Kürzlich erfolgte Abänderungen zur britischen „Defence Review” aus dem Jahr 2015 könnten auch für Österreichs Fliegerkräfte interessant werden: Neben den Hawk T.1 Trainern und den Puma-Hubschraubern sollen nämlich auch die C-130J-30 Transporter sowie die Eurofighter Tranche-1 der Royal Air Force (RAF) bereits ab 2023 beziehungsweise 2025 ausgemustert werden – Jahre früher als bis dato geplant. Im Gegenzug sind Milliarden-Investitionen in das 6.-Generation-Kampfjet-System FCAS (Tempest, Militär Aktuell berichtete) vorgesehen, aber nur ein vages Commitment zur Anzahl der bis dato vorgesehenen 138 Stück des Mehrzweckkampflugzeugs F-35B von Lockheed Martin.

Die Vorhaben, die in einem am 22. März veröffentlichten sogenannten „Defence Command Paper” mit dem in der Übersetzung etwas sperrigen Titel „Verteidigung im Wettbewerbszeitalter” (gemeint ist wohl der geostrategische Wettbewerb) aufgeführt sind, decken den Zeitraum bis 2025 ab und betreffen alle Teilstreitkräfte. Sie umfassen auch bedeutende Neuinvestitionen in das zukünftige FCAS-Projekt (Future Combat Air System), allerdings sind nur vage Einzelheiten beispielsweise zum Endausbau des F-35B in RAF und Royal Navy (RN) enthalten.

@Georg Mader
Die Briten haben bereits einige ihrer einst 50 C-130K/J verkauft – zu den Abnehmern der Juliet zählt auch die Luftwaffe Bahrains.

Präziser ist die neue „Defence Review” in Bezug auf die 14 Stück C-130J Super Hercules der Briten, die nun bereits ab 2023 abgestellt beziehungsweise abgestoßen werden sollen. Von den zehn Stück mit dem Standardrumpf (in der RAF als C-130J C5 bezeichnet) wurden schon seit 2018/19 via Gov-to-Gov acht an Bahrain (2), Bangladesh (5 inklusive Adaption auf MEDEVAC und Passagierkonfiguration) und – hier ein Richtpreis – ein Stück um 29,7 Millionen US-Dollar (25,1 Millionen Euro) an die US-Navy (ex-ZH885 als neuer „Fat Albert” der „Blue Angels”) verkauft. Zum Vergleich: Von Lockheed Martin neu gebaute C-130J kosten von rund 60 Millionen US-Dollar (Flyaway, 50,8 Millionen Euro)) bis je nach Sonderausstattung und Logistikpaket rund 75 Millionen US-Dollar (63,5 Millionen Euro). Nun folgen diesem Beispiel – teils bis zu zwölf Jahre früher als geplant und konträr zu den mit 2015 eingeleiteten Lebensdauerverlängerungen – eine weitere „kurze” Version sowie alle 13 „gestreckten” C-130J-30 (in der RAF C-130J C4). Für diese zwischen 17 und 21 Jahre alten Maschinen wird es wohl rasch reichlich potentielle Abnehmer geben, möglicherweise könnte sich sogar das Bundesheer dafür interessieren. Im Heer soll jedenfalls bereits ein Gremium mit der Umschau für einer Nachfolgelösung für die drei (auch ex-britischen) rot-weiß-roten C-130K (Baujahr 1967!) befasst sein.

Die ab September 2016 begonnenen Erhaltungsmaßnahmen der Briten zum Einsatz der Maschinen über 2030 hinaus bestanden zum Gutteil im Austausch des zentralen Flügelkastens (CWB) durch den seit 1966 – auch unseren Hörschingern wohl bekannten – C-130-Spezialdienstleister Marshall Aerospace in Cambridge (MADG). Das entsprechende Investment schlug damals mit 484 Millionen Pfund (rund 560 Millionen Euro) zu Buche. Davon machen die Lebensdauerverlängerungen rund 200 Millionen Pfund (232 Millionen Euro) aus, 150 Millionen Pfund (174 Millionen Euro) wurden für die Einrüstung neuer Fähigkeiten und Subsysteme fällig.

@Georg Mader
Die britische Luftwaffe betreibt aktuell 20 Stück des Airbus A400M. Die letztlich 22 Maschinen werden in Zukunft mehr Transportaufgaben Schultern müssen als bisher. Für einige Missionen (Spezialkräfte beispielsweise) scheinen diese aber reichlich (zu) groß und zu teuer.

MADG CEO Gary Moyneham äußerte sich in einer ersten Stellungnahme überrascht vom verfrühten Dienstende der Maschinen. Man werde die RAF aber nach Kräften beim Resale unterstützen – wie zuvor bereits bei den Weiterverkäufen an Bahrain, Bangladesh und Pensacola. Die bald verfügbaren „30er” kommen im Vergleich auf wenig(er) Stunden und stellen damit laut Moyneham für Zweitnutzer ein „äußerst attraktives Angebot” dar. Zuletzt flog die ganze Flotte im Finanzjahr 2018-2019 insgesamt 7.460 und 2019-2020 sogar nur 5.660 Stunden. „Wir erwarten dafür eine große Nachfrage und eine Verbreiterung unseres bereits 17 Kunden zählenden Auslandsportfolios für MRO (Maintainance, Repair, Overhaul).”

Laut MADG soll das CWB-Programm übrigens – bis Gegenteiliges beschlossen werden sollte – bis zur Außer-Dienst-Stellung weiterlaufen. Ebenso wie der Tausch der Stahl- auf Karbonbremsen sowie Avionik-Upgrades. Eine erste „30er” mit neuer CWB (ZH867, 23 Jahre alt) wurde im August 2020 an die RAF nach Brize Norton retourniert. An wie vielen der 14 nunmehr verfügbaren C-130J die eigentlich bis 2027 geplanten Arbeiten bereits begonnen wurden beziehungsweise nun eigentlich für künftige Exportkunden erfolgen, ist noch nicht bekannt.

@BAF
Ein weiterer Nutzer früherer C-130J der Briten ist Bangladesch – im Bild zu sehen ist die Übergabe der ersten Maschine im Jahr 2019.

Einst flog die RAF insgesamt 50 Maschinen vom Typ C-130K/J, welche dann durch 25 Stück des A400M ersetzt werden sollten. Die Zahl der A400M wurde in weiterer Folge auf 22 Stück reduziert, davon wurden bislang 20 ausgeliefert. Durch die Stilllegung der 14 verbliebenen C-130J büßt die RAF nun rund 23 Prozent ihres Luftransportvolumens ein, im Gegenzug sollen Kapazität und Leistungsfähigkeit der A400M-Atlas-Flotte erhöht werden, wie es heißt. Tatsächlich besteht der RAF-Airlift dann aber „nur” mehr aus acht Boeing C-17 Globemaster III, den erwähnten 22 Airbus A400M Atlas und zehn weiteren Airbus A330 Voyager (Tanker/Transporter). Wie leistungsfähig diese auch immer sein mögen – ein Flugzeug kann zu einem Zeitpunkt nur an einem Ort sein und der A400M ist dann das „kleinste” Gerät zum Lift beispielsweise von Spezialkräften oder auch von untergeordnet dringender Fracht. Das scheint nicht nur in Hinblick auf die Betriebskosten wenig ökonomisch, aber auch viele andere Punkte im aktuellen Review scheinen – wohl auch im Hinblick auf Post-Corona Ausgaben – vor allem das „Heben” kurzfristiger Budgetpotenziale zum Ziel zu haben.

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