Friedrich Steinhäusler ist technischer Direktor des in Baden bei Wien beheimateten ISCC (International Security Competence Centre GmbH) und Work Package Leader des EU-Forschungsprojekts CURSOR, das mithilfe modernster Technologie Suchaktionen optimieren möchte (Militär Aktuell berichtete). Im Interview hat er uns mehr zum Projekt und der damit verbundenen Zusammenarbeit mit dem Bundesheer verraten.

Herr Steinhäusler, wieso ist es so wichtig, dass Suchaktionen in Zukunft noch effizienter durchgeführt werden können?
Gegenwärtig ist ein hoher Aufwand erforderlich, um Verschüttete in einem Trümmerfeld zu finden. Suchhunde sind nur für eine begrenzte Zeit voll einsatzbereit und Suchmannschaften sind fallweise großen Gefahren ausgesetzt, wenn es etwa darum geht in einsturzgefährdeten Gebäuden nach Verschütteten zu suchen, auch giftige Gase und Brände können die Mannschaften gefährden und behindern. Außerdem ist die mobile Kommunikation zwischen den verschiedenen Einsatzkräften wie auch der Zugang zum Internet durch beschädigte Infrastruktur oft stark eingeschränkt. Dadurch kann in vielen Fällen nur ein unvollständiges Lagebild für die Einsatzleitung zur Verfügung gestellt werden.

@ISCC
Friedrich Steinhäusler ist technischer Direktor des ISCC (International Security Competence Centre GmbH).

Mithilfe welcher Maßnahmen möchte CURSOR hier eine Optimierung erreichen?
CURSOR erweitert die gegenwärtigen Möglichkeiten für eine raschere und kosteneffizientere Such- und Rettungsaktion, indem ein System entwickelt wird, das aus einer Drohnen-Flotte, autonomen Bodenrobotern, Geophonen und einer robuste Kommunikationsplattform besteht.

Aufgabe des ISCC ist die Entwicklung der Drohnen-Flotte, richtig?
Genau – und diese besteht aus mehreren Typen: Unsere stationäre Drohne fliegt kontinuierlich für viele Stunden über dem Einsatzgebiet und liefert mittels verschiedener Kameras eine detaillierte Lagebilddarstellung. Zusätzlich hat diese Drohne ein Megaphon an Bord, mittels dessen die Einsatzleitung mit den Einsatzkräften kommunizieren kann. Starke LED-Lampen an Bord der Drohne leuchten den Einsatzort aus. Im Bedarfsfall kann die Drohne auch als WiFi-Knoten dienen. Die Bodenradardrohne hat ein Bodenradar an Bord, das Schuttkegel auf darunter liegende Überlebende untersucht. Weiters hat diese Drohne auch spezielle Kameras und einen Lautsprecher an Bord, um mit einem Verschütteten Kontakt aufnehmen zu können. Die Transportdrohne hat einen ferngesteuerten Spezialtransportbehälter an Bord, mit dem Bodenroboter im Einsatzgebiet abgesetzt werden können. Diese Roboter bewegen sich in Hohlräume im Einsatzgebiet und detektieren mittels Gassensoren die Atemgase von Überlebenden. Weiters haben diese Roboter eine Videokamera und Mikrophone an Bord. Und der Modell-Drohnenschwarm besteht aus fünf Drohnen, die autonom ein 3D-Modell eines definierten Gebietes erstellen. Dazu werden die Drohnen vorprogrammiert und starten selbstständig, fliegen entlang vorprogrammierter Routen, machen tausende Fotos, und landen automatisch. Mittels spezieller Software werden die Fotos aneinandergefügt und ein 3D-Modell erstellt. Zusätzlich werden mehrere hochempfindliche Mikrofone (Geophone) strategisch im Einsatzgebiet verteilt, um eventuelle Geräusche von Verschütteten zu empfangen. Die Daten aller oben angeführten CURSOR Systeme werden zentral gesammelt, ausgewertet und mittels spezieller Kommunikationsplattform in die Einsatzzentrale übermittelt.

Inwieweit werden Sie dabei vom Österreichischen Bundesheer unterstützt?
Das Verteidigungsministerium hat über das Amt für Rüstungs- und Wehrtechnik insgesamt fünf Testhügel aus verschiedenem Baumaterial nach meinen Vorgaben auf dem Gelände des Schießplatzes Felixdorf errichtet. Dadurch kann das ISCC mit der CURSOR Drohnen-Flotte dort umfangreiche Testprogramme mit verschiedenen Detektoren in diesem und im nächsten Jahr durchführen.

@CURSOR Projekt
„Eye in the Sky”: Mithilfe unterschiedlichster Drohnen (3D-Modellierungsdrohnen, GPR-Drohnen, …) soll ein möglichst detailliertes Lagebild gezeichnet werden.

Wann könnten die ersten, im Rahmen des Projekts entwickelten Drohnen zum Einsatz kommen?
Der Modell-Drohnenschwarm wurde, in Zusammenarbeit mit Georesearch Forschungsgesellschaft mbH (Anm.: Wals, Österreich), bereits für geophysikalische Untersuchungen in Kirgistan im praktischen Einsatz verwendet. Die stationäre Drohne ist ab Winter 2020/2021 einsatzfähig und die Bodenradardrohne sowie die Transportdrohne werden ab 2022 für den praktischen Einsatz zur Verfügung stehen.

In welchen Bereichen gibt es bei der Entwicklung der Drohnen momentan noch Herausforderungen?
Bei allen Drohnenentwicklungen wird international geforscht, um die optimale Lösung zwischen Ladegewicht, Drohnenflugzeit und Anwenderfreundlichkeit zu finden. Das bedeutet unter anderem, dass verschiedene, möglichst leichte Materialien für den Drohnen-Flugkörper untersucht und Propellerform sowie Elektromotor optimiert werden. Dazu kommt außerdem noch die innovative Flugsteuerung wie auch die Entwicklung moderner Trainingsmethoden für die zum Teil komplexen Drohnensysteme. Eine große Rolle spielt darüber hinaus die Anpassung von unterschiedlichen Sensoren, von HD Videokamera, Thermalkamera, Bodenradar, Megaphon, LED Scheinwerfer, WiFi Access Point und ferngesteuerter Winde auf den Flugbetrieb.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here