Immer mehr Luftstreitkräfte weltweit setzen beim Training auf private Sparringpartner. Scott „Kidd” Poteet ist Leiter der US-Militärprogramme beim Feinddarsteller-Unternehmen Draken-International. Wir haben mit ihm über die Entwicklung des Aggressor-Marktes, Kosteneffekte und immer stärkere Muster in den „Red Air”-Flotten gesprochen.

Herr Poteet, Feinddarstellerfirmen erlebten zuletzt vor allem aus Kostengründen einen massiven Boom. Wie viel erspart sich dadurch der Steuerzahler tatsächlich?
Für die gesamte Branche ergeben sich durch unseren Contract-Support in ADAIR (Anm.: Adversary Air = Feinddarstellung) sicherlich Einsparungen von mehreren hundert Millionen Dollar jährlich. Das zeigt sich auch dadurch, dass unsere Firma mittlerweile bei jedem „Red Flag” in Nellis dabei und auf zehn weiteren US-Basen in den USA und in Alaska präsent ist.

@USAF
Einige „Red Air”-Anbieter betreiben größere Kampfjet-Flotten als die meisten Luftwaffen, verfügen über moderne Ausstattung und gut ausgebildete Piloten.

Wodurch genau ergeben sich die Kosteneffekte?
Die entstehen dadurch, dass wir mit unseren Diensten die kostspieligen Flotten moderner Kampfjets wie Eurofighter, Rafále oder F-35 mit 30 bis 40 Prozent jährlich entlasten. Im stets budgetrelevanten Friedensbetrieb vermeiden die Geschwaderchefs damit Hunderte teure Flugstunden zur Darstellung von Einsatzbedingungen. Gleichzeitig reduzieren sie die Abnützung von Einsatzmaschinen, die ansonsten zu Übungszwecken gegeneinander antreten müssten. Dabei muss man sich auch vor Augen führen, dass für die realistische Vermittlung taktischer Duellsituationen für nur einen jungen Einsatzpiloten – beispielsweise im Szenario einer-gegen-zwei – sogar drei Maschinen aufsteigen müssen. Dazu kommt, dass der Einsatz anderer Typen auch den Realitätsgrad erhöht, als wenn man es stets mit den gleichen Mustern zu tun hat.

Das klingt ganz so, als hätte sich der Sektor im tagtäglichen Übungsbetrieb vieler Luftflotten bereits gut etabliert?
In jedem Fall. Wir haben mit mehr als 45.000 Flugstunden und 20 Jahren Erfahrung Pionierarbeit in der wachsenden taktischen Luftkriegsausbildung gemacht. Der Sektor ist sehr lebendig und wegen der Kostenvorteile auch expandierend. Zwar wird Corona diese Entwicklung vorübergehend ein wenig bremsen, aber das „Red Air”-Business ist in den nächsten fünf Jahren trotzdem ein Multi-Milliarden-Markt. Alleine in Nellis fallen heute bereits 6.300 Aggressor-Flugstunden jährlich an, aber auch in Europa, im Nahen Osten und in der Asien-Pazifik-Region wächst der Markt.

„Red Air“: Wenn der Feind ausgelagert wird

Wieso tauchen in den vergangenen ein bis zwei Jahren immer mehr starke Muster wie eure Mirage F.1M und Cheetah oder die F-16 bei Top Aces auf?
Weil es in der Simulation von heutigen russischen oder chinesischen Gegnermustern nicht mehr um Dogfights geht wie noch in „Top Gun”. Es geht vielmehr um Erfassung und Sensorreichweiten, welche die USAF gegen ihre „Blue Force”-Flieger schon von weit über den Horizont (Anm.: die Rede ist von BVR – Beyond Visual Range) angewandt sehen will. Daher müssen wir natürlich moderne Muster einsetzen, die das können.

Von wo werden zurzeit diese Fähigkeiten ab der 4.-Generation angeboten? Und um wie viele Stunden geht es da pro Tag?
Neben unseren temporären Einsätzen in Nellis bieten wir unsere Leistungen aktuell vertragsgemäß ständig von Holloman (New Mexico), Kelly Field (Texas), ANG-Kingsley (Oregon), Seymour Johnson (North Carolina) und Davis Monthan (Arizona) an. Bei der Zahl der Einsätze kommen wir derzeit auf bis zu 22 Einheiten pro Tag, die jeweils 90 Minuten dauern. Da gibt es für jeden Standort genau definierte Vertragsinhalte.

Hier geht es zu den anderen Beiträgen unserer Serie „5 Fragen an”.

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