26.03.19

Fragen & Antworten zur Sicherheitsschule

Im vergangenen Februar hat das Bildungsministerium offiziell die Berufsbildende höhere Schule für Führung und Sicherheit, kurz Sicherheitsschule, in Wiener Neustadt genehmigt. Das Bundesheer hat damit wieder eine Schule. Sie läuft auf der Grundlage einer Handelsakademie und startet am 2. September mit dem Unterricht. Bis zum Anmeldeschluss am 22. Februar haben sich 85 Interessenten angemeldet, von denen voraussichtlich 56 aufgenommen werden. Der Projektbeauftragte Oberst des Generalstabsdienstes Dieter Muhr hat den Stand der Dinge zusammengefasst.

BundesheerWieso braucht das Bundesheer überhaupt eine Sicherheitsschule?
Das Bundesheer will nach der Matura möglichst viele Abgänger für den Offiziersberuf gewinnen. Daher ist es naheliegend, die Schüler bestmöglich auf den Offiziersberuf vorzubereiten. Die Prinzipien der Offiziersausbildung werden sinngemäß in der Sicherheitsschule angewandt: Auswahl von klugen Köpfen, sportliche Grundeinstellung, vorbildliches Verhalten, Kameradschaft und Zusammenhalt, internationale Ausrichtung – aber auch Bescheidenheit und Zurückhaltung. Zudem steht immer die Praxis im Vordergrund. Die Sicherheitsschule charakterisiert sich ähnlich wie die Theresianische Militärakademie durch beste Lehrer in einem konsistenten Lehrkörper und durch eine entschlossene Einstellung der Schüler und der Schule insgesamt zu den Prinzipien der Schule. Die Sicherheitsschule kann daher durchaus als Eliteschule bezeichnet werden.

Wie werden in der Schule die Themen Sicherheit und Führung umgesetzt?
Es gibt ohne Führung keine Sicherheit und ohne Sicherheit keine Führung. Führung muss Sicherheit schaffen, erhalten und ausstrahlen, wenn gemeinsame Ziele zu erreichen sind. Führung muss mit Unsicherheit umgehen können, denn absolute Sicherheit gibt es nicht. Dazu braucht es gebildete Führungspersönlichkeiten, die über ein sicheres Beurteilungsvermögen verfügen, für sichere Ressourcen, sichere Wege, für die Sicherheit eines Unternehmens und um Ziele sicher zu erreichen. Und sie müssen in allem, was sie denken, tun, nicht tun und unterlassen, bis hin zu ihren Werten und Einstellungen von sich selbst aus sicher sein. Führungspersönlichkeiten sollen nicht selbst Quelle von Unsicherheit sein. Diese Zusammenhänge werden sich die Schüler vor Augen führen und ihre Folgerungen daraus ziehen – hinsichtlich ihres eigenen Verhaltens, Könnens und Wissens.

Welchen Bedarf gibt es in der Wirtschaft und Gesellschaft für Führungs- und Sicherheitsspezialisten?
Der Bedarf an Personal, welches mit Sicherheit kompetent umgehen kann, ist sehr hoch. Das kommt nicht von ungefähr. Das Sicherheitsbewusstsein hat sich in den vergangenen Jahren doch sehr gewandelt. Sie ist einem Bedrohungsbewusstsein gewichen. Daher ist man auf der Suche nach Führungspersönlichkeiten, welche vernünftig mit Sicherheitsaspekten umgehen können und gleichzeitig Sicherheit ausstrahlen. Und es braucht Fachleute in den einzelnen Sparten der Sicherheit bis hin zu kompletten Spezialisten, welche in der Sicherheitsbranche arbeiten. Experten für Cybersicherheit zählen heute zu den bestbezahlten Mitarbeitern in Unternehmen. Dieses Resultat einer jahrelangen Entwicklung kommt nicht von ungefähr und diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter fortsetzen.

Wird die Sicherheitsschule strenger sein als andere Schulen?
Die Schüler werden ganz unaufgeregt mit den Themen Ordnung, Disziplin, Sauberkeit und Pünktlichkeit umgehen lernen – also mit den sogenannten Säulen des „Inneren Dienstes“. Dabei muss sich niemand vor einem strengen Kasernenton fürchten. Es geht vielmehr darum, dass die Schüler diese Themen verinnerlichen, um sie selbst später vorleben zu können, um damit eine Vorbildfunktion für ihre Mitarbeiter und Kameraden einnehmen zu können. Führungspersönlichkeiten gewinnen dadurch Respekt, Anerkennung und Aufmerksamkeit. Es soll damit zur Selbstverständlichkeit werden. Die Schüler erfahren auch, dass eine Führungspersönlichkeit manchmal alleine Entscheidungen treffen und verantworten muss, dass es Menschen braucht, die voraus­denken, vorausgehen und andere mitziehen.

Warum werden die Schüler Uniform tragen?
Das Tragen von Uniformen – es gibt eine Uniform für den Schulalltag, eine „grüne“ für Exkursionen und unterwegs sowie eine Traditionsuniform für festliche Anlässe – ist ein sichtbares Zeichen für den inneren Zusammenhalt der Schüler und der Schule nach außen. Das Tragen der Uniform ist Verpflichtung, auch Stolz und eine Notwendigkeit. Denn man lernt, dass man dem Anlass entsprechend angezogen ist und merkt, auf diese Dinge zu achten und zu schauen. Und man wird von außen wahrgenommen. Eine Führungspersönlichkeit muss sich bewusst sein, dass sie im Fokus der Öffentlichkeit steht – im Unternehmen, im persönlichen Umfeld bis hin zu den Medien.

Wie wird die Qualität der Sicherheitsschule sichergestellt?
Das Qualitätsmanagement ist von der Bildungsdirektion für Niederösterreich vorgeschrieben und wird einen hohen Stellenwert haben. Darüber hinausgehend ist auch eine Absolventenbefragung nach der Matura geplant, um die Schule und den Unterricht weiter verbessern zu können. Zudem sollen die Theresianische Militärakademie sowie die Unternehmen befragt werden, in denen die Schüler dann tätig sind, wie zufrieden sie mit den Absolventen sind. Qualität wird auch beim zehnwöchigen Pflichtpraktikum einen
hohen Stellenwert haben. Das Bundesheer wird dafür attraktive Praktikumsplätze zur Verfügung stellen, damit die Schüler möglichst viel profitieren – geplant sind auch Praktikumsplätze im Ausland.

Text: Dieter Muhr, Bild: Bundesheer

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