07.02.20

Deutsch-Französischer 6.-Generation-Fighter strauchelt

Modell des New Generation Fighters.

Modell des New Generation Fighters.

Alles Ermahnen und Erinnern der – projektführenden – französischen Seite in Gestalt von Verteidigungsministerin Florence Parly scheint (fast) nichts genützt zu haben. Nach jüngsten (Wort)Meldungen aus Berlin wird in der kommenden Woche der Bundestags-Haushaltsausschuss zwar weitere Millionen für das 2018 begonnene Projekt eines gemeinsamen deutsch-französischen Kampfflugzeugsystems der 6. Generation freigeben, aus Sicht der Franzosen dürfte der deutsche Finanzierungsschritt allerdings eine herbe Enttäuschung sein: Er sieht lediglich vor, Mittel für erste technologische Vorarbeiten der beteiligten Unternehmen freizugeben, die Phase 1A. Diese soll jeweils 77,5 Millionen Euro für Deutschland und Frankreich kosten – davon noch 50 Millionen Euro im heurigen Jahr und der Rest 2021.

Die französische Regierung allerdings drängte die deutsche Bundesregierung schon seit Monaten, schnell(er) in die erste Entwicklungsphase des kompletten Systemkonzepts einschließlich der Produktion eines Flugzeug-Prototypen einzusteigen. Die Kosten dafür werden auf acht Milliarden Euro geschätzt. Für jene teure Projektphase dürfte die gegenwärtige deutsche Koalition aber nicht mehr genügend politische Kraft aufbringen, man hat nur recht dürr verlautet, erst nach Abschluss der technologischen Vorarbeiten im Jahr 2021 weitere Mittel zu beschließen. Aus deutscher Sicht hält man für den Eintritt in diese wichtige Phase Beschlüsse erst für 2022 notwendig, denn jene soll bis 2027 dauern. Ein ursprünglich für 2026 geplanter Erstflug (samt neuem Safran/MTU-Triebwerk) scheint damit bereits nicht mehr realisierbar. Die abschließende Entwicklungsphase für das Gesamtsystem aus Flugzeug und begleitenden Drohnen- und Marschflugkörperschwärmen soll 2030 beginnen. Eingesetzt werden soll das Gesamtsystem dann ab 2040, beginnend mit der Ausphasung von Typhoon und Rafále. Die Gesamtkosten des Projekts über die Jahrzehnte werden auf bis zu astronomischen 500 Milliarden Euro geschätzt.

Im Lichte dieser Volumina ist ein beim Handelsblatt aufgetauchtes Ministeriumsschreiben interessant. Nach diesem könnte das Prestigeprojekt nach der 18-monatigen Planungsphase sogar scheitern. Zitat: „Die Aktivitäten der nun geplanten Phase stellten kein Präjudiz für eine tatsächliche Realisierung des Projektes dar.“

 

Text: Georg Mader, Bild: Airbus

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