20.12.18

Wie Phönix aus der Asche

Vergangenes Jahr musste das Militärrealgymnasium in Wiener Neustadt schließen – im Schuljahr 2019/20 soll die „Schule für Führung und Sicherheit“ aber wiedereröffnet werden. Wir sprachen mit dem früheren Projektleiter, Brigadier Anton Wessely, der den Aschenvogel Phönix wieder zum Fliegen bringen will.

Im September 2019 soll die Schule für Führung und Sicherheit als Nachfolger des Militärrealgymnasiums ihre Tore öffnen – zunächst wird mit zwei Klassen zu je 25 Schülern gestartet, bei Erfolg könnte das Konzept auch in die Bundesländer ausgerollt werden.

Im September 2019 soll die Schule für Führung und Sicherheit als Nachfolger des Militärrealgymnasiums ihre Tore öffnen – zunächst wird mit zwei Klassen zu je 25 Schülern gestartet, bei Erfolg könnte das Konzept auch in die Bundesländer ausgerollt werden.

Herr Brigadier, warum braucht es überhaupt eine Sicherheitsschule?
In Österreich hat das Sicherheitsbewusstsein bei Behörden, Institutionen, Organisationen, Unternehmen, aber genauso bei der Bevölkerung, in den vergangenen Jahren einen anderen, einen höheren Stellenwert bekommen. Man versteht die Sicherheit heute umfassend, wenn man an Katastrophen, an Gefahren aus dem Internet, oder anderes denkt. Jeder setzt sich mittlerweile damit auseinander und wir brauchen Fachleute für diese Bereiche. Bundesheer, Polizei, Justiz, Behörden, Unternehmen haben einen großen Bedarf. Und wir bieten sicherheitsinteressierten jungen Leuten eine entsprechende Berufschance. Das Bundesheer hat ja in diesem Bereich große Erfahrungen und gemeinsam mit anderen Behörden runden wir damit das Bildungsangebot ab.

Was sind nun die Unterschiede zum seinerzeitigen Militärrealgymnasium?
Das Militärrealgymnasium, genannt MilRG, hatte eine Unterbrechung von einem Jahr. Nächstes Jahr starten wir mit dem neuen Konzept Sicherheitsschule durch, wenn man will wie der Phönix aus der Asche. Sie wird am selben Ort sein und an die Tradition des MilRG anknüpfen. Beispielsweise sollen die Schülerinnen und Schüler Uniformen tragen und wir bieten, wie gehabt, ein Internat an. Unser Angebot soll durch außerschulische Bereiche mit viel Sport, aber auch Ferienangebote erweitert werden. Auch die Infrastruktur wird erneuert und das Schulkonzept auf neue Beine gestellt. Eröffnung wird im September 2019 sein.

Was steckt hinter dem neuen Schulkonzept?
Wir wollen offen, transparent und proaktiv an die Interessenten herangehen. Die Schule für Führung und Sicherheit, wie sie genannt werden wird, ist eine öffentlich rechtliche Schule und dem niederösterreichischen Landesschulrat zugeordnet. Schulhalter wird das Bundesheer sein. Es wird auf der Grundlage einer fünfjährigen berufsbildenden höheren Schule, genaugenommen als Handelsakademie mit Matura laufen und einen besonderen Schwerpunkt auf Sicherheit haben. Das bedeutet, dass in den schulautonomen Stunden, der Schwerpunkt auf Sicherheit liegen wird. Dazu sind Exkursionen, Besuche und Trainings vorgesehen, die zu einem großen Teil von den Lehroffizieren der Theresianischen Militärakademie am Campus Wiener Neustadt bestritten werden. Darüber hinaus werden auch Themen wie Führung, Führungsverhalten, Risikomanagement und Gefahrenanalyse abgedeckt. Ein Augenmerk wird außerdem darauf liegen, dass diese Lehrinhalte nach der Schule auch angerechnet werden, wie beispielsweise Erste Hilfe. Und es wird ein intensives Angebot an Sport geben. Ich denke da an Klettern, Schwimmen, Orientierungslauf, Bogenschießen und so weiter.

Bundesheer/Guenter Filzwieser

Brigadier Anton Wessely ist derzeit Stabschef von Verteidigungsminister Mario Kunasek.

Wie würden Sie das Ziel der schulischen Ausbildung beschreiben?
Das Ziel ist, dass die Absolventen einen gehobenen kaufmännischen Beruf im Bereich des Sicherheitsmanagements ausüben können. Über die Lehrinhalte einer Handelsakademie hinaus werden die Schüler bei Konzepten zur Bewältigung von Krisen- und Katastrophenszenarien mitwirken, sich mit Risikomanagement beschäftigen und sich mit dem internationalen Umfeld und fremden Kulturen nach ethischen Grundsätzen auseinandersetzen. Auch Cybersicherheit kommt da mit vor. Sportliche Leistungsfähigkeit ist uns wichtig und wir wollen die Schüler im Umgang mit physischen und psychischen Belastungen vertraut machen. Es ist ein Praktikum im Umfang von dreihundert Stunden zu absolvieren, wo sich die Schüler genau mit diesen Themen beschäftigen werden.

Würden Sie Ihr Kind in diese Schule schicken?
Wenn sich mein Kind dafür interessiert, dann würde ich das befürworten und fördern, natürlich. Übrigens ist einer meiner beiden Söhne bei der Polizei, der andere startet gerade die militärische Ausbildung. Der eine hätte von einer solchen Schule schon profitiert, wenn ich zum Beispiel an die Aufnahmeprüfung bei der Polizei denke. Da tut man sich nach einer Sicherheitsschule bestimmt leichter und gleiches gilt auch für die Aufnahmeprüfung an die Theresianische Militärakademie, für die Karriere als Berufsoffizier. Für mich wäre wichtig, dass es für Absolventen gute Berufsaussichten gibt. Und die erwarte ich ganz besonders, eben weil sich das Sicherheitsbewusstsein gewandelt hat und ein enormer Bedarf für Experten zum Thema Sicherheit bestehen wird. Ich könnte mir vorstellen, dass man als Sicherheitsfachkraft in großen Unternehmen oder als einschlägiger Experte bei Behörden wie Land oder Bezirk gerne genommen werden wird. Zusätzlich wichtig ist für mich, dass es Möglichkeiten für Anschlussstudien geben wird. Eben deswegen, weil es im Grunde eine Handelsakademie ist. Noch dazu viel Sport – ich würde meinen Kindern nichts in den Weg legen, ich persönlich würde diese Schule sogar empfehlen.

Exkursionen sollen ebenso Teil des Unter- richts sein wie Konzepte zur Bewältigung von Krisen- und Katastrophenszenarien sowie ein intensives Sportangebot.

Exkursionen sollen ebenso Teil des Unter- richts sein wie Konzepte zur Bewältigung von Krisen- und Katastrophenszenarien sowie ein intensives Sportangebot.

Wie sieht nun der Fahrplan bis zur Eröffnung im September 2019 aus?
Mit ersten Informationen sind wir schon an die Öffentlichkeit getreten. Die Werbemaßnahmen werden bis zum Jahresende starten. Ein Höhepunkt ist der Tag der offenen Tür am 15. Dezember, wo man sich im Detail informieren kann. Rechtzeitig, weil im Frühjahr das Anmeldeverfahren in Wiener Neustadt stattfinden wird. Die Details dazu werden noch auf der Homepage des Bundesheeres bekanntgegeben werden. 2019 steht im Zeichen der ersten Umbauten für die Sicherheitsschule, die in den nächsten Jahren weiterlaufen und abgeschlossen werden. Sollte sich das Konzept bewähren, dann ist daran gedacht, diese Idee auf die Bundesländer auszudehnen. Zunächst starten wir einmal mit zwei Klassen zu 25 Schülern im Herbst 2019. Derzeit ist geplant, dass es Schüler im Vollinternat, im Halbinternat, also Wochenende frei, und Schüler gibt, die nach dem Unterricht nach Hause gehen.

Interview: Oberst Dieter Muhr, Bilder: Militärrealgymansium & Bundesheer/Guenter Filzwieser

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