Viele zerbrechen sich nun den Kopf über eine Nachkriegsordnung in Syrien. Doch es geht um viel mehr – es geht um geopolitische Fußabdrücke. Dazu gehören unverändert die Frage nach der regionalen Dominanz, der Umgang mit und die zukünftige Rolle des Iran, das Zusammenwirken oder die Konkurrenz zwischen Russland und den USA und das mögliche Auferstehen des IS.

Der regionale Wettstreit zwischen Saudi-Arabien und dem Iran wurde durch den Krieg nicht geklärt, sondern um einen weiteren Schauplatz, den Jemen, erweitert. Diese Rivalität wird unverändert das zukünftige Syrien beeinflussen. Dazu hat sich die Türkei gesellt, die in ihrem Kampf gegen die PKK mit eigenem Militär die Grenze zu Syrien überschritten hat. Präsident Erdogan musste dabei seine Ausgangsposition diametral ändern – die Forderung nach einem Rückzug Assads wird wohl insgeheim noch bestehen, aber nicht ausgesprochen. Ankaras zukünftige Gestaltungsmacht ist aber offen und wird in hohem Maße von Russlands Interessen und Wohlwollen abhängen. Eine weitere Annäherung zwischen Moskau und Ankara kann dabei auch erhebliche Sprengkraft innerhalb der NATO und Folgen für die transatlantischen Beziehungen haben.

Washington wiederum ist bestrebt, die pro-iranischen Truppen aus Syrien zu vertreiben und Teherans Wirkungsmöglichkeiten einzudämmen. Ein Zurückdrängen des Iran bedarf jedoch einer intensiven Abstimmung und Kooperation mit Russland. Moskau hingegen will den verbündeten Iran einerseits sicher nicht verärgern, andererseits kann dessen dauerhafte (militärische) Präsenz und Einflussnahme in Syrien nicht in russischem Interesse sein. Gemeinsames Interesse könnte aber sein, ein Aufleben des sunnitisch-islamistischen Extremismus – Stichwort IS – zu verhindern.

Dazu wäre es nötig, die Kurden in der Region weiterhin als Verbündete zu haben. Somit werden derzeit nicht nur die Weichen für die Zukunft Syriens, sondern auch für umfangreiche geostrategische Positionierungen gestellt.

Lesen Sie dazu auch die Analyse „Wie geht es weiter mit Sieger Assad?” von IFK-Expertin Jasmina Rupp. Hier geht es außerdem zu weiteren Beiträgen von IFK-Leiter Brigadier Walter Feichtinger.

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