Su-35 betrieben würden“, zog VAE zurück. Daraufhin sagten die sich benutzt fühlenden Russen sämtliche Medientermine ab.

Präsent in Dubai war auch Japan, das seit der Verfassungsänderung durch Premierminister Shinzo Abe potent am Rüstungsmarkt auftreten will. Das tat man in Dubai mit dem neuen Großtransporter Kawasaki C-2, auch der stellvertretende Verteidigungsminister Keitaro Ohno war vor Ort. Er verriet, dass bereits elf Stück des Zweistrahlers (der dem Airbus A400M ähnelt) in Bau sind, potenzielle Kunden sehe man im Mittleren Osten und Asien. Denselben Markt haben auch die Ukrainer für ihre An-70T mit vier Propfan-Schauflern im Blick, zurzeit sei es laut Alexander Khokhlov vom ukrainisch-saudischen Antonow-Taqnia Joint-Venture An-132 allerdings „vorranging, sämtliche russischen Bauteile durch westliche zu ersetzen. Dafür suchen wir für An-70T in Dubai Partner.“

Interessant auch ein – nonstop mit drei Zusatztanks aus Karachi eingeflogenes – Exemplar des Block-II des pakistanisch-chinesischen Kampfflugzeugs JF-17. Ebenso die Aussage der texanischen Mannschaft um den leichten „Aufstandsbekämpfer“ Iomax Erzengel-II, die VAE hätten mit ihren 24 Vorgängermodellen seit 2015 in Ostlibyen (für General Haftar), Jemen und Ägypten (für Al-Sisi am Sinai) bereits 3.000 gelenkte Waffen gegen Islamisten eingesetzt. Solche waren auch auf der bewaffneten Version von Leonardos M346 zu sehen, nächstes Jahr soll es mit der M346FA samt Griffo-Radar ernst werden.

Im Rampenlicht: Die lokalen Machthaber und Politiker konnten Jets so wie hier einen saudischen T2 Typhoon besichtigen und besteigen.

Im Rampenlicht: Die lokalen Machthaber und Politiker konnten Jets so wie hier einen saudischen T2 Typhoon besichtigen und besteigen.

Ihre Premiere gaben in Dubai auch die chinesischen Kampfdrohnen Wing Loong I (GJ-1) und -II. In der Region sind GJ-1 und CH-4 bereits im Irak, Saudi-Arabien, den VAE, Ägypten und Jordanien im Einsatz. Zwar kosten sie nur ein Fünftel einer US-Predator oder Reaper, fliegen aber um etliche Stunden weniger lang – effiziente Triebwerke sind immer noch die chinesische Achillesferse.

Natürlich war auch Eurofighter in Dubai präsent, der Mittlere Osten ist – wie für andere Hersteller – Schlüsselregion. Daher war auch vom Firmenchef bis zu einem der jüngst ausgelieferten saudischen Tranche-2 samt Pilot mit frischen Jemen-Erfahrungen alles vor Ort. Gemäß Rahmenvertrag der Core-Nations und allen Exporten sind 747 Typhoon bestellt, davon aktuell 524 ausgeliefert. Darunter 72 saudische, 12 für Oman sind in Ablieferung. Katar bestätigte seine Absichtserklärung über 24 Stück, während vorher ab 2019 Kuwait die ersten 28 Stück Tranche-3 mit dem elektronisch strahlschwenkenden Radar Captor-E erhalten wird. Während Air-Marshal Gerry Mayhew für die RAF über „das nach der F-22 wohl beste Kampfflugzeug der Welt“ referierte, wehte über dem Eurofighter-Chalet unverdrossen auch die österreichische Fahne. Angesprochen auf die Probleme hierzulande meinten Firmenvertreter lediglich, nun dabei helfen zu wollen, „ die Kuh wieder vom Eis zu kriegen.“

Text & Fotos: Georg Mader