Dem Bundesheer der Ersten Republik war es aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags nicht erlaubt, eine Panzerwaffe aufzustellen oder überhaupt Panzerkräfte zu besitzen. Somit konnte es sich nur theoretisch mit dieser neuen Waffentechnik auseinandersetzen. Einer der Theoretiker der Panzerwaffe war der österreichische General Ludwig Ritter von Eimannsberger.

Er erkannte die zukünftige Bedeutung von Panzerkräften auf dem Schlachtfeld und wurde durch sein 1933 veröffentlichtes Buch „Der Kampfwagenkrieg” einer breiten Öffentlichkeit bekannt und galt in Österreich als Panzerfachmann. Im internationalen Vergleich gab es jedoch ausländische Fachleute, die ihm in taktischer und besonders in praktischer Erfahrung voraus waren.

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CV 33: Auf dieser Aufnahme ist das aufgebaute Maschinengewehr gut zu sehen.

Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus im Deutschen Reich änderte sich ab 1933 auch das Bedrohungsbild für Österreich. Die Aufrüstung des Bundesheeres, welche in dieser Zeit einsetzte, schloss auch die Formierung von Panzerkräften mit ein.

Im Rahmen der neuaufgestellten Schnellen Division des Bundesheeres erfolgte am 26. September 1935 die Aufstellung des Panzerwagenbataillons. Als ständige Garnison bestimmten die zuständigen Stellen Bruckneudorf und es ergänzte sich aus Soldaten aus dem gesamten Bundesgebiet. Zu Beginn bestand das Bataillon nur aus einer Straßenpanzerkompanie (ADGZ) und einer leichten Kampfwagenkompanie (CV 33). Dazu kamen noch eine Kommandokompanie und eine Hilfskompanie.

Der weitere Ausbau erfolgte in kleinen Schritten. Der 28. April 1936 brachte die Aufstellung der zweiten leichten Kampfwagenkompanie. Ein weiteres Jahr später, am 1. April 1937, erfolgte die Aufstellung der 3. und der 4. Leichten Kampfwagenkompanie.

Im Jahr 1938 gliederte sich das Panzerbataillon wie folgt:

  • die Kommandokompanie (bestehend aus je einem Kommandozug, Infanteriekanonenzug, Tankgewehrzug, Pionier- und einem Telegraphenzug)
  • die 4 Panzerwagenkompanien
  • die Straßenpanzerkompanie
  • die Hilfskompanie, die für die Versorgung und Instandsetzung zuständig war
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CV 33: Überwindung eines Hindernisses bei einer Schauvorführung im Jahr 1936.

Das Bataillon hatte kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen im März 1938 einen Sollstand von insgesamt 72 italienischen Kampfwagen der beiden Typen CV 33 und CV 35. Darüber hinaus bestand es noch aus einer Straßenpanzerkompanie mit 12 ADGZ 8-Radpanzerwagen. Aufgrund von Lieferverzögerungen waren jedoch nur 60 Stück CV 33/35 vorhanden, die geplanten 12 ADGZ waren vorhanden. Die führenden Stellen im Bundesministerium für Landesverteidigung betrachteten das vorhandene Panzerwagenbataillon als Keimzelle einer geplanten größeren Panzerbrigade mit mehreren Bataillonen.

Die Kampfwagen
Die knappen finanziellen Mittel der Republik Österreich machten die Einführung von kanonenbewaffneten Panzern unmöglich. Man musste sich mit den am Markt verfügbaren italienischen Panzern begnügen, auch wenn diese jedoch nicht den Anforderungen der österreichischen Panzertheorie entsprachen.

Die Republik Österreich bestellte bei Fiat Kampfwagen, die sich jedoch von der italienischen Standardversion unterschieden: Aus Gründen der Einheitlichkeit hatten diese Kampfwagen das wassergekühlte MG M7/12 System als Bewaffnung eingebaut. Ein Nachteil dieses Panzers war das Fehlen eines Drehturms sowie einer panzerbrechenden Waffe. Damit entsprach dieser Panzerkampfwagen etwa dem deutschen Panzerkampfwagen I.

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ADGZ bei einer Parade in Wien.

Die Straßenpanzerkompanie bestand aus 8-Radpanzerwagen aus österreichischer Produktion der Firma Steyr mit der Typenbezeichnung ADGZ. Dieser Panzerwagen verfügte über Allradantrieb und eine Doppellenkung. Trat während der Fahrt ein Hindernis auf, so befand sich am entgegengesetzten Ende des Fahrzeugs ein zweites Lenkrad und der dort befindliche Fahrer konnte nach der Umlegung eines Hebels sofort in die Gegenrichtung fahren.

Die Kaserne in Bruckneudorf
Platzmangel führte in Bruckneudorf noch im Jahr 1935 zum Bau einer neuen Kaserne. Am 26. Jänner fand die Abnahme der neuerrichteten Gebäude statt. Der neugebaute, moderne Kasernenkomplex erhielt den Namen „Panzer-Kaserne”. Die Stadtgemeinde Bruckneudorf war sehr erfreut über den Ausbau der Garnison, wie ein Bericht in der Zeitung Niederösterreichischer Grenzbote vom 6. September 1936 zeigt:

„In letzter Zeit schienen die Anstrengungen der Stadt um Wiedererrichtung einer Garnison von einigem Erfolg begleitet. Seit vorigem Jahr ist der Bau einer Kaserne in Angriff genommen, die das neu aufgestellte Panzerwagenbataillon beherbergen soll.“

 

Ausbildung
Die Grundsätze für die Ausbildung der Panzersoldaten im Bundesheer sahen als Hauptaufgabe die Unterstützung der eigenen Infanterie, indem zum Beispiel feindliche MG Nester niedergekämpft werden. Überraschung und Schnelligkeit waren zentrale Eigenschaften, die bei der Ausbildung im Mittelpunkt standen. Dies entsprach dem damaligen Denken vieler europäischer Großmächte, allen voran Frankreich.

Diese Grundsätze wurden im Rahmen einer Übung der Schnellen Division im April 1936 hohen Vertretern des Österreichischen Bundesheeres und ausländischen Militärattachés vorgeführt. Zeitungen bezeichneten diese Übung als sehr interessant und lehrreich. Zwischen 12. August und 5. September 1936 führte die Schnelle Division in der Buckligen Welt die erste großangelegte Übung durch. Im Rahmen dieser Übung zeigte sich erstmalig das Zusammenwirken von Infanterie, Artillerie und der neuen Panzerwaffe.

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Radpanzerwagen aus österreichischer Produktion der Firma Steyr mit der Typenbezeichnung ADGZ.

Eine besondere Übung hatte die 1. Leichte Panzerwagenkompanie im Frühsommer 1936 durchzuführen. Mehrere Wochen lang fuhr sie, verladen auf Zügen und auch im Straßenmarsch, durch die Garnisonen in den westlichen Bundesländern Tirol, Salzburg und Oberösterreich sowie Kärnten und Steiermark im Süden der Republik. Dies hatte den Zweck, das Zusammenspiel mit den Verbänden des Bundesheeres zu intensivieren. Ein weiterer positiver Aspekt war, dass die neue Panzerwaffe einer breiten Bevölkerung vorgestellt werden konnte.

Ende und Umgliederung des Panzerbataillons 1938
Mit dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht endete das Bestehen des Bundesheeres. Aus der österreichischen Schnellen Division wurde die 4. Leichte Division der Wehrmacht und das Panzerbataillon bildete am 1. April 1938 die Panzerabteilung 33 dieser Division. Nach dem Einsatz im Sudetenland im Herbst 1938 wurden die CV-33/35 Panzerkampfwagen auf deutsche Modelle (Panzer I und II) umgerüstet.

Die Panzerkampfwagen und Straßenpanzerwagen wurden noch für kurze Zeit in den Ausbildungseinheiten verwendet und später an Polizeieinheiten und SS-Verbände übergeben. Sie wurden für Sicherungszwecke in besetzten Gebieten verwendet.

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