2014 heiratete Ausbildner und Vizeleutnant Charles Eismayer Hauptmann Mario Falak. Nun ist ein Film über das Leben von Charles Eismayer in Planung, bei dem David Wagner Regie führen wird. Auch Konzept und Drehbuch stammen vom Wiener Filmemacher. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Wagner, wie ist die Idee zum Film entstanden?
2014 habe ich in einer österreichischen Tageszeitung (siehe Bericht) einen Artikel über die Hochzeit von Charles Eismayer und seinem damaligen Lebenspartner und späteren Ehemann Mario gelesen. Weil ich auch bei Bundesheer war, war mir der Name Eismayer zu diesem Zeitpunkt bereits ein Begriff und ich habe mich, aufgrund der Strenge, die Charles Eismayer als Ausbildner immer wieder zugeschrieben wurde, auch ein wenig vor diesem Namen gefürchtet. Ich hatte damals sogar das Gefühl, dass es sich dabei um eine erfundene Figur handelt. Wenn man etwas nicht selbst erlebt, entstehen ja sehr schnell Mythen oder Märchen. Auf jeden Fall hat mich seine Geschichte extrem fasziniert und aus dieser Faszination ist nach kurzer Zeit der Gedanke entstanden, dass es sein toller Film wäre.

Es handelt sich also um eine Idee, die Sie schon sehr lange begleitet …
Das ist richtig – eigentlich seit ich 2014 den Artikel in der Tageszeitung gelesen habe. Ich bin dann aber, wegen meiner Ausbildung auf der dortigen Filmhochschule, nach Hamburg gezogen und habe die Geschichte wieder etwas vergessen. Bis ich eines Tages im Zuge meines Studiums die Aufgabe bekommen habe, eine Idee für einen Spielfilm innerhalb recht kurzer Zeit niederzuschreiben. Da ist mir die Idee wieder eingefallen und ich habe sie zum ersten mal so richtig zu Papier gebracht. Mein Regiedozent ist daraufhin ziemlich ausgerastet, weil er so begeistert von der Geschichte war. Zurück in Wien habe ich mich dann mit meiner Idee für ein Stipendium beworben und wurde genommen. Daraufhin ist dann alles ins Rollen gekommen.

@Privat
David Wagner wurde 1982 in Wien geboren. Über die Fotographie und das Drehen von Kurzfilmen mit Freunden fand er mit Anfang 20 seinen Weg in die Filmindustrie. Er drehte als Regisseur und Kameramann zahlreiche Werbe- und Musikvideos sowie Kurzfilme und arbeitete auch als persönlicher Assistent von Oscar Preisträger Stefan Ruzowitzky.

Haben Sie sich im Vorfeld mit dem Vizeleutnant Eismayer unterhalten? Was hält er von Ihrem Projekt?
Wenn man die Geschichte eines homosexuellen Ausbildners beim Bundesheer erzählen möchte, kommt man fast nicht darum herum, den Namen Eismayer ins Spiel zu bringen. Wenn man es anders machen möchte, müsste man die Figur so verfremden, dass man nie auf den echten Menschen kommt. Diesen Weg wollte ich aber nicht gehen, also habe ich als allererstes den Kontakt zu Charles Eismayer und seinem Mann Mario hergestellt und die beiden auch mehrmals zu langen Gesprächen getroffen. Ich habe sie also von Anfang an mit ins Boot geholt. Vor allem deshalb, weil ich den Film so authentisch wie möglich machen und die Geschichte wirklich in ihrer Essenz verstehen möchte. Und dafür brauche ich die beiden auf meiner Seite. Es werden in diesem Film also viele Dinge vorkommen, die wirklich passiert sind, aber auch Passagen, die ich mir ausgedacht habe.

Sie mussten also keine Überzeugungsarbeit leisten?
Ein wenig Skepsis war am Anfang schon da, grundsätzlich waren sie aber neugierig und interessiert. Insgesamt hatte ich die ganze Zeit über das Gefühl, dass Charles Eismayer schon den Wunsch hat, dass seine Geschichte gesehen und gehört wird.

Haben Sie sich auch mit dem Bundesheer abgesprochen?
Es gab keine Absprachen im Vorfeld. Da der Film aber zu 80 Prozent im direkten Umfeld des Bundesheeres spielt, würden wir eine Kooperation natürlich begrüßen. In keinem Medium kann man ein Abenteuer so hautnah erleben wie in einem Kinofilm. Ich will mit diesem Film die Zuschauerinnen und Zuschauer mit Leib und Seele zum Bundesheer holen und sie das alles möglichst authentisch miterleben lassen. Durch eine Unterstützung des Bundesheeres würde dann auch wirklich jedes Detail stimmen und mit dem Bundesheer abgesprochen sein. Das wäre ein toller gegenseitiger Austausch und eine Win-Win Situation für uns alle.

„Ich bin dem Bundesheer sehr dankbar, dass sie beim Thema Homosexualität ehrlich daran interessiert sind zu zeigen, dass alle Menschen bei ihnen willkommen sind.“

Wägt man da beim Schreiben des Drehbuchs schon ab, an welchen Stellen und bei welchen Passagen vielleicht negative Emotionen dem Projekt gegenüber aufkommen könnten?
Man kann keine Geschichte über den legendären Eismayer erzählen, ohne dass es auch mal grob zugeht. Und ich bin mir sicher, dass es deswegen im Vorfeld noch zu einem lebhaften Austausch mit dem Bundesheer kommen wird. Und das ist wichtig. Momentan laufen die Gespräche und das Drehbuch liegt bei ihnen. Ich bin da sehr transparent und dem Bundesheer dankbar, dass sie beim Thema Homosexualität vorwärtsgerichtet und ehrlich daran interessiert sind zu zeigen, dass alle Menschen bei ihnen willkommen sind. Die Hochzeit hat ja auch in der Kaserne stattgefunden, was natürlich ein Zeichen der Unterstützung des Bundesheeres für einen ihrer passioniertesten Mitarbeiter ist. Diese vom Bundesheer selbst initiierte Öffnung soll auch im Film vorkommen und das wird das Image vom Bundesheer in ein moderneres und für viele vielleicht ungewohntes Licht rücken. Insgesamt wird der Film die Menschen überraschen und hoffentlich auch ihren Horizont erweitern.

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