Im Februar kündigte die US-Armee die Reaktivierung des 5. Corps in Fort Knox, Kentucky, an und identifizierte Europa als Standort für das vorgeschobene Hauptquartier – nun fiel die Entscheidung für Polen.

„Die Aktivierung eines zusätzlichen Korpshauptquartiers bietet das erforderliche Maß an Befehl und Kontrolle, das sich auf die Synchronisierung der taktischen Elemente der US-Armee, der Alliierten und der in Europa operierenden Partnerländer konzentrieren kann. Dies wird das Kommando der US Army Europe und des US European Command stärken, da es mit Verbündeten und Partnern zusammenarbeitet, um regionale Stabilität und Sicherheit zu fördern”, so der Stabschef der US-Armee, General James McConville.

@US-Army Europa
General James McConville: „Das neue Hauptquartier wird das Kommando der US Army Europe und des US European Command stärken, da es mit Verbündeten und Partnern zusammenarbeitet, um regionale Stabilität und Sicherheit zu fördern.”

Da nun – Im Kontext der von US-Präsident initiierten Reduktion der US-Truppen in Europa und dabei vor allem in Deutschland – die Verhandlungen mit Polen über das Enhanced Defense Cooperation Agreement (EDCA) erfolgreich abgeschlossen wurden, wird das Hauptquartier nach Polen gehen, wenn die Vereinigten Staaten ihr 5. Korps nach Europa verlegen. General McConville reiste nach Polen, um Generalmajor John Kolasheski, den künftigen kommandierenden General des 5. Korps, in den Rang eines Generalleutnants zu befördern und die Flagge des Korps am neuen Standort offiziell zu entfalten.

Das vorgeschobene Hauptquartier wird mit einer Mannstärke von etwa 200 Personen laufend rotieren, weil nach dem „Zwei-plus-Vier-Vertrag”, der im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung Deutschlands zwischen den USA, Großbritannien, Frankreich, der damaligen Sowjetunion und den beiden deutschen Staaten geschlossen wurde, dürfen Truppen aus NATO-Ländern nicht permanent im Bereich der damals neuen NATO-Mitglieder stationiert werden. Deshalb werden die USA regelmäßig Soldaten austauschen, um diese Bestimmung – zumindest pro Forma – einzuhalten. US-Army Europe erwartet die erste Rotation im Finanzjahr des US-Haushalts 2021.

Die Hauptaufgabe des neuen Hauptquartiers wird darin bestehen, die Rotationskräfte in Europa zu planen, zu führen und zu überwachen. Es wird auch Möglichkeiten zur Unterstützung von Verbündeten und Partnern in der Region bieten. Darüber hinaus sollte es bereits an der Übung „DEFENDER-Europe 2”1 teilnehmen. Die Geschichte des 5. Korps reicht bis ins Jahr 1918 zurück, als die Einheit während des Ersten Weltkriegs gegründet wurde. Während des Zweiten Weltkriegs führte das Korps unter anderem während des D-Day’s, der Invasion in der Normandie.

@Polnisches Verteidigungsministerium
Schon jetzt verfügen die USA über bedeutende Truppenstationierungen in Polen – die Zusammenarbeit mit der polnischen Armee läuft laut Angaben von beiden Seiten „bestens”.

Die deutsche Bundesregierung hat in den vergangenen zehn Jahren fast eine Milliarde Euro für die Stationierung von US-Truppen in Deutschland gezahlt. Das geht aus einer Antwort des deutschen Finanzministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Brigitte Freihold hervor. Mit 648,5 Millionen Euro entfielen demnach etwa zwei Drittel der Summe auf Baumaßnahmen. Sogenannte „Verteidigungsfolgekosten” belaufen sich auf 333,9 Millionen Euro. Dazu zählen Beihilfezahlungen an ehemalige Beschäftigte der US-Streitkräfte, die Behebung von durch US-Soldaten verursachte Schäden und die Erstattung von US-Investitionen an ehemaligen Truppen-Standorten. Die USA zahlen für die Truppenstationierung allerdings ein Vielfaches von dem, was Deutschland dafür aufbringt. Das US-Verteidigungsministerium schätzt die Aufwendungen für 2020 in einer Haushaltsprognose aus dem vergangenen Jahr auf rund 8,125 Milliarden US-Dollar (7,234 Milliarden Euro) – das ist 61 Mal so viel wie die 132,4 Millionen Euro, die Deutschland im vergangenen Jahr für die Truppenstationierung gezahlt hat.

Laut US-Angaben käme kein anderer Truppenstandort weltweit dem amerikanischen Steuerzahler so teuer zu stehen. „Deutschland ist seit Jahren säumig und schuldet der NATO Milliarden Dollar, und das müssen sie bezahlen”, sagte Trump bei der Ankündigung der aktuellen Truppenverlegung – Militär Aktuell berichtete. Er verwies zudem darauf, dass die Stationierung der US-Truppen in Deutschland „gewaltige Kosten” für die USA verursache, während Deutschland wirtschaftlich von den US-Truppen profitiere. „Das sind gut bezahlte Soldaten. Sie leben in Deutschland. Sie geben viel von ihrem Geld in Deutschland aus.”

Nach Bekanntwerden der US-Pläne zum Abzug von bis zu 12.000 Soldaten aus Deutschland, hatte Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki einem polnischen Radiosender gesagt, er hoffe, dass ein Teil der US-Soldaten in sein Land verlegt werden würde. Das würde die Ostflanke der NATO stärken und der Sicherheit von ganz Europa nützen. Und nach der jüngsten Vereinbarung vom 3. August, wird Polen auch den Löwenanteil der Stationierungskosten von bis zu 5.500 US-Soldaten innerhalb seiner Grenzen übernehmen.

@US-Army Europa
Eine Übersicht der aktuellen US-Truppenstationierungen in Polen.

Der Pentagon-Sprecher Oberstleutnant Thomas Campbell erläuterte, dass Polen zugestimmt hätte, die Infrastruktur und die logistische Unterstützung der US-Truppen in Polen zu übernehmen (siehe Auflistung weiter unten), inklusive der 4.500 rotierende Kräfte beziehungsweise der nun geplanten 1.000 zusätzlichen Truppen. In einer Erklärung am 4. August sagte US-Verteidigungsminister Esper, „das neue Abkommen wird die Abschreckung gegen Russland verstärken, die NATO stärken, unsere Verbündeten beruhigen und unsere Vorwärtspräsenz in Polen an der Ostflanke der NATO wird unsere strategische und operative Flexibilität verbessern.”

Im Detail hat Polen zugestimmt, die vollständige Infrastrukturen zu finanzieren für:

  • Den Kommandoposten des 5. Korps-Hauptquartiers der US-Armee
  • Den Hauptsitz einer US-Division in Polen
  • Ein gemeinsames Kampftrainingszentrum in Drawsko Pomorskie, mit untergeordneten Trainingsorten
  • Einrichtungen für ein MQ-9-Drohnengeschwader der US-Luftwaffe
  • Einen Ausschiffungshafen zur Unterstützung der Bewegung von Streitkräften innerhalb und außerhalb des Landes
  • Strukturen zur Unterstützung von Spezialeinheiten, damit diese Luft-, Boden- und Seeoperationen durchführen können
  • Infrastruktur für ein Panzerbrigaden-Kampfteam, eine Kampfflugzeug-Brigade und ein Bataillon zur Kampfunterstützung

Während die Politik in Deutschland den geplanten Abzug von US-Truppen mehrheitlich ablehnt, trifft er in der Bevölkerung überwiegend auf Zustimmung. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur befürworten 47 Prozent der Deutschen eine Reduzierung der derzeit 36.000 Soldaten. Jeder Vierte meint sogar, die US-Streitkräfte sollten Deutschland ganz verlassen. Dagegen ist nicht einmal jeder Dritte (28 Prozent) dafür, dass die GIs in der bisherigen Stärke bleiben, vier Prozent meinen, dass das Kontingent sogar aufgestockt werden sollten und 21 Prozent machten keine Angaben.

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