„Still gestanden”: Fritz Dittlbachers neue „Menschen & Mächte”-Doku begleitet Bundesheer-Rekruten durch ihren Präsenzdienst.

Der Krieg in der Ukraine hat viel verändert: Sicherheitslagen, Gaspreise, Inflationshöhen. Er hat aber auch den Blick aufs Militärische verändert, auch den aufs Bundesheer. Seit Jahrzehnten ist es auf Sparkurs getrimmt worden. Seit Putins Überfall ist die Notwendigkeit von Landesverteidigung aber allgemein anerkannt. Für die neue „Menschen und Mächte”-Dokumentation „Still gestanden” – zu sehen am 25. Oktober um 21.05 Uhr in ORF 2 – haben Gestalter Fritz Dittlbacher und Kameramann Hannes Drapal Rekruten des Bundesheers durch ihren Präsenzdienst begleitet – vom Einrücken im Jänner bis zum Abrüsten im Sommer. Was hat sie zum Dienst mit der Waffe motiviert, wie waren ihre Erfahrungen bei der Truppe, was nehmen sie aus ihrer Zeit beim Heer mit? Mitten in ihren Wehrdienst fällt der Ausbruch des Ukraine-Kriegs – macht es Angst, wenn man weiß, dass ein paar hundert Kilometer weiter Raketen fliegen, Bomben fallen, Soldaten und Zivilisten sterben?

Fritz Dittlbacher: „Ein halbes Jahr lang haben wir den Einrückungsjahrgang Jänner 22 der Melker Pioniere begleitet, neben den Rekruten auch den dienstführenden Unteroffizier der Kompanie und die stellvertretende Bataillonskommandantin, die für ihre UNO-Einsätze im Jahr 2008 den Titel ,Soldier of the year’ verliehen bekommen hat. Wir versuchen dabei auch der Frage nachzugehen, wie diese erfahrenen Militärangehörigen die Lage und die Situation des österreichischen Bundesheeres beurteilen.”

Milliarden-Pläne für das Bundesheer

Dass Heer aber mehr ist als Kampf am Schlachtfeld, zeigt ein Blick in andere Bereiche, etwa ins Sportleistungszentrum Hochfilzen. Die „Sportsoldatin” und aktuelle Biathlon-Weltmeisterin Lisa Hauser spricht darüber, wie es ist, wenn Sportkameraden aus der Ukraine oder Russland plötzlich in den Krieg und an die Front müssen. Die Luftraumüberwachung findet von Zeltweg aus statt, Kampfpilot Patrick Wöss führt in die Cockpits des Eurofighter – sowohl im Jet als auch im Flugsimulator, wo aus Kostengründen deutlich öfter geflogen wird. Und Experten sorgen für den Blick von außen und oben. Wenn etwa der Kurzzeit-Verteidigungsminister im Beamtenkabinett von Kanzlerin Bierlein, Thomas Starlinger, klarstellt, dass es in Österreich momentan keinerlei Fähigkeit zur Drohnenabwehr gibt. Oder wenn Hubertus Trauttenberg, der ehemalige Adjutant von Bundespräsident Klestil, mit seiner Meinung über einen NATO-Beitritt nicht hinter dem Berg hält.

Philosoph und Essayist Franz Schuh, dessen Einrücken zur Reserveoffiziersausbildung in den 1960er Jahren doch einigermaßen überrascht, konstatiert ein aktuelles Schwanken zwischen „Neutralismus” und Kriegslüsternheit. Und wie bilanzieren die Rekruten ihre sechswöchige Ausbildung, welche Eindrücke nehmen sie mit? Die Antworten gibt es in „Still gestanden” – einer Dokumentation im doppelten Wortsinn: „Still gestanden!” einerseits als Befehl bei Angelobungen oder im Kasernenhof, und „Still gestanden” andererseits als Metapher für den langjährigen Sparkurs, der zur Existenzbedrohung für das Bundesheer wurde. Nun scheint sich aber doch etwas zu bewegen, nicht zuletzt durch den Krieg in der Ukraine.

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