29.06.19

Italienische Posse um den F-35

Italien betreibt die einzige Fertigungsstraße für den F-35 Joint Strike Fighter außerhalb der USA. Die neue Ressortführung in Rom will trotzdem aus der Beschaffung des modernen Kampfjets aussteigen.

HerstellerZuerst Flugzeuge bestellen und sie dann nicht wollen – das kommt uns Österreichern durchaus bekannt vor. In Italien droht nun Ähnliches, allerdings unter anderen Vorzeichen: Während Österreich damals Eurofighter-Erstexportkunde war, ist Italien nun beim F-35 Entwicklungspartner, aber auch Produzent. Um rund eine Milliarde Euro wurde in der norditalienischen Gemeinde Cameri die einzige Produktionsstätte für den Joint Strike Fighter außerhalb der USA aus dem Boden gestampft. Neben den 90 Jets für Italien (60 A- und 30 B-Versionen) sollen dort auch 29 Maschinen für die Niederlande montiert werden, zudem ist die Flügelfertigung für einen großen Teil der gesamten Produktion im
Piemont angesiedelt.

Die neue Verteidigungsministerin Elisabetta Trenta von der 5-Sterne-Bewegung Beppe Grillos – die seit Juni 2018 mit der Lega die Regierung bildet – gilt trotz dieses Benefits für die italienische Wirtschaft und Investitionen von rund einer Milliarde Euro in die Entwicklungspartnerschaft als entschiedene Gegnerin der F-35-Beschaffung. Schon bei ihrem Amtsantritt verkündete sie, keine weiteren Jets kaufen zu wollen und dass man sorgfältig überlegen müsse, ob man die existierenden Verträge kürzt oder überhaupt beibehält. Nach einer Sitzung des obersten Verteidigungsrats unter Präsident Sergio Mattarella wurde kürzlich bekannt, dass sie ihren Ankündigungen Taten folgen ließ und Rom schon seit Juni 2018 nichts mehr in den Finanztopf der Entwicklungspartnerländer des Kampfjets eingezahlt hat. 389
Millionen Euro waren demnach offen – ein überraschter Mattarella ordnete bei Trenta die umgehende Überweisung an.

Das Wasser war allerdings bereits verschüttet, Lockheed hatte in der Zwischenzeit die Auslieferung von zwei in Camari fertiggestellten Jets gestoppt. Laut Luft-Stabschef General Alberto Rossi seien elf der von der Vorgängerregierung autorisierten 28 Maschinen bereits fertig, wie es mit dem Programm weitergeht, ist angesichts der jüngsten Entwicklungen unklar. „Wir warten ab, was passiert“, so Rossi zur Beschaffung, die politisch wohl auch in Zukunft heiß diskutiert werden wird. Die Lega von Innenminister Matteo Salvini will jedenfalls im US-Programm bleiben, allerdings Zulauf und Zahlung nach Möglichkeit strecken. Ein vollständiger Ausstieg oder eine Reduzierung der geplanten 90 Maschinen ist für Salvini undenkbar. „Dieser Schritt wäre für Italien wohl der allerschlechteste.“

Text: Georg Mader, Bild: Hersteller

 

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