27.03.20

Splitlösung für die Tornado-Nachfolge?

Laut bisher nicht offiziell bestätigten Medienberichten der DPA und des Handelsblatts soll die überalterte Tornado-Flotte der Bundeswehr ab 2025 durch bis zu 90 weitere Eurofighter sowie 45 Boeing F-18 Super Hornet abgelöst werden. Das US-Modell soll dabei für den elektronischen Luftkampf und die in die NATO eingemeldete Rolle der Unterdrückung gegnerischer Luftabwehr, sowie die sogenannte nukleare Teilhabe Deutschlands im Rahmen des Abschreckungskonzepts der Allianz beschafft werden.

Tornado-ECR mit HARM-Anti-Radar Lenkwaffen.

Tornado-ECR mit HARM-Anti-Radar Lenkwaffen.

Diese internen Planungen des Verteidigungsministeriums sollen bereits auf politischer Ebene sowie mit Industrievertretern be- und abgesprochen worden sein. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer müsse dem Plan aber erst noch zustimmen, hieß es aus Bundestagskreisen. Endgültige und detaillierte Entscheidungen wird aber wohl erst eine künftige Bundesregierung treffen.

Aktuell fliegt die Bundeswehr insgesamt 234 Kampfflugzeuge, darunter 141 Eurofighter und 93 vor rund 40 Jahren eingeführte Tornado-Jets. Im Flugbetrieb sind 83 Maschinen, zehn weitere werden für die Ausbildung am Boden sowie für wehrtechnische Tests genutzt. Deutschland gehört mit Italien (welches den F-35 einführt) und Saudi-Arabien zu den wenigen Nutzern dieses Flugzeugtyps, die britische Version FGR4 ist bereits seit 2019 außer Dienst. Der Betrieb droht bald zusätzliche Milliarden zu kosten, schon weil Ersatzteile zur Manufakturarbeit werden.

Eine EA-18G Growler während der ILA 2018.

Eine EA-18G Growler während der ILA 2018.

Um die Nachfolge-Entscheidung, bei der es – über die Jahre verteilt – um einen zweistelligen Milliardenbetrag geht, gab es ein längeres Ringen. Das nun ausgehandelte Splitting soll sicherheitspolitische Erfordernisse mit Industriepolitik und den starken bayerischen Interessen versöhnen. Die Airbus-Rüstungssparte hat dort ihre Zentrale, in Manching werden Eurofighter endmontiert.

Ein Bild aus Bangalore: FA-18F Advanced Super Hornet.

Ein Bild aus Bangalore: FA-18F Advanced Super Hornet.

Beim Tornado-Ersatz haben deutsche Militärplaner und Luftwaffenoffiziere auch gegenüber Militär Aktuell wiederholt auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Einsatzsicherheit mit zwei unterschiedlichen Flugzeugtypen garantieren zu können. Das soll nun – soweit bisher bekannt – so gestaltet werden: Für die offenbar weiterhin eingeplante nukleare Teilhabe (auch die SPD hat seit 1958 nicht daran gerüttelt) sollen rund 30 F-18E/F Super Hornet beschafft werden. Für jene spräche, dass eine Zertifizierung durch die USA problemloser möglich erscheint als beim Eurofighter, Washington kann hier selbst das Tempo bestimmen. Für den elektronischen Luftkampf – das Stören, Niederhalten und Bekämpfen gegnerischer Luftabwehrstellungen – werden zudem 15 EA-18G Growler beschafft. Der Vorteil der Super Hornets wäre, dass sie schon heute viel näher am Aufgabenprofil des Tornados sind, während der Eurofighter erst in diese Richtung einer Tranche-4 (weiter)entwickelt werden muss, wofür aber bereits eine geplante ECR-Variante mit Störbehältern letzten November präsentiert wurde. Die zusätzlichen Eurofighter übernehmen die anderen Aufgaben der Tornados: Luftaufklärung mit Recce-Pods sowie den Einsatz konventioneller und intelligenter Bomben. Die relativ große Stückzahl von bis zu 90 käme zustande, weil auch zugleich Maschinen als Ersatz für 38 ältere Eurofighter der Tranche-1 beschafft werden sollen.

Der Plan soll trotz Split Interessen der europäischen Rüstungsindustrie wahren. Das gilt besonders für das gemeinsam mit Frankreich angestoßene Projekt eines neuen Luftkampfsystems der 6. Generation (FCAS), das von 2040 an verfügbar sein soll. Auf Grund dessen hat man schon unter Ursula von der Leyen dem vom früheren Luftwaffen-Inspektor General Müllner favorisierten F-35 eine prophylaktische Absage erteilt. Auch Militär Aktuell hat französischerseits gehört, ein deutscher F-35 würde das FCAS „killen“.

Weitere Informationen zur „nuklearen Teilhabe“ hier.

 

Text & Bilder: Georg Mader

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