Bereits am 6. April hat der US-Senat den Gesetzentwurf zum sogenannten „Ukraine Democracy Defense Lend-Lease Act of 2022” verabschiedet – und zwar einstimmig. Die Abstimmung über die „Neuauflage” des Leih- und Pachtvertrages aus dem Jahr 1941 ist im Repräsentantenhaus zwar noch ausständig, alles andere als eine Zustimmung wäre aber als riesengroße Sensation zu werten. Schon jetzt wird die Vorlage in US-Medien als Zäsur und „signifikanteste Vorlage” des 21. Jahrhunderts bezeichnet.

Der Präsident wird damit dazu ermächtigt, ungeachtet von gesetzlichen und juristischen Einschränkungen, allen Anforderungen für sämtliche vorhandene US-Ausrüstung (wohl keine F-35 und U-Boote – aber damit könnte die Ukraine jetzt sowieso nichts anfangen) durch die Ukraine und allen ukrainischen NATO-Anrainerstaaten rasch nachzukommen. Die Rückgabe der Systeme und allfällige Zahlungen werden dann erst frühestens in fünf Jahren ein Thema.

 

Entscheidend für alliierten Sieg im Zweiten Weltkrieg
Während im historischen Land-Lease Act die Gegner, also Nazi-Deutschland und das Kaiserreich Japan, nicht namentlich erwähnt wurden, ist das jetzt mit Russland als Aggressor sehr wohl der Fall. Damals belieferten die USA die Sowjetunion und Großbritannien ab 1941 – und beginnend noch vor ihrem Kriegseintritt nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbour – mit gigantischen Mengen von Kriegsmaterial. Dazu gehörten alleine rund 200.000 GMC Studebaker-Lastwagen, um die auch damals schon wenig effiziente Logistik der russischen Armee zu forcieren.

@USMC/SGT Mauricio Campion
In den vergangenen Wochen lieferten die USA hunderte Javelin-Panzerabwehrwaffen an die ukrainische Armee – im Zuge des neuen Land-Lease Acts könnten weitere Lieferungen erfolgen.

Das gesamte Volumen, das an Russland ging (darunter auch knapp 15.000 Flugzeuge, mehr als 7.000 Panzer und fast 200 Torpedoboote), ist in einigen, dem „Lend-Lease” gewidmeten, allerdings eher am Rande platzierten Vitrinen im großen Moskauer Siegesmuseum „Poklonnaja Gora” nachzulesen. Die Lieferungen erfolgten aber nicht gratis, die Kosten von (auf heute hochgerechnet) rund 160 Milliarden US-Dollar (knapp 150 Milliarden Euro) musste die Sowjetunion über Jahrzehnte hinweg abstottern. Moskau leistete seite letzte Zahlung im August 2006, also knapp 60 Jahre nach Kriegsende. Großbritannien, das rund drei Mal so viel Material wie die Sowjetunion erhalten hatte, beglich seine letzten Schulden von ursprünglich rund 700 Milliaren US-Dollar (knapp 650 Milliarden Euro) im Dezember desselben Jahres.

Die meisten westlichen Historiker sind sich sicher, dass das US-Material damals für die Sowjetunion vermutlich kriegsentscheidend, in jedem Fall aber ein bedeutender Faktor beim Kampf gegen die deutsche Wehrmacht war. Diesen Eindruck bestätigte auch Marschall Josef Stalin im Dezember 1943 während der Teheran-Konferenz, als er gegenüber dem britischen Premierminister Winston Churchill und US-Präsident Franklin D. Roosevelt sagte: „Without the use of those machines, through Lend-Lease, we would lose this war.” Im russischen Teil des Konferenz-Protokolls fehlt diese Aussage freilich. Noch 1963 rügte der Eroberer von Berlin, Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow in einem Privatgespräch mit dem Autor Konstantin Simonov: „Es heißt derzeit, die Verbündeten hätten uns gar nicht geholfen. Aber man kann nicht bestreiten, dass wir von den Amerikanern sehr viele Güter bekommen haben, ohne die wir den Krieg nicht hätten fortführen können.” Dabei sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass beim See-Transport des gesamten Materials auch Tonnen an Munition und Treibstoff verbraucht wurden und viele Tausend alliierte Seeleute durch Schiffsverluste infolge angreifender deutscher U-Boote und Flugzeuge ums Leben gekommen sind.

Waren damals die Materiallieferungen zur Unterstützung Russlands gedacht, ist nun das g

@StateDep
Die Tabelle zeigt die zuletzt bereits aufgestockten direkten Militärhilfen der USA an die Ukraine. Allfällige Lieferungen aus dem neuen „Land-Lease Act” sind darin noch nicht enthalten.

enaue Gegenteil der Fall. Die Frage ist nur noch, ab wann die neue Hilfsstruktur „voll auf Schiene” ist und ob die Ukraine dafür lange genug durchhält. Die USA werden jedenfalls alles daran setzen, dass die Hilfslieferungen möglichst bald anlaufen — das Weiterbestehen der Ukraine wird im Act als „essentiell für die Sicherheit der USA” bezeichnet.

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