Bóg, Honor, Ojczyzna – so lautet der Wahlspruch der polnischen Armee. Inoffiziell ist es sogar das Motto der polnischen Nation. Man findet es nicht nur auf den Regimentsfahnen der traditionsbewussten polnischen Streitkräfte, auf Kriegerdenkmälern und (seit 2018) auf dem polnischen Reisepass, sondern auch auf den Paradesäbeln der polnischen Offiziere.

Bóg, Honor, Ojczyzna – das mag in den Ohren von manchen recht altertümlich klingen, ist aber tatsächlich sehr modern, denn der Gottesbezug (Bóg) kam erst mit dem Ende des Kommunismus wieder zu seinem Recht.

Den Wahlspruch Honor i Ojczyzna schrieben sich viele polnische Patrioten des 19. Jahrhunderts aufs Banner, nicht von ungefähr erinnert er an das Motto der von Napoleon gestifteten Ehrenlegion (Honneur et Patrie), viele Polen dienten in der Napoleonischen Armee. 1919, kurz nach der Gründung der Zweiten Polnischen Republik, wurde der Spruch offizielles Motto der polnischen Streitkräfte. Bóg wurde 1943 durch Beschluss der polnischen Exilregierung hinzugefügt.

Nach der Machtübernahme der Kommunisten in Polen dauerte es noch einige Jahre, dann wurde im Jahre 1955 das Motto „Za naszą Ojczyznę Polską Rzeczpospolitą Ludową” anstelle des alten eingeführt. 1993 stellte die Regierung des inzwischen post-kommunistischen Polen die Ehre (Honor) wieder her und führte das alte Motto wieder ein.

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Die Offiziere der polnischen Grenzwache tragen Säbel wz 1921, die Mannschaften Karabiner des Typs Karabinek wz. 91 98 23.

Genauso typisch wie für Polen die Verbindung zwischen christlicher (katholischer) Religiosität und polnischem Patriotismus ist, so typisch ist für die polnische Armee die Ulanentradition. Bestehen in den modernen polnischen Streikräften Formationen von Ulanen (polnisch: ułani) nur noch als Traditionsbezeichnungen für gepanzerte Einheiten (sieht man von der im Jahre 2000 zu Repräsentationszwecken aufgestellten kleinen Ulanen-Einheit ab), so prägt das Erscheinungsbild der Ulanen bis heute. Die charakteristische Kopfbedeckung der Ulanen, die Tschapka (von polnisch czapka, „Mütze”) ist noch heute in verschiedenen modernisierten Varianten wieder die Mütze des polnischen Heeres.

Nicht ganz so verbreitet ist der Paradesäbel. Auch hier wurde wieder auf die Ulanentradition Bezug genommen. Bei den Ulanen spielte der Säbel eine große Rolle, Hauptwaffe war natürlich die Reiterlanze, aber alle Ulanen, auch Offiziere und Musiker trugen entsprechende Säbel.

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Prasident Ignacy Moscicki beim 11. Ulanenregiment im Jahr 1933.

Als am Ende des Ersten Weltkriegs der polnische Staat neugegründet wurde, war der Kavallerieanteil seiner Armee sehr viel größer als im Duchschnitt Europas. Die Gefechte, die gegen die Rote Armee gefochten wurden, hatten wenig gemein mit dem Stellungskrieg und den Materialschlachten des Ersten Weltkriegs, es waren zumeist beweglich geführte Kampagnen mit Panzerzügen, wenigen Panzerwagen und Flugzeugen, aber mit sehr viel Kavallerie.

Man verfügte über rund 50.000 Kavalleriesäbel verschiedenster Modelle, alle von sehr unterschiedlicher Qualität. Deshalb musste ein Standardkavalleriesäbel her, der an alle berittenen Einheiten der polnischen Armeee ausgegeben werden sollte. Ende 1919 wurde inoffiziell eine Gruppe von Offizieren des 1. Ulananregimentes (1 Pułk Ułanów Krechowieckich) beauftragt, ein neues Säbelmodell zu entwerfen. Verschiedene Firmen produzierten Prototypen, darunter A. Mann, Arma aus Lemberg, die Motorenfabrik Perkun, aber auch Eickhorn in Solingen.

Im April 1921 führte das Kriegsministerium den Säbel szabla wz.21 ein. Das Design vereinigte Elemente früherer Säbelmodelle. Der szabla wz.21 war als Kavalleriewaffe gedacht und als Paradesäbel der Offiziere aller Waffengattungen. Seine Hauptaufgabe war natürlich der Einsatz bei der Kavallerie, und in diesem Einsatzfeld hatte er seine Schwächen. Bei den hauptsächlich von A. Mann und G. Brorowski gefertigten wz.21 (und seiner Modifikation wz.22) ließ die Qualität des Stahls häufig sehr zu wünschen übrig.

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Polnischer Säbel M1934.

Deshalb dachte man schon 1925 über ein besseres Nachfolgemodell nach. Das Generalinspektorat der Streitkräfte (Generalny Inspektorat Sił Zbrojnych, kurz :GISZ) beauftragte ein Kommittee unter der Leitung von Oberst Zbigniew Brochowicz-Lewinski, einen neuen Säbel zu entwerfen. Das Kommittee verfiel auf die geniale Idee, einen Wettbewerb auszuschreiben. Man gab einige Richtwerte vor, so sollte der Säbel in der Scheide versorgt nicht mehr als 1,6 Kilogramm wiegen. Sieben unterschiedliche Vorschläge wurden eingereicht. Am 16. September 1931 kam es zum ersten Vergleichstest, drei Entwürfe schieden gleich aus. Von den vier verbliebenen ließ man Kleinserien bei Perkun in Warschau herstellen, die anschließend bei sechs Kavallerieregimentern getestet wurden. 1934 lagen die Testergebnisse vor. General Adolf Waraksiewicz und Oberst Tomasz Dobrzanski (beides selbst hervorragende Fechter) schlugen der polnischen Armeee dann einen der vier Entwürfe vor, der im Frühjahr 1935 in einer Kleinserie von 150 Stück produziert wurde. Im Herbst 1935 wurde der neue Sdäbel als sabla wz.34 angenommen.

Dem Modell von 1921 durchaus ähnlich war das neue Säbelmodell konsequent auf das Säbelfechten ausgerichtet. Der Griff war sehr ergonomisch, der Säbel hatte eine Pfeilhöhe, die ihn für schnelle Paraden und ziehende Schnitte sehr geeignet machte. Klinge und Scheide waren so gut angepasst, dass der Säbel nicht schepperte.

Der Säbel wurde ausschließlich bei der Firma Huta Ludwików gefertigt, deshalb nannte man ihn auch ludwikówka. Der Fertigungsstandard war hoch. Nach den Angaben polnischer Offiziere war der wz.34 viel besser zum Schnitt geeignet als zeitgenössische französische Säbel. War beim sabla wz.21 noch die Stahlqualität moniert worden, beim sabla wz.34 war sie ausgezeichnet. Der Stahl stammte von den Baildon-Stahlwerken aus Kattowitz.

Der Abnahmetest war streng: Ein aus zwei Metern Höhe herunterfallender Säbel musste eine zwei Millimeter starke Stahlplatte durchdringen, der Säbel musste fünf Stahlstäbe von einer Dicke von jeweils fünf Millimetern durchschlagen (ohne dass die Klinge Schaden nahm) und so weiter.

1936 begann die Produktion und bald wurde der Säbel die Standardwaffe aller berittenen Einheiten der polnischen Armee. Im Februar 1936 erhielt Ludwików den ersten Auftrag über 11.500 Stück, der bald auf 16.000 Exemplare erweitert wurde. Im Januar 1937 erfolgte der Produktionsbeginn der zweiten Serie (14.470 Stück), dann erfolgte eine dritte Serie. Im Juli 1939 verfügte die polnische Armee bereits über 39.564 Säbel des Modells wz.34, davon waren 27.605 bei der Truppe. Die Produktionskosten lagen bei 25 Złoty, der Abnahmepreis bei 38 Złoty.

Weitaus weniger günstig waren die reichlich dekorierten Prunksäbel, die auf der Basis des wz.34 etwa für hochrangige Staatsgäste angefertigt wurden. Einen erhielt beispielsweise König Michael I. von Rumänien. Es sollte auch noch ein spezieller Offizierssäbel entwickelt werden, der sabla wz.38, doch der Kriegsausbruch verhinderte weitere Arbeiten.

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Polnische Ehrengarde, der Offizier trägt einen Paradesäbel sabla w 1976.

Es mutet schon erstaunlich an, wieviel Mühe man sich polnischerseits mit einer Seitenwaffe machte, die nur von einem Teil der Streitkräfte genutzt werden konnte. Dabei waren die polnischen Kavalleriereeinheiten gar nicht so altmodisch, wie man vermuten könnte. Der Einsatz der blanken Waffe spielte darin nur eine untergeordnete Rolle.

Im Polenfeldzug 1939 kam es zu einem runden halben Dutzend Attacken polnischer Kavallerie gegen Infanterie der deutschen Wehrmacht, meist sogar recht erfolgreich. Berühmt geworden ist das Begegnungsgefecht vom 1. September 1939, als bei Krojanty Ulanen des 18. Pułk Ułanów Pomorskich das deutsche Infanterie-Regiment (mot.) 76 angriffen und ihrerseits von Panzerspähwagen der Aufklärungs-Abteilung 20 überrascht wurden. Ein Mythos entstand, der 1959 mit dem Film „Lotna” von Andrzej Wajda weitergepflegt wurde. Tatsächlich haben sich 1939 polnische Kavalleristen kein einziges Mal mit Säbeln gegen Panzer geworfen.

Auch die in das System des Warschauer Paktes eingebundene Polnische Volksarmee  behielt Säbel als Paradewaffen. Das waren erst russische Modelle, was allerdings vielen traditionsbewussten polnischen Offizieren nicht gefiel. Dann entwarf im Jahre 1975 eine Kommission des polnischen Armeemuseums den szabla wz.1976, in einer Variante für das Heer (wz.1976 WP) und einer weiteren für die Marine (wz. 1976 MW). Beide Ausführungen lehnten sich stark an den wz.34 an, waren aber nicht ganz baugleich damit.

Eine Kleinserie wurde vom Armeemuseum selbst gefertigt, spätere von der Firma WiFaMa. Die erste Serie aus deren Produktion umfasste 370 Einheiten. Das Ende der kommunistischen Schreckensherrschaft ging auch an den polnischen Paradesäbeln nicht spurlos vorbei: 1990 erhielten neugefertigte Säbel einen auf der Klinge eingeprägten Adler mit seiner Krone. Das war der „Polska szabla paradna wz. 76/90”.

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Polnischer Ulan (Reenactment), Geschicklichkeitsübung mit dem Säbel.

2000 stellte die polnische Armee die Szwadron Kawalerii Wojska Polskiego als berittene Ehrengarde auf. Zwei Jahre später übernahm die Schwadron den Säbel szabla wz. 1934/2002 (ebenfalls von WiFaMa), der dem Vorkriegsmodell fast identisch ist.

Auf dem (von Reproduktionen verschiedener Qualität überschwemmten) Sammlermarkt ist der Sabla wz.21 weitaus häufiger zu finden als der Sabla wz.34.

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