Der tschechische Verteidigungsminister Lubomír Metnar hat am 30. Sepember in Prag mit Nicolas Chamussy, CEO der französischen Nexter Group, und im Beisein der französischen Verteidigungsministerin Florence Parly einen Vertrag über den Erwerb von 52 Caesar-Selbstfahr-Artilleriegschützen in einer Ausführung mit Achtradantrieb (8×8) unterzeichnet.

@Nexter
Vertragsunterzeichnung in Anwesenheit des tschechischen Verteidigungsministers Lubomír Metnar und der französischen Verteidigungsministerin Florence Parly.

Die Geschütze werden – mit beträchtlicher tschechischer Wertschöpfung von 40 Prozent – in den Jahren 2024 bis 2026 geliefert und ersetzen die (damals in der heutigen Slowakei gefertigten) Dana-Eigenbauten aus den 1970er-Jahren. Die ersten vier Kanonen werden in Frankreich montiert, während die restlichen 48 Stück – natürlich mit Ausnahme der eigentlichen Kanone – von tschechischen Firmen gebaut und endmontiert werden Die 8×8-Fahrgestelle mit gepanzertem Fahrerhaus werden von Tatra an Excalibur Army – eine Firma der tschechischen Holding CSG – geliefert, die auch die Endmontage im Land sicherstellt. Retia wird die mit dem Artilleriefeuerleitsystem verbundenen Kommunikationsmittel und -ausrüstungen integrieren.

Die eingegangene Partnerschaft umfasst auch die Munition, welche hauptsächlich durch konventionelle Granaten und modulare Ladungen in den Unternehmen STV und Explosia gefertigt werden. Komplexere Spezialmunition wird von der Munitionssparte von Nexter geliefert. Ebenso enthalten sind die Lieferung eines Trainingssimulators, die Ausbildung von tschechischen Spezialisten sowie eine zweijährige Garantie.

In den Aussendungen von Nexter sowie dem Prager Verteidigungsministerium wird auf die Vorteile des Caesar-Systems durch hohe Munitionsautonomie mit 36 Granaten sowie die – im Vergleich zu Haubitzen auf Vollkettenfahrgestell – geringe Masse mit daraus resultierendem geringeren Kraftstoffverbrauch hingewiesen. Das wird als großer Vorteil in hochintensiven Gefechtskonfigurationen gesehen, bei denen die logistische Versorgung eventuell durch Hubschrauber oder gegnerische Langstreckenartillerie bedroht sein könnte.

@MoD France
Die französische Armee hat das Caesar-System bereits mehrfach – im Bild zu sehen in Afghanistan – zum Einsatz gebracht.

Die 52 straßenmobilen 155-mm-Geschütze werden inklusive Steuer und zum heutigen Wechselkurs 8,52 Milliarden Tschechische Kronen (rund 336 Millionen Euro) kosten. Damit liegt der Preis um rund 40 Prozent über den ursprünglich budgetierten 6 Milliarden Kronen (237 Millionen Euro), was von Verteidigungsminister Metnar mit Inflation, gestiegenen Rohstoffpreisen und der 40-prozentigen Fertigungsverlagerung in die Tschechische Republik begründet wird. Er und seine französische Amtskollegin bemühten aber selbstverständlich das Geschäft als leuchtendes Beispiel europäischer Rüstungskooperation.

Mit dem Großauftrag wird Tschechien der dritte europäische Kunde (Frankreich selbst mit 77 Stück und Dänemark mit 19 Stück, auch mit bereits Kabinen von Tatra) und weltweit der siebente Anwender (Indonesien: 55, Libanon: 24, Marokko: 36, Saudi-Arabien: 132 und Thailand: 6) des Caesar-Systems. Nexter erreicht mit dem neuen Auftrag eine Stückzahl von seit 2008 über 350 Stück. Die französische Armee hat Caesar bereits mehrmals im scharfen Schuß in Konflikten eingesetzt – beispielsweise 2009 in Afghanistan, in Mali durch das 68e régiment d’artillerie d’Afrique, 2017 im Irak gegen den IS bei der Rückeroberung von Mossul und 2019 in Syrien zur Unterstützung des Syrian Democratic Forces sowie ebenfalls gegen den IS in der Schlacht von Baghuz Fawqani. Thailand hat damit im Jahr 2011 nach eigenen Angaben über eine Distanz von 40 Kilometer zwei BM-21-Raketenwerfer Kambodschas zerstört.

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