Der US-Vorsitzende des OSZE-Forums für Sicherheitskooperation beleuchtete in Wien die globale Bedrohung durch MANPADS in Händen von nichtstaatlichen Gruppen.

Während eines Sicherheitsdialogs unter dem gegenwärtigen US-Vorsitzenden des OSZE-Forums für Sicherheitskooperation (FSC) erfolgte am 17. Februar in Wien der Aufruf an die OSZE-Teilnehmerstaaten zur Verringerung der Proliferation beziehungsweise Nutzung illegaler tragbarer Luftabwehrysteme (MANPADS). In diesem Dialog sollte das Fachwissen über die mehrdimensionale Bedrohung durch MANPADS genutzt werden, einschließlich der Diskussion über die Nichtverbreitung von Kleinwaffen in der Terrorismusbekämpfung.

Der Sicherheitsdialog gab einen Überblick über die Auswirkungen der Verbreitung von MANPADS auf die europäische und regionale Sicherheit. Die Diskussionsteilnehmer hoben die jüngsten Beweise dafür hervor, dass nichtstaatliche bewaffnete Gruppen technologisch fortschrittliche Systeme einsetzen und dass auch ältere Systeme im unmittelbaren OSZE-Gebiet weit verbreitet sind. Diese Entwicklungen erfordern einen erneuten Fokus auf diese Bedrohung. In der OSZE-Region gibt es mehrere nichtstaatliche Gruppen, die im Besitz von MANPADS sind, und es fanden mehrere jüngste Anwendungen von MANPADS in Konfliktgebieten statt.

Sogenannte MANPADS – Ein-Mann Schulter-Luftabwehrflugkörperstarter – wurden erstmals in den 1960er-Jahren entwickelt, um Streitkräften bei der Nah-Verteidigung gegen militärische Luftangriffe zu helfen. Sie stellen aber in den Händen von Terroristen, Kriminellen und anderen nichtstaatlichen Akteuren auf der ganzen Welt eine ernsthafte Bedrohung für kommerzielle und militärische Flugzeuge dar. Seit 1970 haben Terroristen und andere nichtstaatliche Akteure Dutzende von Zivilflugzeugen damit getroffen, darunter auch Passagierflugzeuge. „Dies ist keine theoretische Bedrohung”, erklärte Matthew Schroeder, Senior Researcher bei der in Genf ansässigen „Small Arms Survey”: „Große Flugzeuge sind durch MANPADS-Angriffe verloren gegangen, und in Zukunft könnten weitere verloren gehen, wenn wir unsere Bemühungen aufgeben, diese Waffen nicht in die Hände nichtstaatlicher Akteure zu legen beziehungsweise sie ihnen zu verwehren.”

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Mit modernen MANPADS lassen sich Ziele in bis zu 25.000 Fuß Höhe bekämpfen.

Karen Chandler, Leiterin der MANPADS-Task-Force der US-Interagency, stellte in ihren Ausführungen fest, dass „erfolgreiche MANPADS-Angriffe zu einem katastrophalen Verlust von Menschenleben geführt haben. Bei den 65 MANPADS-Angriffen auf zivile Flugzeuge seit 1973 wurden mehr als 1.000 Zivilisten getötet. Während 90 Prozent davon in Konfliktgebieten stattfanden, gibt die Portabilität dieser Systeme und die Verbreitung für nichtstaatliche Akteure auch Anlass zur Sorge für die zivile Luftfahrt außerhalb von Krisengebieten.” Obwohl 2021 das 13. Jahr in Folge ohne einen MANPADS-Angriff auf ein ziviles Verkehrsflugzeug ist, warnte Frau Chandler, dass die US-Dienste „laufend Berichte sehen, aus denen hervorgeht, dass nichtstaatliche Akteure nach wie vor versuchen MANPADS zu erwerben und zu nutzen. Manche dieser Gruppen haben sie auch erfolgreich gegen auch militärisches US-Gerät eingesetzt.” Sie forderte die Staaten auf, „die multiplen internationalen Bemühungen aufrechtzuerhalten.”

Arnaud Borde von der französischen Zivilluftfahrtbehörde unterstrich diese Dringlichkeit und betonte: „MANPADS werden immer ausgefeilter und die Einsatzentfernungen immer länger. Mit neueren Systemen, die auf den Markt kommen, können die Flugkörper Ziele bis auf 25.000 Fuß erreichen. Und MANPADS-Bedrohungen gehen somit inzwischen über die traditionelle flughafenzentrierte Sicherheit hinaus.” Borde erörterte verschiedene Eindämmungsstrategien, darunter das Sammeln und Analysieren von nachrichtendienstlichen Informationen, die regelmäßige Bewertung potenzieller Ziele, die Anpassung der Flugverfahren oder auch Warn- und Täuschausrüstungen für besonders sensitive Maschinen oder besonders gefährdete Flughäfen. Er betonte, dass diese Strategien existieren und von einer Vielzahl von Interessengruppen umgesetzt werden sollten, von staatlichen Betreibern bis hin zu privaten Luftfahrtunternehmen.

Ein staatlicher Betreiber, der auf diese Thematik bereits reagiert hat, ist unter anderem auch das Bundesheer, welches seine drei gebrauchten ex-britischen C-130K für die oft auch ungeplante Missionen in Krisengebiete mit entsprechenden Selbstschutzsystemen nachrüsten ließ (Militär Aktuell berichtete).

Aus dem deutschen Rüstungsexportbericht konventioneller Waffen von 2019: „Von schultergestützten Flugabwehrsystemen (MANPADS) – wie beispielsweise FIM-92 Stinger (USA) oder den russischen Strela- und Igla-Varianten samt chinesischen oder iranischen Abarten – die zu den leichten Waffen zählen, gehen aufgrund ihrer hohen Terrorismusrelevanz eine Gefahr sowohl für die zivile als auch für die militärische Luftfahrt aus. Die Erfahrung zeigt, dass Defizite in der Verwaltung und Sicherung von staatlichen Waffen- und Munitionsbeständen in den betroffenen Staaten eine wesentliche Quelle illegaler Transfers darstellen.”

Weiterführende Informationen: Wikipedia bietet eine Auflistung von MANPAD-Angriffen auf militärische und zivile Flugzeuge. Hier finden sich Informationen zur russischen 9K38 Igla-Familie und hier der RAND-Report zum Thema aus dem Jahr 2019.

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