Militär Aktuell hat erst kürzlich online im Zusammenhang mit der nordkoreanischen Raketenausstellung und mit einem aktuellen Video des russischen Präsidenten Wladimir Putin wieder zu Hyperschallwaffen berichtet. Diese neuen Systeme der Großmächte schaffen zusätzliche Risiken in der kommenden Runde des Wettrüstens. Hyperschall-Waffensysteme sind laut ihren Promotoren extrem schnell, unaufhaltbar und ein regelrechter „Game-Changer” im Kräftemessen zwischen Amerika, China und Russland.

@FASOrgNun scheint – und zwar bereits im August oder sogar schon im Juli – chinesischen Ingenieuren ein großer Schritt in diesem High-Tech-Segment gelungen zu sein. Offenbar haben sie mit der 2019 defilierten DF-17 von China Academy Aerospace Aerodynamics (CAAA) einen – potenziell atomwaffenfähigen – Hyperschall-Flugkörper entwickelt, dessen Reichweite rund um den ganzen Erdball reicht. Laut eines Berichts der „Financial Times”, der sich auf fünf zum Ereignis gebriefte Personen aus Geheimdienstkreisen stützt, ist die Technologie offenbar bereits genügend ausgereift, um die US-Führung zu überraschen.

@CCTV4
China zeigte bereits 2019 bei einer großen Militärparade in Peking mehrere Stück des neuen Hyperschallgleiters DF-17 HGV. US-Analysten vermuten, dass China die Idee des sogenannten „Fractional Orbital Bombardment Systems” neu belebt hat, welches die Sowjets bereits in den 1960er-Jahren – allerdings ergebnislos – verfolgt hatten.

Demnach habe das chinesische Militär im August auf eine Rakete des Typs „Langer Marsch 2C” das Hyperschall-Gleitvehikel in eine niedrige Umlaufbahn von knapp 50 Kilometern Höhe gebracht. Das Geschoss umkreiste danach mit rund 34.000 km/h die Erde, bevor es sein Ziel – unter diesen Dimensionen „knapp” – um 40 Kilometer verfehlte. Was bei einer möglichen nuklearen Nutzlast wenig relevant scheint. DF-17 könnte vom Weltraum aus in Minutenschnelle überall auf der Erde einschlagen – und die US-Raketenabwehr nutzlos machen. China habe „erstaunliche Fortschritte bei der Entwicklung seiner Hyperschallwaffen gemacht”, wird eine der mit dem Test vertrauten Personen zitiert: „Wir haben keine Ahnung, wie sie das gemacht haben.”

Ein Weckruf?
Der Test soll dem Bericht zufolge belegen, dass das Hyperschallwaffenprogramm von Chinas Militär bereits weit fortgeschrittener ist, als US-Geheindienste bisher angenommen hatten. Hyperschallwaffen sind besonders schwer abzufangen, da sie eben mehr als die fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen und während des nicht-ballistischen Anflugs manövrieren können. Ein Abgeordneter im US-Kongress hat den Bericht über den chinesischen Test als Weckruf gewertet. „Dieser Test sollte als Aufruf zum Handeln dienen”, so der Republikaner Mike Gallagher.

@US Gov
Mike Gallagher vom US-Repräsentantenhaus: „Wenn wir an unserem derzeitigen untätigen Kurs festhalten, (…) werden wir den Neuen Kalten Krieg mit dem kommunistischen China innerhalb dieses Jahrzehnts verlieren.”

„Nur ein Raumschiff”
Das chinesische Verteidigungsministerium in Peking äußerte sich zu dem Medienbericht zunächst tagelang nicht. Die chinesische Botschaft in Washington erklärte auf Anfrage ganz generell, dass China immer „eine defensive Militärpolitik verfolge” und dass seine militärische Entwicklung „auf kein spezielles Land” abziele. „Wir haben keine globale Strategie und keine Pläne für Militäroperationen, so wie die USA”, so Botschaftssprecher Liu Pengyu. „Und wir haben überhaupt kein Interesse an einem Wettrüsten mit anderen Ländern.”

Von Journalisten auf den Bericht der „Financial Times” angesprochen, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, dann aber am 18. Oktober in Peking: „Es war ein Raumschiff, keine Rakete! Bei dem Routinetest ist es darum gegangen, Technologie wiederholt zu benutzen. Das ist in der Raumfahrt wichtig, um Kosten zu reduzieren. Viele andere Länder und Unternehmen nehmen ähnliche Tests vor. Die Überreste des Raumschiffes sind ins Ostchinesische Meer gefallen.” Weitere Details nannte der Sprecher nicht. Interessanterweise wird regelmäßig jeder Start von „Langer Marsch” fürs chinesische zivile Raumfahrtprogramm angekündigt, jener im August aber nicht.

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