26.03.20

From Russia with Love: Russland unterstützt Italien

Russian MoDZwischen 22. und 25. März landeten 14 Il-76-Transportflugzeuge der russischen Luftwaffe auf der Militärbasis Pratica di Mare südlich von Rom, um dringend benötigte Hilfe nach Italien zu bringen. Die erste Maschine trug den Slogan „From Russia with Love“. Hintergrund war, dass laut Medienberichten der italienische Premierminister Giuseppe Conte Wladimir Putin verzweifelt angerufen hatte, da die italienischen NATO- und EU-Verbündeten das europäische Epizentrum der Coronavirus-Pandemie bisher nicht mit den notwendigen Vorräten versorgt hätten. Dem gegenüber beschloss der russische Präsident – gemeinsam mit China und Kuba – gegen den Covid-19-Hotspot in Italien anzukämpfen.

Die Il-76 kamen vom Militärstützpunkt Tschkalowski nordöstlich von Moskau und flogen von dort über Sotschi und das Schwarze Meer, das Mittelmeer und die Adria. Man habe diese Route genommen, um einen Überflug der nordeuropäischen Länder zu vermeiden, von denen bekannt ist, dass sie russischen Militärflugzeugen generell keine Überfluggenehmigungen erteilen.

Natürlich sind diese Hilfslieferungen in Italien uneingeschränkt willkommen, aber es entbehrt nicht einer – vom Kreml wohl auch medial zelebrierten – Ironie, sind doch die genannten Nationen offiziell und in deren diversen Strategiepapieren und -folien „Gegner“ der NATO und der EU und teils mit deren Sanktionen belegt. Russische (Staats-)Medien wie RT bezeichnen im Gegenzug das Verhalten von Italien’s „Freunden“ als „dem Gesetz des Dschungels folgend“, nach dem Motto „jeder für sich“. Als Beleg dient der ständige Vertreter Italiens bei der EU, Maurizio Massari. Er habe im Februar um Unterstützung durch das EU-Koordinierungszentrum für Notfallmaßnahmen gebeten und berichtete in einem kürzlich geführten Interview, man hätte um die Lieferung von medizinischer Ausrüstung gebeten und die Europäische Kommission habe den Appell an die Mitgliedstaaten weitergeleitet. Aber dieser habe überhaupt nichts bewirkt. Die EU-„Partner“ wären alle nur darauf bedacht gewesen, sich gegenüber Italien abzuschotten.

Russian MoDNach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums besteht die aktuelle Hilfe aus acht sogenannten „Brigaden“ mit 120 Virenspezialisten inklusive Epidemiologen und Virologen, Desinfektionsmaterial sowie medizinischen Geräten, Schutzmasken und -mänteln sowie Atemschutzmasken, Tupfern und Testgeräten. Viele der eingeflogenen Spezialkräfte hätten Erfahrung mit russischen Hilfseinsätzen in Afrika im Kampf gegen Ebola und andere Viren. Kommandant der 20.000 Mann starken russischen CBRN-Truppen ist Generalleutnant Kirillov, der Italien nun ein komplexes Labor aus 15 mobilen Sheltern sowie ABC-Abwehrfahrzeuge des Typs Kamaz TMS-65U und Desinfektionsfahrzeuge des Typs KDA Orlan zur Verfügung gestellt hat. Letztere sind in der Lage, stündlich eine Fläche von fünf Quadratkilometern zu desinfizieren. Außerdem flogen die vierstrahligen Transporter ein Feldkrankenhaus, 100 Beatmungsgeräte sowie 500.000 Gesichtsmasken ein. Und Russland könne – so Präsident Putin – möglicherweise das Ausmaß der Hilfe noch erhöhen.

Der Kreml betont, dass es bei der Luftbrücke keine Hintergedanken gebe. Aber gegen ein Ende der Sanktionen hätte in Moskau wohl kaum jemand etwas, auch weil die Rohstoffmacht wirtschaftlich angeschlagen ist. Laut Generalleutnant Kirillov engagiere man sich in Italien auch deshalb, um eigene Erfahrungen im Kampf gegen das in Russland vergleichsweise wenig verbreitete Virus zu erhalten. Dem Hilferuf aus Italien wäre Wladimir Putin deshalb und wegen der großen Geste gerne nachgekommen.

Neben den Ressourcen des Verteidigungsministeriums kann Russlands Sicherheitswirtschaft eine Vielzahl fortschrittlicher Mittel zur Diagnose, Behandlung und Lokalisierung von viralen und bakteriellen Infektionen anbieten, einschließlich solche gegen Covid-19, so – wenig überraschend sich zu Wort meldend – der Direktor für den Export von Verteidigungsgütern Rosoborenksport, Alexander Mikheev. Punkto Covid-19 bestätigte er, dass „seine“ Unternehmen in der Lage wären, eine komplette Ausrüstung bereitzustellen, um die meisten epidemischen Bedrohungen, einschließlich neuartiger Virusinfektionen, wirksam zu bekämpfen. Das Portfolio des Staatskonzerns umfasst mehrere mobile Krankenhäuser mit Diagnose- und Behandlungseinheiten für Infektionskrankheiten, Kontroll- und Desinfektionsstationen sowie modularen Einrichtungen zur Isolierung und Beobachtung von Quarantäne. Laut Mikheev können diese in sich geschlossenen Module für Mitarbeiter und Patienten innerhalb von ein bis sechs Tagen installiert werden.

Diese nun zum Einsatz kommenden modularen mobilen beziehungsweise luftverladefähigen Feldkrankenhäuser (MFH) wurden von der russischen Proekt-Technika Corporation entworfen und werden dort gefertigt. Sie bieten qualifizierte medizinische Hilfe für bis zu 300 Personen pro Tag. Etwa 30 Personen können bis zu 30 Tage stationär behandelt werden. Auf Kundenwunsch können die Verfügbarkeit von MFH-Betten und die Anzahl der Kontrollräume erhöht werden. Das Krankenhaus ist voll mobil, da es seine eigenen, geländegängigen Ural- und Kamaz-Fahrzeuge nutzt. Im Verkauf können die medizinischen Module natürlich nach den notwendigen Anpassungen an die vorhandenen Fahrzeuge des Kunden montiert werden. Fortschrittliche lebenserhaltende Systeme garantieren ein Funktionieren in Arbeitsumfeldern in verschiedenen Klimazonen bei Temperaturen zwischen -50 ° C und + 50 ° C.

Russian MoDLaut Alekamder Mikheev kann Rosoboroneksport auch ein eigenständiges Camp (genannt APL-500) mit einem kompletten Kreislauf zur Lebenserhaltung für bis zu 500 Personen anbieten. Das Camp umfasst Sanitär- und Hygienemodule, Module zur Wasserspeicherung und -reinigung, Module zur Lebensmittellagerung, eine Küche, eine Bäckerei, ein Kraftwerk, eine Klimaanlage sowie Module zur Aufnahme, Desinfektion und Entsorgung von Abfällen. Das Camp kann mit medizinischen Hilfsmodulen zur Behandlung von Kranken oder Verwundeten ausgestattet werden. Die speziellen Checkpoint-Module können auch separat an den Grenzen von Quarantänezonen stationiert werden, um Personen auf Infektionen zu untersuchen und zu testen, die sich zwischen Städten oder Gebieten bewegen (müssen). Diese Krankenhäuser und Material-Lager wurden in Hilfseinsätzen von EMERCOM (der russischen Notfalls/Katastrophenschutzorganisation) sowie in friedenserhaltenden Missionen und Maßnahmen von Strafverfolgungs-, Sicherheits- und Katastrophenschutzbehörden anderer Länder bereits im Ernstfall getestet.

Russland hat in der Covid-19 Pandemie relativ früh reagiert, auch wegen der langen – aber einsamen – Landgrenze zu China. An den russischen Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen ist laut Direkter Mikheev „sein Konzern“ mit technischen Systemen beteiligt, welche Überwachung der Einhaltung des Quarantäne- und Selbstisolationsregimes von Personen bereitstellen. Jene sind Teil des von Unternehmen der ROSTEC Corporation (ein übergeordnetes Staatskonglomerat welchem Rosoborneksport „unterstellt“ ist) entworfenen „Safe City“-Komplexes. Dieses Regime wurde ab 5. März in Moskau installiert und hat seine Effizienz bei der Identifizierung von mehr als 200 Fällen von Verstößen gegen das Selbstisolationsregime unter Beweis gestellt.

Von Präsident Putin abwärts haben russische Beamte und Militärs darauf gedrängt, dass sich ALLE Nationen gegen die Covid-19 Pandemie zusammenschließen und dahingend verlangt, dass nun die westlichen Sanktionen (verhängt nach der Wegnahme der Krim 2014 durch unmarkierte Truppen mit anschließend international nicht anerkannter lokaler Volksabstimmung) „verschoben werden, um sich gemeinsam dem Todfeind Pandemie zu stellen.“

 

Text: Georg Mader, Bilder: Russian MoD

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