Am 12. Februar ergab sich für Militär Aktuell die exklusive Möglichkeit, einen ersten Blick in das neue Cockpit der österreichischen S-70A42 Black Hawk und auf das Arbeitsumfeld mit dem neuen VL-60 Ace Deck von Ace Aeronautics LLC zu werfen.

Es hatte zu Beginn der Vergabe heftige Proteste und sogar Anzeigen gegen das „Experiment” mit dem kleinen Unternehmen aus Guntersville AL gegeben. Dazu gehörten auch gestreute Gerüchte über den Übergang unseres Prototyps (und das ist er nach wie vor) 6M BC in eine angeblich Covid-bedingte Konkursmasse von Ace.

@Georg Mader
Am Instrumentenboard außen sind die Primary Flight Displays, innen die MFD-Displays. Wobei beispielsweise technische Daten (etwa zum Triebwerk) oder diverse Kartenformate kleiner oder größer in alle Displays gelegt werden können. Brillanz und Helligkeit passen sich der Sonne an, auf Knopfdruck wird alles Nachtsichtbrillen-tauglich. Auf der Mittelkonsole sind oberhalb die beiden Kommunikationsdisplays (mit TETRA, CONRAD, ATC, MIL HF, …), jene sind auch in simplerer Form nochmals zweimal hinter den Pilotensitzen für die restliche Besatzung. Ganz unten auf der Mittelkonsole, die beiden Portale
für die im Text erwähnten Missionscomputer.

Ungeachtet dieser Störfeuer läuft das Cockpit mittlerweile,es besteht aus zwei Hauptgruppen. Das Garminn 5000H ist ein zivil zertifiziertes Avioniksystem, welches sämtliche nationalen und internationalen Anforderungen an einen modernen Hubschrauber erfüllt. Damit ist das Avioniksystem auf dem neuesten Stand der Technik und der Hubschrauber kann somit uneingeschränkt im Luftraum nach Sicht- und Instrumentenflugbedingungen bei Tag und Nacht betrieben werden. Damit auch die militärischen Fähigkeiten und sonstige Anforderungen weiterhin verfügbar sind, wurde durch den Hersteller ein zweites System eingerüstet, dass der Subunternehmer Avalex hergestellt und integriert hat. Kernstück sind die beiden Missionscomputer Avalex AMP3311. Über die Avalex „Cockpit Management Unit” ACM9454 werden diese Fähigkeiten angesteuert. Dieses taktische System läuft autark und greift nicht in die Garmin Software ein. Die Daten werden lediglich über eine Video- und Audioschnittstelle an die MFD und das Kommunikationssystem geliefert. Das Missionssystem ist im HS integriert und funktioniert zufriedenstellend.

Die Maschine fliegt damit mehrmals täglich, das Personal wird entsprechend weitergebildet. Die Staffel in Langenlebarn hat dafür einen statischen Cockpit-Trainer, die Fliegerwerft ein beeindruckendes Programmierpult (Software Implementation Lab). Zwar sind schon Boxen mit der Ausrüstung für weitere Maschinen vor Ort, aber man überlegt, die beiden nächsten Black Hawks trotzdem wieder nach Alabama zu schicken. Hintergrund ist die durch den Trump-Bugdet-Shutdown und die FAA-Zulassungsverschärfungen nach 737MAX sowie die Pandemie ausgelösten Verzögerung seit 2019. Corona hat sowohl ACE als auch Zulieferer zeitweilig lahmgelegt, zudem konnten lange keine Dienstreisen unserer Verantwortlichen um Oberst des Generalstabsdienstes Reinhard Zmug und Oberst Herbert Santner (1. Staffel) in die USA stattfinden.

Zwar erfolgte im Juli 2020 das FAA-Typenzertifikat, aber unsere Werksgüteprüfung beziehungsweise -abnahme war – anders als geplant – in Guntersville nicht möglich. Das alles wurde nach Ankunft in Langenlebarn im November inzwischen nachgeholt – allerdings blieben noch zwei, drei Dinge offen. Dass wird nun in den kommenden Wochen mit den Amerikanern – zwei sehr umgängliche und teils deutsch sprechende „Ace-Leute” sind zur Ausbildungsunterstützung vor Ort – nachverhandelt. Während die Leistung direkt von Ace absolut entspricht und – wie gegenüber Militär Aktuell betont wird – „uns technisch endlich im 21. Jahrhundert ankommen lässt”, gefällt das externe Missionsplanungssystem des Sub-Lieferanten Avalex (auf vier gehärteten Notebooks) so wie es ist nicht, man will vertragsgemäße Nachbesserungen oder ein anderes. Ebenso im Vertragsumfang und bereits geliefert sind die HMCS-Helmvisiere Scorpion von Thales, beworben als „the world’s only fully colour helmet-mounted cueing system in full rate production”. Die Pilotenausbildung daran wird nach der Lieferung der – ebenfalls vertraglich mitbeschafften – 18 Pilotenhelme Gentex HGU-56P erfolgen.

@US Army
Ein jordanischer UH-60L im Einsatz – drei dieser Maschinen werden in den kommenden Jahren die Drehflügler-Flotte des Bundesheeres komplettieren.

Nachsatz: Die drei ex-jordanischen UH-60L (nur wir und die Jordanier hatten Lima mit Display-Cockpit, die RJAF steigt auf UH-60M um) sind angekauft, harren aber in Jordanien noch der Militärmaterialausfuhrgenehmigung der gerade neuen US-Administration. Ein Routine-Bürokratenvorgang, aber diese sowie der Transport nach Alabama sind nun vertraglich Sache von Ace. Der erste Hubschrauber 6M BC geht hier im Mai in die 500-Stunden-Wartung und soll dort in den zwei Monaten bereits auf den nachverhandelten Stand ab Nummer 2 gebracht werden. Man ist in Langenlebarn jedenfalls zuversichtlich, dass mit der gut laufenden Zusammenarbeit Ende 2022 mindestens vier plus einer oder zwei der Jordanier zur Verfügung stehen werden. Militär Aktuell wird voraussichtlich in der Juni-Ausgabe ausführlich über die weitere Entwicklung berichten.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here