Die Bewaffnung der Infanterie- und Alpenjägerregimenter im Bundesheer der Ersten Republik reichte vom 8 mm Repetierstutzen über Handgranaten bis hin zum 8 cm M.33 Minenwerfer.

Bei der Aufstellung des Bundesheeres wurden alle Waffen der Infanterieverbände von den aufzulösenden Volkswehreinheiten übernommen. Der Friedensvertrag von St. Germain bestimmte allerdings bis ins kleinste Detail, was auf dem Gebiet der Bewaffnung erlaubt war, und regelte darüber hinaus auch den Munitionshöchststand. An Infanteriewaffen waren 34.500 Gewehre (oder Karabiner) mit je 500 Patronen und 450 leichte oder schwere Maschinengewehre mit je 10.000 Patronen erlaubt.

Doch nicht nur die strengen Bestimmungen des Friedensvertrages schränkten die Verteidigungsbereitschaft des Bundesheeres ein. Die Waffen des neu aufgestellten Bundesheeres kamen über die Volkswehr aus der k.u.k. Armee. Grundsätzlich standen davon eine ausreichende Anzahl zur Verfügung, allerdings waren diese in der Volkswehr nur ungenügend bis gar nicht gewartet worden. Somit ergab sich als eine der ersten großen Aufgaben des jungen Bundesheeres im Frühsommer 1920, die nicht funktionsfähigen Waffen zu reparieren, die Waffenausrüstung zu vereinheitlichen sowie den vorhandenen Bestand aufzulisten.

Die Hauptwaffen der Infanterie in den Anfangsjahren der Ersten Republik blieben wie schon in der k.u.k. Armee das Gewehr, das Maschinengewehr sowie die Handgranate. Den Soldaten des Bundesheeres war es jedoch im Gegensatz zu den Gendarmen und Polizisten nicht erlaubt, ihre Waffen auch außerhalb des Dienstes zu tragen. Die offizielle Bezeichnung der Waffen im Heer beinhaltet nicht nur das Kaliber, sondern immer auch das Jahr, in dem die Waffe eingeführt wurde. So verschoss der 8 mm Repetierstutzen M.95 Patronen dieses Kalibers und wurde im Jahr 1895 eingeführt.

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Eine Abteilung des AJR Nr. 9 aus Straß präsentiert das Gewehr. Aufnahme aus dem Jahr 1933

Die vorliegende Darstellung der waffentechnischen Entwicklung des Bundesheeres der Ersten Republik wird an dieser Stelle am Beispiel des Truppenkörpers „Steirisches Alpenjägerregiment Nr. 9” (AJR Nr. 9) aufgezeigt.

Das Gewehr
Der Begriff „Gewehr” umfasst hier die 8 mm Repetierstutzen, Repetierkarabiner und Repetierstutzenkarabiner M.95 des Systems Mannlicher. Im Aufbau sehr ähnlich, unterschieden sie sich nur in der Trageweise. Die Waffe konnte mit einem Bajonett zu einer Hieb- und Stichwaffe für den Nahkampf erweitert werden. Das Gewehr war zirka einen Meter lang und wog 3,2 Kilogramm. Über Grinsel und Korn wurden einzelne Ziele bis 300 Meter anvisiert, bei Gruppenzielen bis zu 450 Meter. Die Patronenzufuhr erfolgte mittels eines Magazins von fünf Schuss.

Um einen Überblick über die Anzahl und die Funktionsfähigkeit der Waffen zu bekommen, befahl das Regimentskommando des AJR Nr. 9 am 23. November 1920, sämtliche Stutzenkarabiner einer gründlichen Visitierung zu unterziehen und zu melden, welche Waffen sich in einem guten beziehungsweise in einem schlechten Zustand befanden. Die erwähnte Vereinheitlichung ging kontinuierlich vor sich, indem die Gewehre ausgetauscht wurden. Bereits am 1. Februar 1921 befand sich beim AJR Nr. 9 kein Repetiergewehr mehr im Stand.

Auf Grundlage der Erfahrungen des Weltkrieges wurde zu Beginn der 1930er-Jahre im Bundesheer eine neue Munitionsart eingeführt, die Spitz-Munition (S-Munition). Im März 1932 kamen die auf S-Munition umgearbeiteten M. 95 S Stutzen wieder zum AJR Nr. 9. Die Waffen hatten vom jeweiligen Bataillonswaffenmeister überprüft zu werden, und bis 30. März hatten die Bataillone mögliche Beschädigungen zu melden. Diese neue Munition brachte eine verhältnismäßig große Leistungssteigerung beim Gewehr. Es lohnt sich festzustellen, dass manche Staaten (Deutschland, Rußland) bereits vor dem Ersten Weltkrieg auf diese Spitzmunition umgestellt hatten und Österreich in dieser Entwicklung offensichtlich hinterherhinkte.

Das Maschinengewehr 8 mm M.07/12
Man unterschied bei dieser Waffe zwischen dem schweren Maschinengewehr (sMG) und dem Handmaschinengewehr (HMG). Das HMG unterschied sich vom sMG durch zwei Merkmale. Erstens wurde beim HMG ein leichteres Gestell verwendet, zweitens gab es für das HMG kein Schutzschild. Die Planungen sahen vor, dass jede Infanteriekompanie einen eigenen HMG Zug haben sollte. Mit der Einführung des 8 mm M.30 lMG wurde das M.07/12 jedoch nicht mehr als HMG verwendet, sondern ausschließlich als sMG.

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Ein sMG des Österreichischen Bundesheeres ohne Schutzschild.

Das sMG hatte das Kaliber 8 mm und war mit dem Dreifußgestell für das sMG 20 Kilogramm schwer. Wurde das Maschinengewehr mit dem Schutzschild verwendet, erhöhte sich das Gewicht um weitere 28 Kilogramm. Die Einsatzschussweite lag zwischen 300 Meter und 2.400 Meter, und die Patronenzufuhr erfolgte über Gurte zu je 250 Patronen. Damit erreichte die Waffe eine Feuergeschwindigkeit von zirka 350 Schuss pro Minute. Diese Waffe war der Hauptträger des Feuerkampfes der Infanterie und blieb es auch bis zum Ende der Ersten Republik. Aus der Zeit der Monarchie waren genügend Exemplare dieser Waffe vorhanden und es war sogar möglich, Reservebestände anzulegen. Zur Kühlung des Laufes wurde eine drei Liter fassende Wasserjacke um den Lauf angebracht. Dadurch wirkte die Waffe sehr plump. Bei Nachtschießen konnte ein Mündungsfeuerdämpfer verwendet werden, der die auffälligen Mündungsflammen reduzierte.

Im April 1924 befahl das Bundesministerium eine Einschränkung des Munitionsverbrauchs für die HMG und MG Ausbildung, da sich die Stände an scharfer Munition, wie auch Exerziermunition auf einem sehr geringen Niveau befanden. Aus diesem Grund durften die betroffenen Soldaten nur noch eine sehr kleine Anzahl an Schießübungen mit ihren Waffen durchführen. Daher gab es für das Jahr 1924 nur 2.000 Schuss Exerziermunition für die MG und 3.000 Schuss Exerziermunition für die HMG.

Nach dem Ende der interalliierten Militärkontrolle und der Übernahme der Waffen des ehemaligen Schutzbundes erhöhte sich der Stand an Maschinengewehren beim Bundesheer, sodass es nun einen sogenannten „Mehrvorrat” gab. Dies führte in weiterer Folge zur Neugliederung der MG-Kompanien, sodass anstatt der offiziellen vier sMG in der MG Kompanie nun sechs sMG vorhanden waren.

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Ein sMG des Alpenjägerregiments Nr. 10 mit Schutzschild während der Februarkämpfe in Bruck an der Mur.

Handgranaten
Handgranaten haben den Zweck, auf kurze Entfernungen den sich hinter einer Deckung befindlichen Gegner zu bekämpfen. Sie werden sowohl im Angriff wie auch in der Verteidigung verwendet. Die Handgranaten mit Zeitzünder bestanden aus einem Topf aus Blech, welcher mit dem Sprengstoff gefüllt war. Durch das Abreißen der sogenannten Abreißschnur wurde die Handgranate gezündet. Bei einem Gewicht von einem Kilogramm betrug die durchschnittliche Wurfweite 25 bis 30 Meter. Der Wirkungskreis lag bei 20 Meter.

Das 8 mm M.30 lMG
Diese Waffe war ein luftgekühlter, verriegelter Rückstoßlader für die Abgabe von Einzelschüssen und Feuerstößen. Die Patronenzufuhr erfolgte über ein Kastenmagazin mit 25 Patronen. Der Aufbau war einem Gewehr ähnlich, und die Waffe wurde von einem Mann bedient. Das Gewicht betrug neun Kilogramm, die Länge 1,17 Meter. Um Hemmungen zu vermeiden, war nach 200 bis 250 Schuss ein Lauf- und Verschlusswechsel durchzuführen. Der heiße Lauf zündete zudem nach Abgabe dieser Patronenanzahl eine im Lauf befindliche Patrone innerhalb von 30 bis 40 Sekunden.

Das M.30 lMG war bereits im Jahr 1930 fertig entwickelt, doch das Bundesministerium für Landesverteidigung hielt die Waffe noch zurück. Erst im Februar und März des Jahres 1932 gab es grünes Licht für Einführungskurse in das Wesen des leichten MGs für Offiziere. Ziel war es, zumindest einen Offizier bei jedem Truppenkörper beziehungsweise in jedem Garnisonsort auf diese Waffe einzuschulen. Das Ministerium war bestrebt möglichst junge, bereits im MG-Dienst ausgebildete Offiziere auszubilden, welche auch die Fähigkeit besaßen, diese erworbenen Kenntnisse an ihre Kameraden weiterzugeben. Beim AJR Nr. 9 gab es in für die Garnisonen Graz und Straß vom 29. Februar bis 5. März einen solchen Kurs, wobei den Garnisonen ein lMG als Anschauungs- und Übungswaffe zugewiesen wurde.

Mit Beginn des Jahres 1933 erfolgte die Ausgabe dieser Waffe an die Infanterie- und Alpenjägerregimenter des Bundesheeres. Bevor das AJR Nr. 9 Anfang des Jahres 1933 die ersten 18 Stück 8 mm M.30 lMG bekam, befahl das Ministerium noch in Sondererlässen, dass die Kompanien nur nach besonderen Weisungen den Anschauungsunterricht beginnen durften und auch das Schießen erst nach besonderer Einweisung durch dafür ausgebildete Offiziere erlaubt war. Ein besonderer waffentechnischer Aspekt war das Verbot die Munition gleichen Kalibers älterer Waffen im Bundesheer zu verwenden, da die Waffe dadurch beschädigt werden konnte.

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Soldaten des AJR Nr. 9 mit Stielhandgranaten während der Februarkämpfe in Graz-Eggenberg.

Jeder der neun Alpenjägerkompanien des AJR Nr. 9 wurden nun zwei Stück lMG zugeteilt. Die ersten 18 lMG trafen am 27. Jänner 1933 beim Regiment ein. Es erfolgte eine schrittweise Erhöhung des Standes dieser Waffe. Am 4. Oktober 1933 wurde die Ausrüstung der Truppe mit dem lMG von zwei auf vier verdoppelt.

Ende Jänner 1934 wurde befohlen, dass ab 1. Februar 1934 nur noch die M.30 lMG von den Infanteriekompanien als lMG zu verwenden waren. Die bisher als HMG verwendeten M.07/12 MG waren vollkommen in Stand zu setzen und bei der Brigade in eigenen Depots zu deponieren. Am 16. Oktober 1934 wurde der Stand an 8 mm lMG M.30 Waffen pro Kompanie von vier auf sechs Stück erhöht, und dem AJR Nr. 9 wurden daher 18 weitere Exemplare dieser Waffe zugewiesen. Ende des Jahres 1935 wurde der Sollstand ein weiteres Mal erhöht, und jede Schützenkompanie verfügte nun über neun Stück lMG M.30.

Der 8 cm M.33 Minenwerfer
Diese Waffe war ein glatter Vorderlader mit einer Erhöhung von 800 bis 1.200 Strich. Verschossen wurden Flügelminen auf einer Reichweite von 100 bis 2.900 Meter. Er war in drei Traglasten zerlegbar: das Rohr, die Bodenplatte und das Gestell. Der Minenwerfer (MW) wurde als schwere Infanteriewaffe verwendet, da er mit seiner geringen Reichweite und der geringen Streuung bis kurz vor die eigene Linie wirken konnte.

Ende August und Anfang September 1933 wurden bei allen Truppen Minenwerfer ausgegeben, so dass jeder Truppenkörper zumindest einen MW hatte. Am 31. August 1933 sollte sich laut den Planungen beim AJR Nr. 9 ein MW befinden, doch es gab dort noch kein Exemplar dieser Waffe. Daher hatte sofort ein MW beim IR Nr. 3 ausgefasst zu werden. Diesem MW wurde auch umfangreiches Ausrüstungsmaterial beigegeben. Am 14. September wurde die zweite Partie an 8 cm M.33 MW an die Truppe ausgegeben.

Im Oktober 1933 mussten beim AJR Nr. 9 bereits zwei Stück Minenwerfer im Gebrauch gewesen sein, da am 14. Oktober der Stand an MW bei den Infanterie- und Alpenjägerregimentern zu drei Bataillonen um vier Stück auf sechs Stück erhöht wurde. Das Waffenhauptdepot hatte daher nach Maßgabe der Fertigung an das AJR Nr. 9 vier Stück MW abzugeben. Die Truppen der 5. Brigade bekamen die Minenwerfer jedoch als letzte aller Brigaden. Damit sollte jede MG Kompanie des AJR Nr. 9 zwei Stück MW erhalten, welche nun nach der Fertigung ausgegeben wurden.

Am 17. November 1933 wurde der Stand an 8 cm M.33 Minenwerfern beim AJR Nr. 9 auf sechs Stück festgesetzt, pro MG Kompanie zwei Stück. Die Minenwerfer wurden nach dem Einlangen an die MG Kompanien II und III ausgeliefert. Bis 28. November hatten alle Infanterie- und Alpenjägerregimenter den vorgeschriebenen Stand erreicht. Bei der Lagerung der Munition gab es die Vorschrift aus dem Ministerium, dass die Zünder und die Minen getrennt zu lagern waren. Die Lagerräume hatten feuersicher, trocken sowie verriegelbar zu sein

Die 9 mm Maschinenpistole
Am 11. August 1934 wurden dem AJR Nr. 9 insgesamt 36 Stück Maschinenpistolen zugewiesen. Alle neun Infanteriekompanien sollten mit jeweils vier Stück ausgestattet werden. Pro Waffe wurden 250 Stück Patronen als Sollstand und 100 Stück Patronen für die Ausbildung im laufenden Ausbildungsjahr zugewiesen. Bereits am 16. Oktober 1934 wurde der Stand an 9 mm Maschinenpistolen von vier auf sechs Stück pro Kompanie erhöht. Dementsprechend wurden weitere 18 Stück dieser Waffe an das AJR Nr. 9 ausgegeben.

Am 17. Juni 1935 wurden auch den drei MG Kompanien je zwei Stück Maschinenpistolen zugewiesen. Am 30. September übernahm das AJR Nr. 9 für die drei IK Züge jeweils zwei 9 mm M.34 Maschinenpistolen.

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Die schweren Waffen im Bataillon: Minenwerfer, sMG, Infanteriekanone.

4,7 cm Infanteriekanone M.35
Im April 1936 gab das BMLV bekannt, dass alle Infanterie-Truppenkörper die 4,7 cm M.35 Infanteriekanone zugeteilt bekommen werden. Die Zuteilung erfolgte nach Maßgabe der Fertigstellung des Geschützes. Der Sollstand wurde auf zwei Stück je Bataillon festgesetzt. Die dazugehörige Ausrüstung wurde erst im Laufe der Zeit vollständig ausgegeben, erstmals nur zur vollen Verwendungsfähigkeit der Kanone. Auch die Reihenfolge der Ausgabe wurde festgelegt, wobei das AJR Nr. 9 im hinteren Drittel der Reihung aller Infanterie- und Alpenjägerregimenter eingeteilt wurde.

Am 29. Mai befahl das BMLV die Aufstellung eines Infanteriekanonenzuges bei jedem Infanterie- und Alpenjägerbataillon. Diese IK Züge waren den jeweiligen MG Kompanien dieser Bataillone anzugliedern. Bis auf weiteres gliederte sich jeder IK Zug in: einem Zugskommandanten (Offizier oder UO), ein Zugstrupp und zwei Infanteriekanonen. Der vorgeschriebene Stand eines IK Zuges wurde mit einem Offizier (oder UO) sowie 21 Mann (darunter sechs Chargen), vier Zugpferde klein, zwei IK und zwei Gebirgskarren festgelegt.

Die Zuweisung einer dritten Infanteriekanone sowie die Aufstellung eines Telegraphentrupps – welcher mit dem Zugstrupp eine Kommandogruppe bilden sollte – waren für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht genommen. Bis zum Einmarsch der Deutschen Wehrmacht sollte es jedoch nicht mehr zu diesen Erweiterungen kommen.

Nach dem Anschluss an das Deutsche Reich
Alle oben genannten Waffen durchliefen nach dem März 1938 ein ähnliches Schicksal. Unmittelbar nach dem Anschluss wurden die Waffen des ehemaligen Bundesheeres aus Gründen der Einheitlichkeit schrittweise ausgemustert und eingelagert. Manche wurden auch an befreundete Staaten verkauft.

Der lange Kriegsverlauf machte es jedoch notwendig, zumindest teilweise wieder auf diese Waffen zurückzugreifen. Sicherungsverbände wurden mit Waffen aus dem ehemaligen Bundesheer ebenso ausgerüstet wie Ausbildungsverbände in der Heimat.

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