Am Vorabend von Amerikas Kriegseintritt gab es 23 Kavallerieregimenter im aktiven Dienst. Nur zwei davon waren mechanisiert (das heißt Panzeraufklärereinheiten, ein weiteres wurde gerade vollmechanisiert), neun waren „horse-mechanized” und zwölf immer noch beritten („mounted”).

Kavallerieregimenter bei der US Army waren tatsächlich regimentsstarke Verbände, anders als bei vielen europäischen Armeen, wo die Traditionsbezeichnung „Regiment” bei der Kavallerie und bei Panzereinheiten nur bataillonsstarke Verbände kennzeichnete.

Ein „Mounted Cavalry Regiment” der US Army in den späten 1930er-Jahren war in voller Kriegsstärke (78 Offiziere, ein Offiziersstellvertreter, 1.608 Unteroffiziere und Mannschaften, 1.812 Pferde) ein formidabler Verband: tatsächlich sah aber nur die 26th Cavalry in dieser Organisationsform Kriegseinsatz im Zweiten Weltkrieg. In Friedensstärke war ein „Mounted Cavalry Regiment” mit knapp 800 Mann nur bataillonsstark. Die infanteristische Kampfkraft eines Mounted Cavalry Regiments war groß, es gab zwar keine Panzerabwehrkanonen und nur zwei Mörser, aber der Anteil der Maschinengewehre war enorm: so befanden sich im Machine-Gun Troop zwölf wassergekühlte M1917A1-MGs (Kaliber .30-06), dazu kamen vier schwere M2-MGs (Kaliber .50), außerdem noch die beiden erwähnten Mörser (Kaliber 60 mm). Die Versorgungsteile des Kavallerieregimentes waren motorisiert, ungleich den meisten europäischen Kavallerieverbänden waren Feldküchen, Ambulanzen, Feldschmieden und Nachschubwagen nicht bespannt, sondern motorisiert. Der letzte bespannte Wagen eines US-Kavallerieregimentes war nach der Heeresdienstvorschrift der Kantinenwagen gewesen.

@Archiv Seehase
107th Cavalry in South Carolina 1941, im Vordergrund Pferdetransporter mit COE-Zugmaschinen.

Das Regiment besaß neben dem Stab und Versorgungsteilen in der Stabskompanie einen Spähzug mit sechs White M1 Scout Cars, daneben gab es etliche Lkw und geländegängige oder handelsübliche Pkw. Ein solches Regiment hatte zwei Squadrons zu je 404 Mann, jede Squadron (kommandiert jeweils von einem Lieutenant-Colonel) bestand aus einer nur acht Mann starken Führungsgruppe und drei Rifle Troops. Jeder Troop (kommandiert jeweils von einem Captain) hatte eine 16-köpfige Führungsgruppe, einen leichten MG-Zug mit drei luftgekühlten M1919A2-Maschinengewehren (Kaliber .30-06) und drei Rifle Platoons.

Ein Rifle Platoon (kommandiert von einem Lieutenant) hatte eine fünfköpfige Führungsgruppe und drei acht Mann starke Squads, die jeweils von einem Corporal kommandiert wurden. Jeder Mann des Rifle Platoons war mit einem Garand-Gewehr und einer Colt-Government-M1911-Pistole (Kaliber .45 ACP) bewaffnet, bis auf den Lieutenant, der nur eine Pistole hatte. Jede Squad bestand aus zwei vierköpfigen Sub-Squads: Scout, Leader, Horseholder, Rifleman. Bei abgesessenem Einsatz hielt der Horsholder die Pferde, die anderen drei Mitglieder des Teams gingen infanteristisch vor. Bei aufgesessenem Einsatz erfolgte der Angriff im Galopp oder gestrecktem Galopp, wobei auf 25 Yards (gemäß der Heeresdienstvorschrift) mit der Pistole das Feuer eröffnet wurde. Der Säbel war 1934 aus dem Inventar gestrichen worden.

Offizieren stand ein zweites Pferd zu. Der Preis, der für den Ankauf eines Kavalleriepferdes gezahlt wurde, betrug zwischen 100 und 150 US-Dollar (der Ankauf wurde von einer speziellen Beschaffungsbehörde getätigt, dem „US Army Remount Service”, das auch ein eigenes Zuchtprogramm unterhielt). Rund 90 Prozent der Kavalleriepferde waren Thoroughbreds oder Half-Thoroughbreds, andere Rassen wie Araber oder Morgans waren nur spärlich vertreten.

@Signal Corps
Soldaten des Troop C, 10th Cavalry Regiment im August 1941.

Es waren aber nicht nur die Pferde, die ein Kavallerieregiment von einem Infanterieregiment unterschied. Als während des Krieges viele Kavallerieregimenter zu Infanterieeinheiten neuformiert wurden oder zwar nominell als Kavallerie bestehen blieben, aber infanteristisch eingesetzt wurden, mussten viele Dinge organisatorisch geändert werden.

So verfügten die Trooper der Cavalry (obwohl mit dem Standardinfanteriegewehr Garand ausgestattet) nicht über Bajonette. Infanterieeinheiten hatten eine wesentlich höhere Feuerkraft, vor allem deswegen, weil zu jeder Rifle Squad der Infanterie ein BAR („Browning Automatic Rifle”) gehörte, das die Kavallerie vorher nicht besaß. Zwischen 1943 und 1945 gab es eine Fülle von Direktiven die Ausgabe zusätzlicher Waffen und die Erhöhung der Mannschaftsstärke betreffend, wahrscheinlich gab es keine Einheit der US Cavalry, die auf dem neuesten Stand der Befehlslage war. Man könnte die Frage stellen, warum die infanteristisch eingesetzten Einheiten der US Cavalry nicht ganz einfach wie Infanterie gegliedert wurden: vermutlich hing man zu sehr an alten Traditionen.

Ein Vergleich der Mannschaftsstärken (1943/44) zwischen Cavalry und Infantry macht dies deutlich:

Cavalry Infantry
Squad: 8 Squad: 12
Platoon: 32 Platoon: 41
Troop: 165 Company: 193
Squadron: 521 Battalion: 894
Regiment: 1.726 Regiment: 3.207

 

Während des Zweiten Weltkrieges, als die 1st Cavalry Division und das 112th Cavalry Regiment als „dismounted cavalry”, also infanteristisch, auf dem pazifischen Kriegsschauplatz fochten, machte sich die geringere Mannschaftsstärke trotz der Verstärkung durch Pak, durch Spähfahrzeuge und durch Mörser bemerkbar. Konsequenterweise wurden beide Kavallerieverbände im Juli 1945 (als man sie für eine Invasion des japanischen Mutterlandes vorsah) infanteristisch gegliedert, allerdings fehlte dann ihren Regimentern immer noch die dritte Squadron/Battalion.

Der legendäre Daimler Scout Car

Im Vergleich zu den Mounted Regiments verfügte ein „Horse-Mechanized” Regiment der US Cavalry über eine größere Feuerkraft und eine gewisse Panzerabwehrfähigkeit. Die „Horse-Mechanized” Regimenter (eines für jedes Armeekorps) waren mit der Überstellung der Regimenter der National Guard im Frühjahr 1941:

4th und 6th Cavalry (reguläre Armee);
101st Cavalry, New York National Guard;
102nd Cavalry, New Jersey National Guard;
104th Cavalry, Pennsylvania National Guard;
106th Cavalry, Illinois National Guard;
107th Cavalry, Ohio National Guard;
113th Cavalry, Iowa National Guard;
115th Cavalry, Wyoming National Guard;

Ein „Horse-Mechanized”-Regiment der U.S. Cavalry bestand aus dem Regimentsstab, dem Headquarters Troop, dem Service Troop und zwei Squadrons: 1st Rifle Squadron (Horse) mit den Troops A, B und C; und der 2nd Reconnaissance Squadron mit den Troops D und E (Scout Cars) und Troop F (Motorräder, meist Harley-Davidson WLA). Diese Regimenter waren schwer bewaffnet: 110 Maschinengewehre Kaliber .30-06 und 32 Maschinengewehre Kaliber .50 (die Bewaffnung der Panzerwagen gar nicht eingerechnet). Von den 1.524 Mann eines Regiments hatten nach der TO&E 175 Mann (zumeist die Kradmelder) eine Thompson-Maschinenpistole, 541 Mann ein Garand M1-Gewehr. Alle Trooper trugen nach echter Kavallerietradition eine .45 Colt Government Pistole.

@Archiv Seehase
Federal COE-Zugmaschine mit Pferdetransportauflieger vom 107th Cavalry Regiment.

Horse-Mechanized Regiment nach der TO&E von 1940:
HQ und Band: 36 Mann;
Headquarters Troop (Stabskompanie): 171 Mann, 17 Scout Cars, sechs 37 mm-PAK, 21 Kräder (inklusive Beiwagenkräder), 14 Pkw & Lkw;
Service Troop (Versorgungskompanie): 222 Mann, drei Scout Cars, 123 Kräder (inklusive Beiwagenkräder), 39 Pkw & Lkw, 74 Pferdetransporter (Zugmaschinen und Auflieger);
Horse Squadron: 530 Mann, 494 Reitpferde, 51 Packpferde;
Mechanized Squadron: 565 Mann, 48 Scout Cars, 19 Lkw, 123 Kräder (inklusive Beiwagenkräder),

Detachiert:
Medical Detachement (Sanitätsteileinheit): 60 Mann, zwei Ambulanzen, zwei Beiwagenkräder, zwei Packpferde, drei Pferdetransporter.

Die Zugmaschine des Pferdetransporters war der „Truck, 2½-ton, 4×4, Tractor, COE”. COE bedeutete „Cabin Over Engine”, das Modell war ein GMC AFKX-502-8E, die Allradversion eines zivilen Fahrzeugtyps. Allerdings konnten nicht alle „Horse-Mechanized” Regimenter mit diesem Fahrzeug ausgestattet werden, da die Fertigung nicht nachkam.

Pate bei der Entwicklung der „Horse-Mechanized Regiments” waren europäische Entwicklungen gewesen, großes Aufsehen hatte bei der US Cavalry die Entscheidung der französischen Armee erregt, bei der Kavallerie Bataillone mit Panzerwagen einzuführen. Im Prinzip waren die Regimenter der polnischen Kavallerie, die 1939 beim Angriff der deutschen Wehrmacht verbluteten, auch „Horse-Mechanized”. „Horse-Mechanized” war der diplomatische Begriff für eine Truppe weder Fisch noch Fleisch, das charakteristische Fahrzeug war der Pferdetransporter: eine Zugmaschine mit einem sechs Tonnen schweren Auflieger für acht Pferde, acht Reiter und deren Ausrüstung. Damit konnte man die Kavallerie auf der Straße schnell zum Einsatzgebiet bringen, zumindest in der Theorie. Das war allerdings eine taktische Sackgasse. Bei den großen Manövern 1940 und 1941 zeigte sich, dass gerade die großen Pferdetransporter schwer zu handhaben waren: sie waren kaum zu tarnen, straßengebunden, unhandlich.

Zur Ausstattung gehörten schon in den 1930er-Jahren auch die Armoured Cars. Die gab es bei der „Horse-Mechanized Cavalry”, bei den vollmechanisierten Verbänden und den reinen Reiterverbänden (wie schon erwähnt dort aber nur in geringer Stückzahl). Ein Armoured Car wurde definiert als „an armed and armoured wheeled motor vehicle designed primarily for reconnaissance”.

C15T und Otter: Kanadische Brüder im Kriegseinsatz

Zwischen 1938 und 1940 wechselte die Bezeichnung von Armoured Car zu Scout Car. Die Scout Cars sollten aufklären und sich nur im Notfall auf Kampfhandlungen einlassen, Kampfaufträge sollten den Reitern vorbehalten bleiben. Dementsprechend waren es keine Panzerspähwagen mit Bordkanonen und MG im Drehturm, nein, es waren leichtgepanzerte Mannschaftstransportwagen mit oben offenem Kampfraum. Das entsprach aber den Erfordernissen der Zusammenarbeit von Reitern und Scout Cars: so konnte leicht kommuniziert werden – mündlich, per Meldezettel oder mit Flaggensatz. Leicht konnten Verwundete aufgenommen werden, Munition und Wasser den Reitern ausgehändigt werden. Nachrichtenübermittlung über weite Distanzen konnten man auch recht gut vornehmen: per Brieftaube. Als Zugmaschine für diverse Anhänger eigneten sich die M1/M2/M3 Scout Cars auch recht gut, der M2 war sogar eigentlich als Zugmaschine konzipiert. Den taktischen Erfordernissen eines schon vergangenen Zeitalters wurden die Scout Cars gerecht. Aber das taktische Konzept war längst veraltet. Auch dass den Scout Cars reine Aufklärungsmissionen vorbehalten bleiben sollten, war reines Wunschdenken.

@Archiv Seehase
Ein Browning MG 1919A2 (speziell fur Kavallerie) auf einem T13 Scout Car.

Sogar für die Mechanized Cavalry war ab 1940, als die Armoured Force (Panzerwaffe) aufgestellt wurde, Aufklärung die einzige Aufgabe – zumindest in der Theorie. Als man dann nach Kriegsende die durchgeführten Einsätze untersuchte, stellte sich heraus, dass echte Aufklärungsmissionen nur ein Teil der durchgeführten Aufträge (und nicht einmal der größte) gewesen waren. Der M3A1 White Scout Car, der letzte in der Reihe der Scout Cars für die Kavallerie, sollte noch lange nach der Vollmotorisierung der US Cavalry im Dienst bleiben und weltweiten Einsatz in einer Vielzahl von Rollen sehen. Die lag aber mehr an seiner Vielseitigkeit als an seiner Eignung als Panzerspähwagen, die eher mittelmäßig war.

Schon 1932/33 war das erste „Mechanized Cavalry Regiment” aufgestellt worden, das 1st Cavalry Regiment in Fort Knox hatte auf leichte Panzer und Panzerspähwagen umgesattelt. Die weitere Entwicklung der Mechanisierung verlief aber sehr langsam. Im Juni 1940 wurde klar, dass die Regimenter der 7th Cavalry Brigade in Fort Knox sich so sehr von den anderen Kavallerieregimentern unterschieden, dass der damalige Stabschef General George C. Marshall anordnete, dass sie und ihre begleitenden Infanterieeinheiten zum Ausgangspunkt der neu aufzustellenden „Armoured Force”, der Panzerwaffe, werden sollten.

Literaturhinweis: Ollesch, Detlef u.a.: „Die US Cavalry im Zweiten Weltkrieg; Organisation, Einsätze, Ausrüstung”; Helios-Verlag, Aachen 2015.

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