Europa weiß, dass seine Sicherheit maßgeblich von den Entwicklungen in Afrika abhängt. Doch die Ambitionen zur umfassenden Mitgestaltung sind mittlerweile gebremst, es gibt drängendere Probleme wie beispielsweise Syrien oder die Ukraine. Eine Beschränkung auf den Aufbau von afrikanischen Kapazitäten im Krisenmanagement könnte der strategische Ausweg sein.

Als wesentliche Gründe für ein europäisches Engagement in afrikanischen Räumen gelten Terrorbekämpfung und Migrationskontrolle. Sicherheit rangiert ganz vorne, sie stellt auch die wichtigste Voraussetzung für Entwicklung dar. Das Scheitern oder Versagen von Regierungen ist dabei ähnlich gefährlich wie das Einnisten von Terroristen in sogenannten „unkontrollierten Räumen”, aus denen sie Bevölkerungen drangsalieren oder staatliche Einrichtungen angreifen. Langfristig gesehen können sie nur durch lokale Sicherheitskräfte, die von der Bevölkerung unterstützt werden, erfolgreich bekämpft werden. Dieser Apparat muss aber der Kontrolle einer legitimierten und handlungsfähigen Regierung unterworfen sein – beides ist erforderlich. Internationales Krisenmanagement zielt daher vermehrt auf den Aufbau ziviler und militärischer Kapazitäten vor Ort ab.

Auch die Bewältigung aktueller Konflikte liegt immer mehr in den Händen afrikanischer Kräfte – siehe beispielsweise das gemeinsame Vorgehen von fünf Staaten der Sahel-Zone (G5-Initiative). Das besondere Engagement von UNO und EU in Mali liefert ein weiteres Beispiel für einen „indirekten Ansatz”, der primär auf die Stärkung bestehender politischer und militärischer Kräfte und weniger auf Radikalreformen setzt.

Das mag ambitionslos oder zurückhaltend sein, doch es entspricht den Erfahrungen aus anderen Engagements (beispielsweise Afghanistan und Irak). Aufbau und Stärkung lokaler Kapazitäten könnten daher ein pragmatischer strategischer Zugang sein gemäß dem alten Motto „afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme”.

Lesen Sie dazu auch die Analyse „Der Krisenherd Afrika kommt nicht zur Ruhe” von IFK-Experte Gerald Hainzl. Hier geht es außerdem zu weiteren Beiträgen von IFK-Leiter Brigadier Walter Feichtinger.

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