Das Bundesheer besteht neben 16.000 Berufssoldaten und 8.000 Zivilbediensteten im Schnitt aus 6.000 Grundwehrdienern und kann im Einsatzfall bis zu 31.000 Milizsoldaten mobilisieren. Einer dieser insgesamt 55.000 Bundesheer-Angehörigen ist Andreas Sulz, der als Restaurator im Heeresgeschichtlichen Museum alte Schusswaffen, Schwerter und Säbel wieder fit für die Zukunft macht

Neben Gewehren werden im Atelier von Andreas Sulz auch Harnische restauriert. Hier sind es meist die Lederstücke, die ersetzt werden müssen.

Von Mogelpackungen und rein kosmetischen Eingriffen hält Andreas Sulz, Amtsdirektor und Restaurator im Heeresgeschichtlichen Museum, gar nichts. Ziel seiner Arbeit ist es nämlich nicht, alte Stücke wieder wie neu aussehen zu lassen. Viel lieber ergänzt er fehlende Teile an Waffen mit zeitgenössischen Materialien, sodass der Unterschied zwischen alten und neuen Teilen nicht zu erkennen ist. Nicht das perfekte Aussehen einer alten Waffe steht bei ihm im Mittelpunkt, sondern die Geschichte, die sie erzählt. Alterserscheinungen wie Flecken sieht Andreas Sulz nicht als Mangel, sondern als wichtiges Zeugnis einer langen Geschichte und eines spezifischen Charakters.

@Sebastian Freiler
Feine Schweißarbeiten, die Millimeterge – nauigkeit verlangen, werden mit einem hochsensiblen Laser- Schweißgerät erledigt.

Dass es sich bei seiner Tätigkeit im Museum mehr um ein richtiges Handwerk als um ein einfaches Tagwerk handelt, davon erzählen die zahlreichen Arbeitsstunden, die in einzelne Stücke fließen. Manchmal sitzt Sulz einen Monat lang an einem Werkstück, weil stundenlange Tüftelei zu den Kerneigenschaften seiner Arbeit zählt. Im Heeresgeschichtlichen Museum ist Sulz eigentlich eher zufällig gelandet. Als diplomierter Waffentechniker und geprüfter Büchsenmachermeister kam er eines Tages mit einem Restaurator des Museums ins Gespräch, der ihm empfahl sich zu bewerben, wie er im Gespräch mit Militär Aktuell erzählt (siehe unten). Heute ist er einer von mehr als 20 Restauratoren des Heeresgeschichtlichem Museums, leitet das Atelier Feinmechanik und macht die wertvollen Exponate des Museums für die nächsten 100 Jahre fit.

@Sebastian Freiler
Wenn etwa eine Luntenmuskete aus dem 17. Jahrhundert von Schädlingen zerfressen ist, wird Stück für Stück des Holzes ersetzt.

Herr Sulz, wie wurden Sie Restaurator im Heeresgeschichtlichen Museum?
Alles war purer Zufall. Ich bin unter anderem diplomierter Waffentechniker mit einem HTL-Abschluss sowie geprüfter Büchsenmachermeister und habe für einen Bekannten ein Radschloss restauriert. Dafür wollte ich im Heeresgeschichtlichen Museum Musterbücher ansehen. Ich kam mit dem Restaurator vor Ort ins Gespräch und er empfahl eine Bewerbung. So bin ich hier gelandet und konnte mir ein sehr gutes Rüstzeug aneignen, durch meine Kollegen, durch ,Learning by Doing’. Ständig probiere ich etwas aus, lerne wieder etwas dazu. Das Schönste für mich ist, wenn man die alten Technologien mit den neuen verbinden kann.

Wie restaurieren Sie?
Es gibt zwei Zugänge bei der Restaurierung. Der erste: Ich bringe Stücke wieder in Ordnung, damit sie ausschauen wie neu. Das ist nicht unser Weg, unsere Philosophie ist die zweite Möglichkeit: Man ergänzt fehlende Teile möglichst unter Verwendung von zeitgenössischem Material, sodass man nicht sieht, was alt und was neu ist. In diesem Haus komplettieren wir, damit jedes Stück eine Geschichte erzählt. Jedes darf zeigen, dass es alt ist, kann Flecken haben, dadurch zeigt es Charakter.

„Wir bessern aus, was
notwendig ist, damit die Stücke für die nächsten 100 Jahre
gerüstet sind.“

@Sebastian Freiler
Anlässlich eines Jubiläums der Firma Steyr erhielt der Thronfolger Franz Ferdinand diesehandliche, exquisit verzierte Pistole. Inklusive Schraubendreher zum Zerlegen der Waffe.

Wie sieht Ihr beruflicher Alltag aus?
Der Unterschied zu einem normalen Bürojob ist auf jeden Fall, dass man etwas Bleibendes schafft. Ich kann etwas angreifen, sehe am Ende des Tages, was ich geleistet habe. Mein handwerkliches Können wird oft richtig gefordert. Ich muss genau hinterfragen, was ich wie verändere, wie weit ich in die Substanz des Werkstückes eingreifen kann. Ansonsten erledige ich Papierkram, ich muss auch genau dokumentieren wie und was ich an den jeweiligen Stücken verändert und geändert habe. Manchmal arbeite ich an einer Waffe einen Monat, oft geht es auch schneller. Dazwischen müssen wir Sonderausstellungen oder Leihgaben vorbereiten und die Vitrinen im Museum regelmäßig reinigen. Wir säubern die Ausstellungsstücke und bessern aus, was notwendig ist, damit die Stücke für die nächsten 100 Jahre gerüstet sind.

Hier geht es zu den anderen Porträts unserer Serie „Eine(r) von 55.000”.

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