Die jüngsten Unruhen im US-amerikanischen Kapitol haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig in den vergangenen Jahren offene Nachrichtenquellen (OSINT) für Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste zur Informationsbeschaffung geworden sind.

Wie die Washington Post hier ausführlich beschreibt, wurde bald nach den Unruhen das soziale Netzwerk Parler – das unter der Prämisse der freien Meinungsäußerung seit 2018 offenbar (auch) von potenziellen Gewalttätern und (Wahl)Verschwörungsaffinen genutzt wurde und als Sammelbecken von Trump-Fans galt – vom Web entfernt. Amazon hatte davor die Webhosting-Dienste für die Plattform zurückgezogen, diese hatte zuletzt rund zwölf Millionen Nutzer.

Parler hat rechtliche Schritte gegen Amazon eingeleitet und angekündigt bald zurückzukehren. Bis dahin finden die Diskussionen, die auf der Plattform von den Behörden sicherlich seit Längerem überwacht worden waren, an anderer Stelle statt, in alternativen sozialen Netzwerken wie Gab oder über verschlüsselte Messaging-Apps wie Telegram. Die OSINT-Analysten der Sicherheitskräfte müssen auf diese Verschiebung nun schnell reagieren und ein gutes Verständnis für die Funktionsweise dieser alternativen Plattformen aufbauen, damit sie dort an ihre Informationen kommen.

Bemerkenswert ist diesbezüglich auch das Abgreifen und die Sicherung von 80 Terrabyte Parler-Daten (darunter sämtliche Postings) durch unabhängige Datenforensiker, bevor die Plattform offline ging. Einige dieser Daten wurden geografisch korrelliert, was sich für Ermittler zweifellos noch als nützlich erweisen wird. „Alle diese Daten wären ein gutes Spielfeld für die Strafverfolgung”, sagte Kiel Brennan-Marquez, Professor an der juristischen Fakultät der Universität von Connecticut, der sich auf Überwachung und Datenerfassung spezialisiert hat. Ein im Rahmen des sogenannten „Fourth Amendment” festgelegtes Prinzip (juristisch genannt „the private search doctrine”), ermöglicht es der Regierung nämlich, Daten zu verwenden, die das Ergebnis einer Überwachung oder eines Eindringens eines Dritten waren. Das ist in der Szene natürlich bekannt und bewegt dunkle Akteure noch mehr in Richtung besonders datenschutzorientierter Plattformen, Aktivitäten werden weniger offen diskutiert als bisher. Damit bleibt auch im Cyberspace das von militärischen Waffenfähigkeiten her bekannte „Katz- und Maus”-Dilemma des zeitweiligen Vorteils die bestimmende Konstante.

Siehe dazu auch diesen Bericht. Update: Parler ist wieder online.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here