Nach dem Rückzieher Australiens bei der 50 Milliarden Euro schweren geplanten Beschaffung französicher U-Boote und Entscheidungen für den US-amerikanischen F-35-Kampfjet und gegen europäische Fighter wie Saab Gripen und Rafále in der Schweiz (Militär Aktuell berichtete) und voraussichtlich auch in Finnland setzte es nun „Down Under” den nächsten Rückschlag für die europäische Rüstungsindustrie.

Die Regierung von Scott Morrison kündigte wenige Tage vor Beginn der multinationalen „Talisman Sabre”-Manöver in Queensland an, ihre gesamte Flotte von Airbus MRH-90 Taipan Armee- und Marinehubschrauber durch amerikanische Black Hawks und Seahawks zu ersetzen. Verteidigungsminister Peter Dutton informierte Airbus bereits über die dieswöchige Entscheidung, alle 47 Taipan-Drehflügler der ADF (Australian Defence Forces) außer Dienst zu nehmen (wörtlich sagte er „zu verschrotten”).

@RAN
Haben ausgedient: Die MH-60 der australischen Streitkräfte sollen zeitnah …

Bei der Einführung in der ADF 2007 noch als „fortschrittliches Modell” beschrieben, wird die Beschaffung der Hubschrauber heute als eine von Problemen geplagte Katastrophe dargestellt und medial so beschrieben. Bei den USA wurde ein Antrag auf Kauf von bis zu 40 UH-60M Black Hawks für die Armee und zwölf weiteren MH-60R Romeo Seahawks für die Marine gestellt, was im Packet sicherlich mehrere Milliarden US-Dollar kosten wird. Dazu ist anzumerken, dass die ADF auf der HMAS Albatross in der Nähe von Nowra bereits 24 MH-60R betreibt.

AUKUS „sticht”
Minister Dutton sagte in einem TV-Interview: „Für die Interoperabilität innerhalb unsere AUKUS-Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich, die für uns angesichts der Instabilität in unserer Region immer wichtiger wird, ist der Black Hawk absolut sinnvoll. Die Maschinen sind viel billiger zu fliegen als die Taipans, die ihren Job nicht machten!” Nach Angaben des Ministers waren „die Taipan-Hubschrauber unzuverlässig. „Sie haben nicht unseren Erwartungen entsprochen.”

@Georg Mader
… durch UH-60M Black Hawk und MH-60R Romeo Seahawk (Bild) ersetzt werden.

Die US Defence Security Cooperation Agency hat dem Verkauf von zwölf MH-60R an Australien bereits zugestimmt. „Das Außenministerium hat eine Entscheidung getroffen, die einen möglichen FMS-Verkauf von zwölf MH-60R-Mehrzweckhubschraubern und zugehöriger Ausrüstung für geschätzte Kosten von 874 Millionen Euro an die australische Regierung genehmigt”, heißt es in einer Erklärung. Zu den 40 UH-60M ist eine solche noch ausständig.

Laufend Mängel und kaum Einsatzbereitschaft
Bei aller radikalen und mit „Bully” China begründeten Umorientierung in Down Under: Die Unzufriedenheit mit der Abart des NH-90 Hubschraubers – die nahezu baugleichen Maschinen rotierten zwischen Heeresflieger und Marine – kommt nicht von ungefähr.  Schon im Juni wurde die einst um rund 3,4 Milliarden Euro beschaffte Flotte aufgrund von Sicherheits- und Wartungsbedenken vorsichtshalber „gegroundet”. Das Problem bezieht sich auf die Umsetzung beziehungsweise Anwendung der Wartungsrichtlinien im IT-Supportsystem des Hubschraubers. Seit damals arbeiteten die ADF mit dem Hersteller und Airbus Australia Pacific zusammen, um die Hubschrauber wieder in die Luft zu bringen.

@RAAF
Keine Erfolgsgeschichte: In Down Under zeigt man sich von den Airbus-Drehflüglern wenig begeistert, die Mängelliste ist groß.

Davor war schon 2019 war ein „Grounding” verhängt worden, nachdem ein Hubschrauber aufgrund einer Heckrotorvibration eine Sicherheits-Außenlandung durchführen musste. Und 2020 wurde während einer Anhörung des Senats dem Parlament in Canberra durch Shane Fairweather (Leiter Helicopter-Capabilities und Sustainment) mitgeteilt, dass die Seitentüren des MRH-90 zu schmal wären, um den „Doorguns” ungestörten Feuerbereich zu ermöglichen. Insgesamt wären in den vergangenen Jahren drei Runden an zusätzlichen Instandhaltungs- sowie Sanierungsarbeiten nötig gewesen. Der Fernsehsender ABC erhielt nach den Informationsfreiheits-Richtlinien die Bestätigung, dass der Taipan vom Verteidigungsministeriumdie auf die Liste der sogenannten „besorgniserregenden Projekte” gesetzt wurde.

Scharfe Kritik
Aus dem in britisch geprägten Ländern üblichen „Schattenkabinett” der Opposition meldete sich sogleich der stellvertretende „Schattenverteidigungsminister” Pat Conroy, der das Missmanagement der Regierung bei großen militärischen Beschaffungen anprangerte: „Die 3,4-Milliarden-Euro-Entscheidung der Howard-Regierung, den MRH-90 anzuschaffen, und die darauffolgende achtjährige Misswirtschaft der derzeitigen Koalitionsregierung kostet dem Steuerzahler also jetzt weitere 1,1 Milliarden Eurol Und was erst die 40 neuen Black Hawk kosten, kann uns heute noch gar niemand aus der Regierung sagen. Und zur Erinnerung, dass ist die Partei, die bereits das milliardenteure ,Seasprite-Debakel’ abgeliefert hat.”

Anmerkung: Die Australische Marine hat um knapp eine Milliarde Euro insgesamt elf Exemplare der 2001 von der US-Marine ausgeschiedenen exotische SH-2G(A) Super Seasprite der Firma Kaman für Anzac-Patrouillenschiffe beschafft, die später verworfen wurden. Anschließend hat man sieben Jahre versucht, sie für andere Zwecke zu modernisieren – letztlich erfolglos.

Hier geht es zu weiteren Meldungen rund um Airbus Defence and Space.

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