05.04.18

Im Zeichen der Artillerie

Das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 7 sorgt für die Nachrichtengewinnung und die taktische Feuerunterstützung der 7. Jägerbrigade. Die Einheit spielt aber auch eine wichtige Rolle bei der Erprobung neuer Technologien für das Bundesheer.

Die einen mögen Drohne dazu sagen, doch Hauptmann Thomas Neuhold bezeichnet das Hightech-Gerät lieber als „mobilen Feldstecher“. Das ist natürlich augenzwinkernd gemeint, allerdings eine recht treffende Beschreibung des Anwendungsgebiets der neuen Technik, die das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 7 (kurz AAB7) als einer der ersten Verbände des Bundesheeres im Einsatz hat und die viele neue Möglichkeiten bieten. So sind die fliegenden Geräte beispielsweise auch mit Wärmebildkameras ausgestattet, um Personen im Gelände orten zu können. In der Garnison Feldbach geht es aber um weitaus mehr, als die Drohnen zu Aufklärungszwecken in die militärische Praxis zu integrieren. „Wir erproben anhand mehrerer Drohnen nämlich auch, welche Waffengattungen des Bundesheeres welche Bedürfnisse haben“, sagt Hauptmann Neuhold.

Das AAB7 testet derzeit verschiedene Drohnenmodelle hinsichtlich ihrer Anwendungsmöglichkeiten in den jeweiligen Waffengattungen des Bundesheeres.

Das AAB7 testet derzeit verschiedene Drohnenmodelle hinsichtlich ihrer Anwendungsmöglichkeiten in den jeweiligen Waffengattungen des Bundesheeres.

Sind die Mikrodrohnen für das AAB7 etwa hinsichtlich von Assistenzeinsätzen im Bereich Grenzschutz außerordentlich interessant, weil sie leicht zu transportieren sind, so bieten sich für die Pioniere des Bundesheeres Modelle an, wie sie vermehrt für zivile Zwecke wie im Landbau eingesetzt werden: „Mittels solcher Drohnen können Vermessungsarbeiten durchgeführt werden. Das heißt, ich kann etwa von der Luft aus das Volumen großer Materialanschüttungen ausrechnen, um dann zu kalkulieren, wie viele Lkw-Fuhren ich für den Abtransport benötige“, erklärt Neuhold eine Anwendungsmöglichkeit beispielsweise im Falle eines Katastrophenhilfseinsatzes.

Bubu Dujmic

Das Radaraufklärungssystem Beagle ist seit vergangenem Jahr im Einsatz.

Auch Wärmebildkameras gehören zur Ausrüstung des AAB7.

Auch Wärmebildkameras gehören zur Ausrüstung des AAB7.

Eine neue Technologie im Einsatz haben auch die Radaraufklärer des AAB7, die seit dem vergangenen Jahr mit dem neuen Radarsystem Beagle arbeiten. Zwei der zehn vom Bundesheer angeschafften Geräte befinden sich in Feldbach, um insbesondere die Grenzraumüberwachung zu unterstützen. Bei einer äußerst geringen Ausgangsleistung von zwei Watt kann das Beagle-System im freien Gelände weit über zwölf Stunden betrieben werden und das trotz seines extrem überschaubaren Packmaßes – ein Gerät lässt sich leicht in zwei Ruck-säcken verstauen. Für besondere Begeisterung sorgt unter den Aufklärern auch das neue Beobachtungs- und Aufklärungssystem, das sich hinter dem kryptischen Kürzel BAAEO GMF verbirgt, und von Major Axel Alber bereits ausgiebig auf seine Praxistauglichkeit erprobt wurde: „Das System basiert auf einer Elektrooptik und bietet eine ungekannte Präzision, die für unserer Bedürfnisse eine kleine Revolution bedeutet. Selbst Ziele in zwölf Kilometer Entfernung können wir damit genau erkennen.“ Betrieben wird das System in Kombination mit dem Iveco-Fahrzeug Husar.

Oberstleutnant Manfred Scheucher ist Bataillonskommandantstellvertreter des AAB7.

Oberstleutnant Manfred Scheucher ist Bataillonskommandantstellvertreter des AAB7.

„Das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 7 spielt seit dem Jahr 2012 eine wichtige Rolle hinsichtlich der Erprobung neuer Technik für das Bundesheer“, erklärt Oberstleutnant Manfred Scheucher, Bataillonskommandantstellvertreter des AAB7. Angesichts der generellen technologischen Entwicklungen bedeutete dies in erster Linie eine Auseinandersetzung mit der Digitalisierung vieler militärischer Bereiche, konkretisiert Scheucher die neuen Aufgabengebiete, die mit dem technologischen Wandel einhergehen. 2012 war das AAB7 beispielsweise intensiv an der Erprobung des digitalen Führungssystems Combat NG beteiligt, das mit digitalen Lagekarten und der Echtzeitübermittlung von Lageinformation arbeitet, aber auch die Einsatzbereitschaft der jeweiligen Kräfte anzeigt sowie eine grafische wie schriftliche Auftragssteuerung und vieles mehr bietet. Besonders sichtbar wird die Komplexität des Systems, das sehr intuitiv mittels Touchscreen gesteuert wird, in der Rechenstelle der Artillerie im Inneren einer Panzerhaubitze M-109. Von hier aus wird das Feuer der Artillerie koordiniert. Hier laufen alle Fäden zusammen, um eine entsprechende Kampfunterstützung durch die bewaffneten Panzerhaubitzen M-109 A5Ö des AAB7 sicherzustellen. „Combat NG hat für uns den Weg aus der Steinzeit in die Neuzeit bedeutet“, beschreibt Hauptmann Markus Kornhäusl, der damals intensiv mitgetestet hat, den enormen Fortschritt, der mit der Einführung des Systems einhergegangen ist. Denn letztlich zielt die gesamte Tätigkeit des AAB7 darauf ab, ein perfektes Zusammenspiel zwischen Aufklärung und Artillerie zu entwickeln. Kornhäusl: „Und digitale Technik hebt all das auf eine neue Stufe.“

 

 

Die wichtigsten Informationen zum AAB7

Die Soldaten des AAB7 müssen Wind und Wetter trotzen –  insbesondere die Aufklärer. Gute Tarnung ist hier ebenso gefragt wie ein gutes Auge.

Die Soldaten des AAB7 müssen Wind und Wetter trotzen – insbesondere die Aufklärer. Gute Tarnung ist hier ebenso gefragt wie ein gutes Auge.

Das gesamte Aufklärungs- und Artilleriebataillon 7 (AAB7) ist seit der Schließung der Hadik-Kaserne in Fehring 2015 in der Von-der-Groeben-Kaserne in Feldbach stationiert. Der Verband ist Teil der 7. Jägerbrigade. Die militärischen Kernaufgaben des gemischten Kampfverbands bestehen aus der Nachrichtengewinnung und der taktischen Feuerunterstützung. Das AAB7 versteht sich als „Auge und Degen der 7. Jägerbrigade“ und ist mit Panzerhaubitzen M-109 A5Ö ausgestattet. Neben diesen Kernaufgaben hat sich das AAB7 seit dem Jahr 2012 zu einem bundesheerweiten Kompetenzzentrum hinsichtlich der Erprobung neuer Waffen- und Sensorsysteme entwickelt. So wurde etwa vor seiner Einführung das digitale Führungssystem Combat NG im Verband ausgiebig getestet und aktuell ist das AAB7 mit Drohnentechnologie befasst – es gilt zukünftige Anwendungsbereiche für das gesamte Bundesheer zu erproben. Modernste Militärtechnik ist beim AAB7 aber auch hinsichtlich des neuen Radarsystems Beagle Thema, das seit dem vergangenen Jahr im Einsatz ist. Zuletzt wurde auch das Beobachtungs- und Aufklärungssystem BAAEO GMF getestet, das auf elektrooptischer Basis arbeitet und für Aufklärer eine bisher ungekannte Präzision in der Zielerkennung bietet.

 

 

Kurzinterview: „Wir liegen sehr viel im Gemüse!“

Herr Kofler, wie sieht Ihr militärischer Alltag aus?
Ich bin als Ausbildungsgruppenkommandant Teil der 2. Aufklärungskompanie und begleite die Grundwehrdiener sechs Monate lang. Dabei geht es um die prinzipielle Vermittlung des Soldatentums, aber auch um die Ausbildung an schweren Waffen wie dem Maschinengewehr. In weiterer Folge aber auch um das Heranführen an die spezifische Tätigkeit im Bereich der militärischen Aufklärung mit allen damit verbundenen Übungen.

Was bedeutet das konkret?
Das Errichten und Beziehen von Beobachterstellen gehört zum Beispiel ebenso dazu wie die Zielaufklärung – mit Informationsgewinnung hinsichtlich eines konkreten Szenarios. Das heißt, wir verbringen sehr viel Zeit bei Wind und Wetter im freien Gelände. Salopp formuliert: Wir liegen sehr viel im „Gemüse“.

STABSwachtmeister STEFAN KOFLER vermittelt Grundwehr- dienern Grundlegendes was  militärische Aufklärung betrifft,  und schätzt dabei besonders  die Outdoor-Komponente.

Stabswachtmeister Stefan Kofler vermittelt Grundwehrdienern Grundlegendes was militärische Aufklärung betrifft, und schätzt dabei besonders die Outdoor-Komponente.

Was war für Sie entscheidend, eine militärische Laufbahn einzuschlagen?
Für mich war es immer schon klar, dass ich nach dem Grundwehrdienst beim Heer bleiben möchte, und daher habe ich mich als Einjährig-Freiwilliger gemeldet. Eigentlich wollte ich eine Laufbahn als Offizier einschlagen, doch die Arbeit draußen im freien Gelände, und vor allem die Arbeit mit den Grundwehrdienern hat mich wesentlich mehr angesprochen. Die Abwechslung ist aber nicht nur deshalb groß, ich war auch zwei Mal im Auslandseinsatz auf den Golanhöhen und in Bosnien. Und ich arbeite immer wieder an Projekten mit – wie bei der Erprobung des Combat NG-Systems.

Welche Art der Herausforderung bedeuten aktuell die Digitalisierungsprozesse?
Aktuell geht es darum, das militärische Wissen und die Fähigkeiten, die beim Bundesheer oft seit Jahrzehnten Standard sind, mit moderner Technik zu verbinden. Es gilt einen Einklang mit Computern und Software herzustellen, und darauf zu achten, bei der Digitalisierung die maximalen Möglichkeiten auszuschöpfen, was für uns alle eine sehr spannende Aufgabe ist.

 

Text & Interview: Johannes Luxner