Kuriose Wendung der Geschichte: Der Alvis-Straussler Armoured Car und sein ungarischer Ableger Csaba – ein Fahrzeug, das während des Zweiten Weltkrieges auf beiden Seiten zum Einsatz kam.

Nicholas Peter Sorrel Straussler, 1891 geboren und 1966 verstorben, (ungarisch: Straussler Miklós Péter) war ein aus Ungarn stammender Ingenieur, der viele wichtige Innovationen für die britische Rüstungswirtschaft erbrachte. So erfand er beispielsweise den Duplex Drive – den Antrieb für Sherman-Panzer im Wasser … und den Straussler-Conversion-Kit, eine Modifikation für die britischen 17-Pfünder-Panzerabwehrkanonen. Die Royal Air Force nutzte einen von ihm entwickelten Transportanhänger für Bomben in großen Stückzahlen. Mit dem von ihm entwickelten Lipsoid-Reifen gehörte Straussler außerdem zu den Erfindern der ersten Niederquerschnittsreifen – das war allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Alvis-Straussler-Panzerwagen der KNIL.

1933 entwickelte Straussler (der im gleichen Jahr britischer Staatsbürger wurde) den Prototypen eines Panzerwagens, A.C.1, der in Budapest von der Firma Manfred Weiß gefertigt wurde. Es war gar kein kompletter Panzerwagen, sondern ein Chassis mit einem Aufbau aus Holz. Das kuriose Gefährt wies einige interessante Details auf: Heckmotor mit Getriebe davor, Vierradantrieb, Vierradlenkung. Dank seiner innovativen Radaufhängung war das Fahrzeug zudem sehr geländegängig. 1935 entstand auf dieser Grundlage der A.C.2. Einige Verbesserungen wurden vorgenommen: so bekam der A.C.2 ein zweites Lenkrad für die Rückwärtsfahrt. Der erste Prototyp erhielt wieder einen Holzaufbau, dann wurde aber ein Prototyp gefertigt, der einen echten Panzeraufbau hatte. Den konnte man übrigens in einem Stück vom Chassis abnehmen.

Die Bewaffnung bestand aus einem wassergekühlten Vickers-Maschinengewehr im Drehturm. Das Air Ministry erhielt einen Panzerwagen A.C.2 von Straussler Mechanisation Ltd. und Tests wurden durch die Royal Air Force in Nahost durchgeführt. So fuhr der Wagen die beachtliche Strecke von Port Said nach Bagdad. 1937 übernahm Alvis Ltd. aus Coventry die Firma Straussler Mechanisation Ltd. und ein dritter Panzerwagen wurde gebaut, der A.C.3. Die Panzerung war gegenüber dem Vorgänger verbessert und ein starker Sechs-Zylinder-Alvis-Motor mit 120 PS wurde verwendet. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 73 km/h. Ein zweites MG wurde in der Wanne eingebaut (links neben dem Fahrersitz). Die niederländische Regierung orderte zwölf dieser Fahrzeuge für die Armee Niederländisch-Ostindiens („Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger”), die 1942 im Kampf gegen die Japaner verwendet wurden. Drei ähnliche Fahrzeuge gingen an die portugiesische Armee.

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Ungarische Soldaten vor ihrem Csaba-Panzerwagen.

Die Royal Air Force war vom A.C.2 beeindruckt gewesen und orderte zwölf Stück des verbesserten A.C.3. Die Panzerung war gegenüber den niederländischen Fahrzeugen verändert worden. Die Panzerwagen (offizielle Bezeichnung: „Car, Armoured, Alvis-Straussler, Type A”) gingen an eine Armoured Car Company der R.A.F. in Palästina, ein Detachement diente auch im Protektorat Aden.

Die Firma Armstrong-Siddeley produzierte ab 1936 auf der Basis der Panzerwagenentwicklungen von Straussler drei Prototypen eines 6×4 konfigurierten Panzerwagens für die Royal Air Force, der schwerer bewaffnet war als der Alvis-Straussler (er hatte ein Kaliber.50 Vickers-MG im Drehturm), es aber nie zur Serienreife brachte.

Zur Serienreife hingegen schaffte es der 39M Csaba. Dieser rund sechs Tonnen schwere 4×4 konfigurierte Spähpanzer war eine direkte Weiterentwicklung des A.C.2 und wurde in der Ursprungsheimat Strausslers, Ungarn, ab 1939 produziert. Die Firma Manfred Weiß in Csepel (bei Budapest) baute das Fahrzeug für die ungarische Armee.

@Fortepan
39M Csaba Panzerwagen im Jahre 1940.

Nach Tests im Jahre 1939 bestellte die ungarische Armee 61 Stück, 1940 folgte eine Bestellung über weitere 40 Stück. Darin enthalten waren Fahrzeuge, die als Befehlspanzer ausgelegt waren. Die Bewaffnung bestand aus einer 20mm-KwK und einem Koaxial-Maschinengewehr. Außerdem konnte ein weiteres Maschinengewehr durch eine Turmluke gegen Flieger zur Anwendung gebracht werden. Die Besatzung (drei Mann) konnte bei abgesessenen Einsatz dieses MG leicht mitführen. Beim Csaba waren Lenkrad und alle anderen notwendigen Ausstattungen für die Rückwärtsfahrt vorhanden. Ein 90-PS starker Motor (aus den Ford-Werken in Köln) beschleunigte das Fahrzeug auf rund 65 km/h. Die Panzerung war vernietet und hatte eine Stärke von neun Millimetern. Diese Panzerspähwagen wurden von der ungarischen Armee im Kampfeinsatz verwendet und (ab 1944) auch von der deutschen Wehrmacht.

In den Nachkriegsjahren entwickelte Straussler einen zivil und militärische verwendbaren Lastkraftwagen, der auf einer Automobilausstellung in den Niederlanden gezeigt wurde. Von dort ging der Wagen nach Ungarn, damals auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs. Straussler kam für diesen Vorfall vor Gericht, kam aber mit einer Verwarnung davon.

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