Auf Fotos welche in sozialen Medien kursieren, zeigen belgische Spezialpolizei-Sicherheitskräfte eine Kombination von Einmann-Drohnenabwehrausrüstung, mit welcher am 14. Juni ein Treffen zwischen US-Präsident Joe Biden und König Philipp von Belgien geschützt wurde.

Es sind in Verwendung der belgischen Bundespolizei zwei verschiedene Arten derartigen „Waffen” beziehungsweise Einsatzphilosophien erkennbar, eine die gezielt ein Netzprojektil auf als Gefährdung erkannte UAVs abfeuert und ein anderes, welches, Hochfrequenz-Jamming (RF) verwendet, um Verbindungen zwischen den UAVs und ihren Operateuren zu stören. Der gemeinsame Einsatz dieser beiden Systeme erinnert daran, wie ernst heute die Bedrohung durch Drohnenangriffe oder gar Attentate auf hochwertige Ziele genommen wird. Obwohl es in diesem Fall eher um die Abwehr unerwünschter Aufklärung ging.

@Politié Federal
Die Drohnenabwehrausrüstung der belgischen Polizei kann sich sehen lassen.

Eines der beiden Systeme scheint die „DroneGun Tactical” der australischen Firma DroneShield zu sein (siehe Video unten). DroneShield behauptet, dass dieses Modell die UAVs (es geht in erster Linie um Multi-Rotor-Geräte) entweder vertikal zu einer Spotlandung zwingen kann, oder das Gerät dazu gebracht wird, zu seinem Startpunkt beziehungsweise zu seinem Operateur zurückzukehren. Das geschehe mittels Multiband-Hochfrequenz-Jamming-Attacke (RF), welche die Befehls- und Kontrollverbindungen zwischen Drohnen und ihren Betreibern trennt beziehungsweise übernimmt. Man könne zudem auch deren Videoübertragung sofort „einstellen”. Der „DroneGun Tactical” Jammer läuft mittels einem wiederaufladbaren 14.4V Lithium-Ionen-Akku und wiegt acht Kilogramm, wenn er mit zwei Akkupacks geladen wird. Die „Waffe” wird als „robustes Gewehr-Design” beschrieben und verfügt sogar über Picatinny-Schienen für die Montage anderer Ausrüstung. Der Hersteller listet die US Army, die US Air Force, das US Department of Homeland Security (DHS), das US-Außenministerium und die US Intelligence Community unter ihren Kunden auf.

Das andere System scheint eine „Skywall Patrol” zu sein, die von Open Works Engineering mit Sitz in Großbritannien hergestellt wurde (siehe Video unten). Open Works beschreibt es als ein handgehaltenes Einmann-Drohnenfang-System, welches Druckluft verwendet, um Netze gezielt abzufeuern, oder eine Kombination aus Netz-und-Fallschirmkörpern. Der Hersteller erklärt dazu, dass die „Skywall” eine effektivere Lösung ist, um Drohnen zum Absturz zu bringen, als andere kinetische Lösungen, weil konventionelle Waffen auch eine Situation eskalieren lassen können, wenn sie in der Nähe großer Menschenmengen eingesetzt werden. In einer städtischen Bedrohungs- und Verteidigungsumgebung außerhalb einer tatsächlichen Konfliktzone stellt der Einsatz traditioneller Feuerwaffen oder Munition erhebliche kollaterale Gefahren für Unbeteiligte dar. Darüber hinaus hätten gerichtete Störsender die Hochleistungs-Mikrowellen verwenden, Einschränkungen, wenn sie in städtischen Umgebungen verwendet werden, da sie möglicherweise zivile Kommunikationsnetze oder andere Elektronik (zer)stören könnten. Die von Skywall abgefeuerten Netz- und Netz-/Fallschirmgeschosse sind angeblich wiederverwendbar, aber es ist nicht klar, wie viel „Munition” jede Einheit tragen kann oder wie schnell sie nachgeladen werden kann – was relevant ist, wenn es beispielsweise rasch gegen einen sogenannten Drohnenschwarm gehen sollte.

Nur gegen niederschwellig(er)e Bedrohungen
Es gilt aber anzumerken, dass diese spezielle Mischung aus Netzprojektilen und Störern die in Brüssel zu sehen war, wirklich nur gegen Bedrohungen mit geringer (Mengen)Dichte und sehr niedrigem bis keinem letalen (militärischen) Potenzial nützlich scheint. Also beispielsweise einem aufklärenden Quadcopter – der natürlich auch kleine Sprengkörper abwerfen könnte – aber jedenfalls nicht gegen fortgeschrittenere Typen unbemannter Luftfahrzeuge die höher fliegen, weit schneller und vor allem autonom sind. Diese zwei Modelle funktionieren nicht gegen autarke Systeme, welche nicht auf HF-Verbindungen mit menschlichen Controllern angewiesen sind. Obwohl letztere eigentlich weit weniger flexibel sind, und in der Regel nur fixe Punkte verfolgen (oder treffen) können, und nicht Ziele die oft in Bewegung sind. Aber die eben außer Reichweite bleiben.

Das Bundesheer gibt die Drohnen-Antwort

Dennoch ist die hier gesehene Kombination der beiden Systeme so etwas wie eine Art low-end-Abwehr, die schnell auf einfache Bedrohungen reagieren kann, während sie tragbar genug bleibt, um von zivilen oder militärischen Sicherheitskräften ohne große Vorbereitung oder Logistik verwendet zu werden. Für Gastgeber großer Gipfeltreffen á la G7 wird solches wohl bald überall ebenso „mandatory” im Inventar sein wie heute schon eine funktionierende Luftraumüberwachung Voraussetzung ist.

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