Exporterfolg für Leonardo: Nachdem sich die griechische Luftwaffe kürzlich wie berichtet für den Ankauf von zwölf gebrauchten und sechs neuen Rafále-Kampfjets von Dassault entschieden hat und sich zudem für den F-35A Stealth-Fighter interessiert, modernisiert die Elleniki Polemiki Aeroporia nun auch ihre Trainerkapazitäten.

Dabei arbeitet Griechenland im Rahmen einer „vertieften Verteidigungs-Zusammenarbeit” mit Israel zusammen: Das israelische Technologieunternehmen ELBIT-Systems wird in Kalamata eine Flugschule für die griechischen Luftstreitkräfte aufbauen und ab 2022/23 für 20 Jahre betreiben. Der italienische Aerospace-Konzern und Trainer-Spezialist Leonardo wird dafür zehn Stück M-346 Flugzeuge liefern. Ein detaillierter Vertrag zwischen beiden Regierungen im Volumen von – aus heutiger Sicht – 1,375 Milliarden Euro soll in naher Zukunft unterzeichnet werden. Die griechische Regierung hat das bisher größte Beschaffungsabkommen zwischen den beiden Ländern bereits genehmigt, zuvor hat es eine internationale Ausschreibung gegeben. Dabei hat sich ELBIT gegen die kanadische Firma CAE durchgesetzt, deren Angebot ebenfalls auf dem M-346 von Leonardo basierte. Entscheidend für ELBIT dürfte vor allem die vor dem Hintergrund der türkischen Ambitionen in den vergangenen Jahren zuletzt enger gewordene Zusammenarbeit von Griechenland und Israel gewesen sein.

@Georg Mader
Einer von drei Exportkunden bisher: Neben Singapur und Polen betreibt aktuell auch Israel eine M-346-Trainerflotte. Griechenland dürfte das Trio bald zum Quartett machen.

Die Vereinbarung ist natürlich auch eine gute Nachricht für Leonardo und dessen Werk in Venegono. Nach Singapur, Polen und 30 Maschinen für Israel konnte damit ein weiterer Exportkunde für den Jet-Trainer M-346 fixiert werden. Noch ist aber nicht klar, ob Athen die zehn Flugzeuge „klassisch” kauft, oder ob sie von ELBIT beschafft und den griechischen Streitkräften anschließend zur Verfügung gestellt werden. Ebenfalls noch Verhandlungsmaterie sind Art und Anzahl der Simulatoren sowie ein im Paket erwähntes Upgrade der griechischen Basistrainer Beechcraft T-6C Texan-II mit Avionik von ELBIT-Systems. Zudem ist für die Umsetzung ein Zusatzabkommen zwischen ELBIT und SIBAT nötig, der Direktion für internationale Zusammenarbeit im israelischen Verteidigungsministerium. An Erfahrung mit jenem Modell mangelt es dabei nicht: ELBIT-Systems bildet in den nächsten 15 Jahren über das Joint-Venture-Unternehmen Affinity auch die britischen Militärpiloten auf Flächenflugzeuge aus.

Vermutlich werden die M-346 die verbliebenen, ab 1977 eingesetzten Veteranen Rockwell T-2E Buckeye der 362. und 363. Staffel beim 120th Air Training Combat Wing auf der Messinia/Kalamata Air Force Base ersetzen. Und wie erwähnt soll die neue Schule neben den neuen Jet-Trainern zudem auch gleich die Turboprop-Trainer Beechcraft T-6C (mit)betreiben, die ebendort seit 2000 bei der 361. Air Training Squadron fliegen. Die robusten und trägertauglichen Buckeye haben übrigens bestechende Parallelen zu den in Österreich eben verabschiedeten Saab-105Ö (Militär Aktuell berichtete): Sie sind fast gleich alt, es waren anfänglich auch 40 Stück – in Kalamata haben 30 physisch überlebt, in Hörsching 28 – und beide waren die einzigen Betreiber neben dem Herstellerland. Einziger Unterschied: In Österreich will man (offiziell) ohne Ersatz auskommen.

@Georg Mader
Die T-6-Trainer der Griechen sollen mit einem Avoinik-Upgrade modernisiert und parallel zu den neuen M-346 betrieben werden.

Bezhalel „Butzi” Machlis, CEO von ELBIT, freut sich über die Zusammenarbeit: „Wir fühlen uns geehrt, dass wir ausgewählt wurden, den griechischen Luftstreitkräften eine so wichtige Fähigkeit zur Verfügung zu stellen, von der wir glauben, dass sie zur weiteren Stärkung der bilateralen Beziehungen zwischen Israel und Griechenland beitragen wird. Diese Auswahl bestätigt die führende Position, die wir im Bereich der Ausbildungslösungen einnehmen, indem wir erprobtes Know-how und bewährte Technologien anbieten, die die Einsatzbereitschaft verbessern – und gleichzeitig die Kosten senken.“

Israels Verteidigungsminister Benny Gantz: „Es handelt sich hier um eine langfristige Partnerschaft, die sowohl den Interessen Israels als auch Griechenlands dient, Hunderte von Arbeitsplätzen in beiden Ländern schafft und die Stabilität im Mittelmeerraum fördert. In dem Telefonat, das ich nach der Genehmigung der Vereinbarung erhalten habe, bedankte ich mich bei meinem Freund, dem griechischen Verteidigungsminister Nikolaos Panagiotopoulos für seine persönliche Unterstützung dieses Projekts. Ich habe auch meine Freude über die jüngste Stärkung der Verteidigungsbeziehungen zwischen unseren Ländern zum Ausdruck gebracht und hoffe, dass sich diese weiter vertiefen werden.“

SIBAT-Direktor Brigadegeneral Yar Koulas: „Die Annahme dieses Abkommens durch die griechische Regierung ist wirklich ein historischer Schritt zur weiteren Vertiefung der mittlerweile ausgezeichneten Verteidigungsbeziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Dies ist nicht nur ein Exportabkommen über Verteidigungsgüter, sondern eine Partnerschaft, die mindestens 20 Jahre dauern wird. Ich möchte dem griechischen Verteidigungsminister für sein Vertrauen danken, welches er unserer ausgezeichneten Verteidigungsindustrie ausspricht. Mein Dank gilt aber auch dem „Lavi” (israelischer Name für den M-346), mit dem wir in unserer Akademie sehr zufrieden sind.“

@Georg Mader
Die T-2E Buckeye-Trainer dürften nach der Beschaffung der neuen Leonardo-Trainer außer Dienst gestellt werden.

Interessant: Vor kurzem hat Leonardo selbst den Spatenstich für sein Trainingszentrum in Sardinien zusammen mit der italienischen Luftwaffe gefeiert (Militär Aktuell berichtete). Nun kommt ein weiterer Standort für ebendasselbe Segment hinzu, der – wie es ELBIT bereits andeutet – auch mit stets gutem Flugwetter wirbt.

Hier geht es zu weiteren Meldungen rund um Leonardo.

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